Glück auf, die NRZ-Steiger kommen

Bottrop..  Uwe Kaboth lehnt sich gegen eine Leiter und grinst. „Runter war einfach, rauf wird’s dann aber deutlich schwerer“, sagt er und blickt in zehn staunende Augenpaare. Schluck. Zum Glück macht Kaboth nur Spaß, aber so ein kleiner Scherz löst die Anspannung und das kann hier gerade so mancher gut gebrauchen – 1200 Meter unter der Erde. Die zehn NRZ-Leser haben eine Grubenfahrt auf der Zeche Prosper-Haniel in Bottrop gewonnen und stehen nun direkt neben dem gewaltigen Schacht 10, in dessen Förderkorb die Gruppe in nicht mal zwei Minuten in die Tiefe gesaust ist.

Wind zieht durch den Schacht in die Strecke und füllt das gewaltige haushohe Grubengebäude. Halstuch binden, Jacke zuknöpfen, Schutzbrille richten – unter Tage ist es warm, aber zugig. Gemeinsam mit seinem Kollegen Michael Becker begleitet Kaboth die NRZ-Leser auf ihrem ersten Besuch unter Tage. Und der beginnt mit einer ganz besonderen Zugfahrt. „Alles einsteigen“, sagt Kaboth in Schaffner-Manier. An einer massiven Eisenschiene unter der Decke hängt die kleine Bahn, eine Dieselkatze, mit der es rund 25 Minuten durch das Bergwerk geht. Ohne die Bahn geht hier unten nichts, denn das Bergwerk bringt es auf mehr als 140 Kilometer Strecke. Es ist eng, dunkel und laut – aber beeindruckend. Neben dem „Zug“ rauschen die Förderbänder mit der Kohle durch die Dunkelheit. Hier und da blinkt der Schein einer Grubenlampe. Kumpel reparieren die gewaltigen Maschinen. Ihre Gesichter sind so schwarz wie der Rohstoff, den sie der Erde mit harter Arbeit abringen.

Das Ziel der Fahrt ist ein Hobelstreb. Rund 1,50 Meter dick ist die Kohleschicht, die hier seit Millionen Jahren schlummert. Deren Schlaf muss aber längst vorbei sein, denn hier herrscht seit einiger Zeit reges und vor allem lautes Treiben. Maschinen donnern, Warnsignale ertönen, Männer rufen sich Kommandos zu, Funksprüche von über Tage hallen durch die Strecke. „Glück auf. Jeder von euch nimmt sich eine Schaufel. Wenn ihr schonmal hier seid, könnt ihr auch arbeiten“, ertönt eine Stimme. Sie gehört einem Kumpel, den man ohne seine Grubenlampe auf dem Helm nie hätte entdecken können. Nicht ein Quadratmilimeter seiner Kleidung und seines Gesichts sind nicht über und über von Kohlenstaub bedeckt. Zum Glück für die NRZ-Leser wieder nur ein kleiner Scherz. Unter Tage ist der Ton rau, aber herzlich.

„Da soll ich rein“, fragt Sabine Vizuete, „nein, das ist mir viel zu eng.“ Eigentlich wäre es jetzt wieder Zeit für einen guten Witz gegen die Anspannung... An einer kleinen Stelle haben die Bergleute den Grubenausbau entfernt und im Entengang watschelt die Besuchergruppe hinein in den niedrigen Streb, den massive Stahlschilde vor dem Einsturz schützen. „Doch, dafür bist du hier“, sagt Michael Becker und greift nach Vizuetes ausgestreckter Hand.

Langsam tasten sich die beiden Meter für Meter vor. Becker und Kaboth erklären den erstaunten Besuchern, wie der Hobel auf fast 300 Metern länge Zentimeter für Zentimeter das schwarze Gold aus dem Berg schält – rund zehn Meter pro Tag. Dann donnert es wieder. Immer lauter. Eine Staubwolke rast auf die kauernde Gruppe zu. Der Hobel in Aktion. Wer es mit der Angst bekommt und blass wird, kann das leicht vertuschen. Aus weißer wird pechschwarze Haut.

Erleichterung am Tageslicht

Wieder rast der Hobel vorbei, dann geht es aus der Enge wieder hinaus, zurück zur Dieselkatze. Noch einmal rast der Förderkorb durch den Schacht. Tageslicht. Sonne. Bei manchem auch Erleichterung

Bei Gemüsesuppe und einem Feierabendbier – natürlich alkoholfrei – setzt sich die Begeisterung durch. „Dass man so nah herankommt und selbst erleben kann, wie hart die Arbeit ist, hätte ich nicht erwartet. Ein einmaliges Erlebnis, obwohl ich vor der Fahrt mit dem Förderkorb schon etwas Angst hatte“, schwärmt Nicole Giesen-Duda. Und auch Sabine Vizuete ist restlos begeistert: „Wenn man mir vorher gesagt hätte, wie eng ein Streb ist, wäre ich nicht mitgefahren. Jetzt bin ich aber sehr froh, dass ich es gemacht habe.“