Hassprediger auf Werbetour - Pierre Vogel lädt zu Predigten

Salafisten-Prediger Pierre Vogel ist wieder unterwegs.
Salafisten-Prediger Pierre Vogel ist wieder unterwegs.
Foto: imago
Der Salafisten-Prediger Pierre Vogel zieht durch die Region. Mehrere Auftritte sind angekündigt, etwa in Duisburg und Dortmund. Er ist ein Wortführer des radikalen Islams, sieht sich selbst aber als Aufrufer zum Frieden. Die Polizei ist vorbereitet.

Duisburg.. Die Werbezettel kleben konspirativ auf Stromkästen. „Hassprediger ruft zum Frieden auf“ – der Slogan ist geschickt gewählt. Pierre Vogel, ein Wortführer der radikalislamischen Salafisten in Deutschland, besucht am 22. Februar Duisburg und wirbt um Sympathisanten. Der Ort der Predigt werde kurz zuvor im Internet bekannt gegeben, heißt es geheimnisvoll.

Dem Vernehmen nach wird Vogel aber auf dem Portsmouth-Platz vorm Hauptbahnhof sprechen. Angekündigt sind bis zu 500 Zuhörer. Pierre Vogel ist auch zuvor schon in der Region unterwegs: Am Samstag will er in Mönchengladbach sprechen, eine Woche später ist auch ein Termin in Dortmund geplant.

35 Jahre, Konvertit, ehemaliger Boxer, gebürtig im rheinischen Frechen: Vogel polarisiert gern und häufig. Seine Botschaften vom überlegenen Islam fasst er in einfache Worte, er benutzt Alltagsthemen, nutzt Internet sowie Youtube intensiv und spricht gerade junge Leute an. Ist der Mann ein Verführer? Die Antwort von Christoph Grotepass, Berater beim Sekteninfo NRW, fällt kurz und knapp aus: „Ja.“

Vogel habe sich zwar „recht konsistent von Gewalt distanziert, er trägt trotzdem zur Radikalisierung von Jugendlichen bei“, sagt Grotepass. Der 35-Jährige predige ein sehr enges Islambild mit extrem strengen Glaubensregeln. Zudem: „Pierre Vogel hat ziemlich deutlich gesagt, dass er von Demokratie nichts hält.“

Rund 1500 Anhänger in NRW

So oder so: Salafisten stehen unter Beobachtung durch die Behörden. Sie hatten zuletzt regen Zuspruch, allein in NRW geht der Verfassungsschutz von rund 1500 Sympathisanten aus. Ein (kleinerer) Teil der Szene gilt als Nährboden für potenzielle Terroristen, zumindest aber als gewaltbereit. Einige Gruppen haben das auch im Mai 2012 unter Beweis gestellt: Bei Kundgebungen gegen die rechte Mini-Partei Pro NRW gab es schwere Ausschreitungen.

In Duisburg ist die Polizei vorbereitet: „Wir haben das Geschehen im Blick“, erklärt Sprecherin Daniela Krasch. Vogel absolviere schon seit einiger Zeit in der ganzen Republik Auftritte, bislang störungsfrei – „wir haben bisher keine Anhaltungspunkte, dass das bei uns anders sein sollte“, so Krasch weiter. Man werde aber sehr genau verfolgen, wie die Kundgebung in Mönchengladbach verläuft, wo mehrere Gegendemos angekündigt sind. Gegebenfalls werde man reagieren. Eine salafistische Szene gebe es in Duisburg und dem Kreis Wesel nicht, lediglich einzelne Sympathisanten, etwa in Dinslaken.

Keine „Experten“ für Islam

Berater Grotepass vom Sekteninfo NRW betont: Das Problem sei die extrem verengte Auslegung des Korans. Leute wie Vogel nutzten aus, dass es zwar viele Moscheen, aber noch eher wenige theologische Angebote für muslimische Jugendliche gibt: „In dieser Situation präsentieren sich die Leute als Experten für den Islam.“ Tatsächlich spiegelten sie aber in keiner Weise auch nur ansatzweise die Vielfalt der Religion wieder.

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