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Geomatiker – mit einem neuen Beruf ins Arbeitsleben

Geomatiker – mit einem neuen Beruf ins Arbeitsleben

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Foto: WAZ FotoPool
Geomatiker – so heißen die Kartografen der Zukunft. Der Landesbetrieb Straßen NRW hat erstmals zwei Azubis eingestellt. Den Ausbildungsberuf gibt es erst seit zwei Jahren.

Gelsenkirchen. 

Wie nah stehen die Häuser an der geplanten Autobahn? Wie hoch muss die Schallschutzmauer sein? Ein Fall für Geomatiker. Demnächst ein Fall für Meik Siebel (29) und André Lange (18). Die beiden jungen Männer sind die erster Geomatiker-Azubis beim Landesbetrieb Straßen NRW. „Für diesen Beruf benötigt man Sorgfalt, Präzision, räumliches Vorstellungsvermögen“, sagt Ausbilderin Judith Engels. Und, weil man viel mit Karten, Legenden und Farben zu tun hat: „Man sollte nicht unbedingt eine Rot-Grün-Schwäche haben.“

Geo- was? „Wir werten Geodaten aus, interpretieren und präsentieren sie“, sagt Azubi Meik Siebel. Ausbilderin Engels, die ihre Kartografen-Lehre 1989 abschloss, bezeichnet Geomatiker als moderne Karthografen – also quasi als „Kartografen 2.0“. Engels hat zu ihrer Lehrzeit noch auf Glas gearbeitet, Reprotechnik gelernt, die Pläne wurden fotografisch vervielfältigt. Geomatiker erarbeiten heute am Computer Drei-D-Präsentation, interaktiv. Ihre Werkzeuge sind das Kartografieprogramm Axpant, für Grafiken nutzen sie Adobe CS. Und Daten ziehen sie aus NWSib – der schier unerschöpflichen Datenbank über die Straßen und Autobahnen in NRW.

2000 Euro brutto zum Einstieg

„Wir wollen mit dem neuen Lehrberuf erstmal Erfahrungen sammeln“, sagt Alfred Gössing, Chef des in Köln ansässigen Fachcenters Vermessung von Straßen NRW. Geomatiker ist seit 2010 als Ausbildungsberuf zugelassen (Voraussetzung: Hauptschulabschluss 10a). Bisher erledigen bei Strassen NRW weitergebildete Kartografen die Arbeit, die nach Abschluss der dreijährigen Lehrzeit auf den Siegener Meik Siebel und auf André Lange aus Bergisch-Gladbach zukommt – wenn sie übernommen werden.

Wie stehen die Chancen für Geomatiker? Alfred Gössing mag nichts versprechen („Es ist alles so schnelllebig…), lässt dann aber doch durchblicken, dass es ganz gut ausschaut. Zudem gebe es ja auch noch andere Arbeitgeber (kommunale Verwaltungen, Bergbau), die den neuen Beruf für sich entdeckten. 2000 Euro brutto verdient ein Geomatiker zum Einstieg.h

In der Lehre müssen die beiden Azubis mit weniger auskommen; es geht los mit 713 Euro. Die ersten Tage haben Siebel und Lange genutzt, um sich mit dem Haus in Köln und den Kollegen vertraut zu machen. Jetzt geht es in den Außendienst. Im ersten Lehrjahr lernen die beiden Azubis vor Ort die Grundlagen der Vermessungstechnik, bevor es dann mit der Geomatik richtig losgeht. Die Erwartung an den Beruf: „Ich will eine Arbeit, die mich so fordert, dass ich gerne komme“, sagt Siebel.