Heute ist Tag des Allerwertesten

Man kann über die katholische Kirche vieles sagen, aber eine Sache hat sie clever gelöst: Sobald mehr Menschen heilig gesprochen wurden als Namenstage vorrätig waren, erfand sie Allerheiligen: Wer trotz Doppelt- und Dreifachbelegung keinen Namenstag bekommen hat, hat ihn eben am 1. November.

Ähnliches scheint mir mit den weltlichen Gedenktagen auch dringend geboten. Gestern erreichten mich binnen weniger Stunden mehrere Mails, die mich darauf aufmerksam machten, dass Samstag der „Welttag des Schallplattengeschäfts“ zu feiern sei. Nächste Woche Donnerstag, so betonen die Promoter eines Bierwegs im Chiemgau, ist der „Welttag des Bieres“ (Prost, ich hab Stammtisch und muss hier trinken), und am 9. Mai, tags vor Muttertag, feiert ganz Deutschland angeblich den Tag der Autowäsche unter besonderer Beachtung der Innenraumpflege – mit freundlicher Unterstützung des Staubsaugerdüsenwerks Meinzelmann (Name von der Redaktion geändert).

Eingedenk dessen, dass wohl spätestens hier die Vereinten Nationen als Regulierungsbehörde in Sachen Gedenktage einschreiten müssten, schlage ich einen Tag des allgemeinen Gedenkens vor. Meinetwegen gleich heute. Sonst feiere ich ab sofort am 15. April den Tag des Allerwertesten. Und im übrigen Jahr können Gedenktage bei mir genau dort entlangparadieren.