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Großbrand in Krefeld - Rauchwolke erschreckt Anwohner

25.09.2012 | 08:25 Uhr
Der Brand im Krefelder Hafen beunruhigte vor allem die Duisburger: Die Rauchwolke zog über den Stadtsüden hinweg, erst in östlicher Richtung nach Mülheim, später wieder zurück nach Moers. Foto: Stephan Eickershoff / WAZFotoPool

Krefeld.  Nach dem Großbrand im Krefelder Hafen zieht noch immer dichter Rauch über Krefeld und die Stadt Duisburg. Landesumweltamt und Feuerwehr stellten zwar erhöhte aber keine gesundheitsgefährdenden Schadstoff-Konzentrationen fest. Die Löscharbeiten werden wohl noch Tage dauern.

Eine gigantische Rauchwolke, die bis nach Düsseldorf zu sehen war, hat am Dienstag die Bewohner von Krefeld, Duisburg und anderen Städten am Niederrhein und im Ruhrgebiet in Atem gehalten. Feuerwehren riefen dazu auf, Türen und Fenster geschlossen zu halten. Die Stadt Duisburg richtete einen Krisenstab ein. Die Internet-Seite der Stadt Krefeld war wegen der vielen Zugriffe zeitweise nicht erreichbar.

Entstanden war die Rauchwolke bei einem Großbrand im Krefelder Hafen, der die Feuerwehr wohl noch mehrere Tage beschäftigen wird. In einer Lagerhalle in Holzbauweise, 250 Meter lang und 180 Meter breit, waren Tausende Tonnen Dünger in Brand geraten. "20.000 Tonnen Stickstoff-Phosphor-Kali-Dünger, dazu 13.000 Tonnen Rohstoffe dafür", erklärte Jörg Rosin, Sprecher der Feuerwehr Krefeld. Die Ursache des Brandes ist ebenso wie die Schadenssumme noch unklar.

Auf ihrer Spurensuche hat die Polizei bereits am Dienstag erste Zeugen angehört. Bislang gibt es aber weder Hinweise auf vorsätzliche Brandstiftung noch darauf, dass das Feuer durch Fahrlässigkeit entstand. Den Brandort selbst konnten die Ermittler laut Auskunft der Krefelder Polizei noch nicht untersuchen. Dies sei erst möglich, wenn das Feuer komplett gelöscht ist.

450 Feuerwehrleute waren im Einsatz

Die Krefelder Feuerwehr wurde gegen 7.10 Uhr alarmiert. "Schon von der Feuerwache aus war die riesige Rauchwolke zu sehen." Als sie das Ausmaß des Feuers erkannten, holten die Einsatzkräfte Hilfe in den Nachbarstädten: Neben beiden Wachen der Berufsfeuerwehr wurden die Freiwilligen Feuerwehren aus Krefeld aber auch Einsatzkräfte von umliegenden Werkfeuerwehren und aus Duisburg in den Hafen Linn beordert. Zusammen mit der Feuerwehrbereitschaft IV der Bezirksregierung, die gegen Mittag den Marschbefehl nach Krefeld erhielt, waren zeitweilig 450 Feuerwehrleute am Brandort.

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Krefeld/Duisburg, 25.09.2012: Die große Rauchwolke nach dem Brand in einer Lagerhalle am Krefelder Hafen zieht weiter über die Region. Zwar sind die gemessen Luftwerte noch im Grenzbereich, aber Bewohner sollen Türen und Fenster verschlossen halten.

Zwei Dinge beschäftigten die Einsatzkräfte: Konnte es gelingen, ein Übergreifen der Flammen auf benachbarte Lagerhallen zu verhindern? Schließlich lagerten auch in diesen gefährliche Chemikalien, die zur Produktion des Düngers benötigt werden. Und: Wie gefährlich ist die gelbliche Rauchwolke, die erst über den Rhein nach Duisburg und Mülheim, später dann in den Duisburger Norden und Richtung Niederrhein zog?

Messungen zeigten keine gesundheitsgefährdenden Werte

Gegen 11 Uhr meldete die Krefelder Feuerwehr: Der Brand ist "unter Kontrolle", ein Übergreifen der Flammen sei fortan unwahrscheinlich. Erst kurz zuvor gab das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz die ersten Messergebnisse bekannt: In Krefeld und im Duisburger Süden seien die Messwerte für Blausäure, Salpetersäure und Chlorverbindungen erhöht, aber nicht oberhalb der Grenzwerte. Gleiches gelte für Stickoxyde, Ammoniak, CO2 und Kohlenstoffe im Allgemeinen.

Die Rauchwolke war bis nach Essen-Kettwig zu sehen, wo unser Nutzer Geog Schalz dieses Foto schoss.

Nach Angaben der Krefelder Feuerwehr wurden bei dem Brand auch gefährliche Nitrose Gase freigesetzt. Die waren auch der Grund, dass die Löschmannschaften zeitweise Atemschutzmasken mit Luftfiltern trugen. In hoher Konzentration können diese Gase nämlich langfristig die Atemwege schädigen, sagte ein Sprecher. In den bisherigen Messungen seien Grenzwerte jedoch nicht überschritten worden.

Trotzdem blieb die Aufforderung, Fenster und Türen geschlossen zu halten, in vielen Städten, darunter Essen, Mülheim und Duisburg, bis in den Nachmittag bestehen. Messungen, die im Verlauf des Tages im Duisburger Westen und später im Norden gemacht wurden, bestätigten, dass keine Gesundheitsgefährdung bestand.

Rheinverkehr am Abend erneut eingestellt, vier Menschen wurden leicht verletzt

Für das Stadtgebiet Krefeld wird es auch am Dienstagabend noch keine Entwarnung für die Bevölkerung geben, erklärt ein Stadtsprecher auf Anfrage. Zwar sei der Brandrauch laut Messwerten unbedenklich, aufgrund der starken Rauchentwicklung sollen die Anwohner aber weiterhin Fenster und Türen geschlossen halten sollten. Deshalb musste am Dienstagabend auch der Rheinverkehr zwischen Wittlaer und Rheinhausen erneut eingestellt werden.

Insgesamt sollen vier Menschen durch das Feuer in dem Lager verletzt worden sein - also mehr als zunächst angenommen. Die Rede ist von vier Leichtverletzten, darunter zwei Feuerwehrleuten. Einer von ihnen habe über Kreislaufbeschwerden geklagt, der andere sei ebenso wie zwei Mitarbeiter einer Catering-Firma mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung behandelt worden. Zunächst war nur von zwei Verletzten die Rede gewesen. Dabei sollte es sich um Mitarbeiter der Düngemittel-Firma selbst handeln. Diese Angaben hätten sich jedoch nicht bestätigt.

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Kommentare
26.09.2012
11:26
Wieder haben wir alles im Griff - Fenster zu und durch ...
von soddemannwilfried | #53

Die Berichterstattung geht kaum auf die durch den Brand freigesetzten Stoffe ein. „In Krefeld und im Duisburger Süden seien die Messwerte für...
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Großbrand in Krefeld - Rauchwolke erschreckt Anwohner
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2012-09-25 08:25
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