Gemeinsam gegen Fremdenhass

An Rhein und Ruhr..  Zur größten Kundgebung im Ruhrgebiet gegen die Hogesa-Szene hatte das Bürgerbündnis „Essen stellt sich quer“ aufgerufen. Laut Veranstalter nahmen 5000 Menschen an der Demo durch die Essener City teil. 400 Organisationen von Kirchen bis zu Sportvereinen und Einzelpersonen hatten aufgerufen, Oberbürgermeister Reinhard Paß (SPD) warb auf der Bühne für ein buntes Essen – offen, respektvoll, tolerant und vielfältig. Der „braune Sumpf“ sei in Essen „unerwünscht“.

Die Kundgebung war Antwort auf eine Demo-Anmeldung der „Hooligans gegen Salafisten“ (Hogesa), die von der Polizei verboten worden war. Die Polizei zog dennoch mehrere Hundertschaften zusammen, um zu verhindern, dass Hooligans doch demonstrierten. Die Beamten setzten am Morgen über 100 mutmaßliche Hogesa-Anhänger fest und fanden u.a. einen Baseballschläger und eine Schreckschusspistole. 15 Überprüfte kamen in Gewahrsam.

Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit sollen heute in weiteren Städten gesetzt werden. Allein in Düsseldorf sind vier Gegenkundgebungen gegen Islamfeinde angesetzt, die sich dort „Dügida“ nennen, nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes rechtsextremistisch gesteuert werden und gegen eine angebliche Islamisierung protestieren wollen. Auf einer Gegenkundgebung werden u. a. die stellvertretende Ministerpräsidentin Sylvia Löhrmann (Grüne) und der Rheinische Präses Manfred Rekowski sprechen. In Dinslaken wollen Christen und Muslime für ein friedliches Miteinander demonstrieren.

Islamgegnernden Marsch blasen

In der Nachbarstadt Duisburg sind drei Kundgebungen gegen einen Aufmarsch von „Pegida“ angesetzt – die wahrscheinlich größte davon hat der DGB angemeldet, 1000 Teilnehmer werden dort erwartet. Ein Blechbläserquartett der Philharmoniker will „Pegida“ den Marsch blasen. Licht ausgeschaltet wird auch – z. B. am Theater, am Rathaus, am Landschaftspark, an der „Goldenen Treppe“ am Einkaufszentrum Forum sowie an Arbeitsagentur und Jobcenter. „Ebenso wie in unseren Dienstgebäuden würden in vielen Betrieben die Lichter ausgehen, wenn unsere Mitbürger mit nichtdeutschen Wurzeln sich nicht mehr willkommen fühlen. Vorurteile, Ausgrenzung und Fremdenhass dürfen in einem weltoffenen Nordrhein-Westfalen keinen Platz haben“, meint Christiane Schönefeld, die Chefin der Arbeitsagentur in NRW.

Kritik kommt derweil von der Wissenschaft: Die großen Parteien haben es nach Ansicht eines Experten für Religionspolitik versäumt, die Gesellschaft auf religiöse Vielfalt vorzubereiten. „Die Religionspolitik steht seit mehreren Jahrzehnten still“, sagte Thomas Großbölting, Zeithistoriker der Universität Münster, der Deutschen Presse-Agentur. „Die großen Parteien tun nichts dafür, die Debatte über die Bedeutung wie auch über die Grenzen von Religion in und für unsere Gesellschaft wirklich offen zu führen“, kritisierte Großbölting.

Er begrüßte die auf der Islamkonferenz deutlich gewordenen Bemühungen, den islamischen Gemeinschaften in Deutschland verstärkt dieselben Möglichkeiten einzuräumen wie den großen christlichen Konfessionen. So sei aus seiner Sicht die Gründung eines muslimischen Wohlfahrtsverbandes ein gutes Beispiel politischer Gleichstellung. „Das bedeutet allerdings noch lange nicht, dass sich gesellschaftlich ein Mentalitätswandel einstellt“, betonte Großbölting. Dafür bedürfe es einer großen Debatte innerhalb der Zivilgesellschaft sowie zwischen den Religionen. „Das aber fällt einer Gesellschaft wie der bundesdeutschen, die zunehmend religiös unmusikalisch wird, eher schwer“, sagte er weiter.