Hitze in NRW - Jetzt ist richtig Sommer im Ruhrgebiet

Der Hitze-Rekord kann kommen: Gut, dass es trotz Ruhr-Badeverbot genug Gelegenheiten zum Planschen gibt, hier an der Xantener Südsee
Der Hitze-Rekord kann kommen: Gut, dass es trotz Ruhr-Badeverbot genug Gelegenheiten zum Planschen gibt, hier an der Xantener Südsee
Foto: FUNKE Foto Services
Hitzerekorde stehen auf dem Prüfstand. Brandmelder sitzen auf ihrem Turm. Und in Bochum drohen Schneewehen ... Höchste Zeit, über das Wetter zu reden.

Ruhrgebiet.. Es liegt in der Natur des Rekords, dass er auf Krawall gebürstet ist. Drum konkurrieren zwei Hitzerekorde in NRW. Den einen hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) vor 58 Jahren im Botanischen Garten von Köln gemessen: 39,3 Grad. Die Meteogroup hat allerdings 2003 in Löhne mal 39,9 Grad festgestellt. Und nun bekommen nicht nur Meteorologen schwitzige Hände: Am Samstag könnte er geknackt werden.

„Wir werden schon am Donnerstag eine Ahnung davon bekommen, was die Luftmasse hergeben kann“, sagt DWD-Mitarbeiter Thomas Kesseler-Lauterkorn in Essen. Und sein Meteogroup-Kollege Karsten Kürbis fügt an: Das Dortmunder Univiertel wäre ein Kandidat für den Rekord. Denn die Masse an Gebäuden heizt sich so hübsch auf.

Frisch im Schacht Sommerhitze

Da sucht man doch gleich nach dem kältesten Ort im Ruhrgebiet (Kühlräume gelten nicht) ... Genau: unten im Schacht! Zu tief darf man natürlich auch nicht einfahren, dann wird’s wieder wärmer; aber das Besucherbergwerk Zeche Nachtigall in Witten ist recht wohl temperiert: Drunten herrschen ganzjährig kühle zwölf Grad. Allerdings gelangt man nur mit einer Führung in diesen Genuss (Anmeldung: 02302/93664-0). Eine Stunde dauert die – Zeit genug, der Hitze zu entkommen. Aber, warnt Vera Lengersdorf vom LWL-Industriemuseum, „da sollte man auch im Sommer eine Jacke mitnehmen.“

Diesseits von Afrika Hitze

Glühend heiß öffnet sich die Savanne vor Fadila, dem kleinen Zebra. Hallo Afrika? Willkommen in Gelsenkirchen! Nur zwei Wochen ist Fadila alt, da darf sie nun erstmals hinaus in die Graslandschaft des „Zoom“, zu den Antilopen, Straußen, Nashörnern und Marabus. Aber dass sich Tiere mit afrikanischem Migrationshintergrund bei Hitze besonders wohl fühlen, ist natürlich ein Vorurteil. „Alles über 30 Grad mögen sie nicht so“, sagt Sprecherin Sabine Haas. „Wie der Eisbär nutzt auch das kleine Zebra die frischen Morgenstunden.“ Und wo in der echten Savanne ein Baum zum Dösen einlädt, steht die Herde in Gelsenkirchen zeitig, ja, vorm kühlen Stall.

Die Welt des Wassers

Die Hitze lässt den Wasserverbrauch pro Kopf in die Höhe schießen – es wird mehr geduscht und im Garten mehr gewässert als sonst. Bis zu 50 Prozent mehr Trinkwasser fließe bei Temperaturen um 30 Grad aus den Wasserhähnen, so der Bundesverband der Deutschen Wasserwirtschaft. „Aber wir haben genug Wasser in der Region, die Talsperren und Reservoirs sind gut gefüllt“, sagt Gelsenwasser-Sprecher Felix Wirtz. Die großen Wasserwerke fördern derzeit mit einer Auslastung von etwa 60 Prozent. „Selbst im Jahrhundertsommer 2003 waren wir nicht ausgereizt“, sagt RWW-Sprecher Ramon Steggink. Aber weil auch viele Menschen in den Sommerferien weilen, herrscht dennoch in manchen Kanälen Ebbe. Und auf Anwohnerbitten rücken die Spülteams bei heißem Wetter öfter aus als sonst. Denn es stinkt mitunter aus den Kanaldeckeln ...

Brandgefährlich

Tatsächlich, da sitzen nun Menschen in ihren Türmen, zum Beispiel auf der Bottroper Halde Haniel, und halten nach Waldbränden Ausschau. Das scheint immer noch das beste Überwachungssystem zu sein. Denn klar ist das Risiko erhöht zurzeit. „Schon seit Anfang März gilt ein absolutes Rauchverbot in den Wäldern“, sagt Barbara Klask für den Regionalverband Ruhr. Übrigens darf man auch nicht grillen, und selbst Glasflaschen können wie eine Lupe wirken. Auf den Brandwächter allein sollte man sich nicht verlassen.

Schneewehen Wetter-Panne

Heftigen Schneefall und Windböen bis 60 Stundenkilometer kündigte der Deutsche Wetterdienst für Bochum und andere Städte an – am 1. und 2. Juli! Und nein, das war kein Scherz ... nur eine technische Panne. Der Wetterdienst wollte testen, ob sein neuer Newsletter funktioniert – doch statt die Schneeverwehungen nur intern zu versenden, hat es sie durch den offiziellen Verteiler gepustet. Aber warum Schnee? „Wir können natürlich gerade heute nicht mit weiteren Hitzewarnungen testen“, sagt Pressesprecher Gerhard Lux – ein Mitarbeiter könnte die ja für echt halten! Drum hat man alte Meldungen versendet. Lux: „Ein anderes Medium haben wir vor Tauwetter gewarnt.“