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Gefährliches Halbwissen - die zehn größten Erste-Hilfe-Irrtümer

07.08.2012 | 12:48 Uhr
Meist ist der letzte Erste-Hilfe-Kurs vielleicht schon Jahre her und das Gelernte von damals längst vergessen.Foto: Monika Kirsch / WAZ FotoPool

Essen.   Manche Mythen rund um das Thema Erste Hilfe halten sich hartnäckig und verunsichern Helfer. Viele wollen bei einem Unfall gerne helfen - bloß wie? Ärzte des Universitätsklinikums Essen räumen auf mit den häufigsten Irrtümern bei Rettungsmaßnahmen.

Eis und Butter helfen prima bei Verbrennungen, Vergiftungen werden mit Salzwasser behandelt, und verunglückten Motorradfahrern sollte man auf gar keinen Fall den Helm ausziehen. Drei Erste Hilfe-Ratschläge - allesamt falsch! Viele richten sogar mehr Schaden an, als dass sie helfen. Mit dem Expertenwissen der Ärzte an der Klinik für Unfallchirurgie des Universitätsklinikums Essen lassen sich Halbwahrheiten leicht aus dem Weg räumen.

Irrtum 1: Beim Motorradunfall den Helm auf keinen Fall abnehmen

Falsch. Das Risiko für den Verletzten , im Helm an Erbrochenem zu ersticken, ist weitaus größer als die Wahrscheinlichkeit einer Lähmung, die durch das Abnehmen des Helmes verursacht werden könnte. Beim Abnehmen des Helmes sollte die Halswirbelsäule gestützt werden, damit der Kopf nicht zur Seite fällt. Gerade, wenn noch ein weiterer Helfer an der Unglücksstelle ist, kann man ruhig zu zweit vorsichtig den Helm entfernen, indem einer den Kopf dabei stützt.

Irrtum 2: Den Verletzten sollte man immer gleich hinlegen

Mitnichten. Ist der Verunglückte ansprechbar, sollten alle Maßnahmen mit ihm besprochen werden. Bei einem Herzinfarkt oder einem Lungenödem kann flaches Liegen als unangenehm empfunden werden und sogar den Zustand des Patienten verschlechtern. Klagt der Verletzte über ein Druckgefühl im Brustbereich, sollte sofort der Notarzt gerufen werden.

Irrtum 3: Bei Vergiftungen löst man am besten ein Erbrechen mit Salzwasser aus

Irrtum. Gerade ätzende Substanzen würden beim Erbrechen ein zweites Mal die Speiseröhre angreifen, während bei anderen Substanzen die Gefahr besteht, dass durch das Übergeben Teilchen in die Atemwege gelangen und zum Ersticken führen. Salzwasser kann zudem bei Kleinkindern tödlich sein. Auch Milch ist gefährlich, denn ihr Fett beschleunigt die Aufnahme in den Körper. Um das Gift zu verdünnen, darf man zwei Gläser stillen Wassers, Saft oder Tee trinken. Bei ätzenden Substanzen wie Abflussreiniger sollte das möglichst schnell geschehen.


Kommentare
09.08.2012
13:25
Gefährliches Halbwissen - die zehn größten Erste-Hilfe-Irrtümer
von BJesse | #6

Es ist auf jeden Fall zu begrüßen, dass dieser Artikel erschienen ist, damit vielen die Wichtigkeit der Ersten-Hilfe vor Augen geführt wird.

Es wäre allerdings gut gewesen, auch auf die Wichtigkeit des Notrufes hinzuweisen (Wo geschah der Notfall? Was ist geschehen? Wieviele Betroffene sind vorhanden? Welche Art der Verletzungen? Warten auf Rückfragen!). Selbst wer sich die direkte Hilfeleistung , aus welchen Gründen auch immer, nicht zu traut, kann wenigstens den Notruf durchführen!

Die Aussage, die Mund-zu-Mund-Beatmung (es gibt auch noch die Mund-zu-Nase-Beatmung), ist nicht die entscheidende Maßnahme, ist so nicht korrekt. Am effektivsten ist die Wiederbelebung, wenn Atemspende und Herzmassage abwechselnd durchgeführt werden, wie im Artikel erklärt.

Es hätte den Artikel abgerundet, wenn man auch kurz erklärt hätte, wann mit der Wiederbelebung begonnen werden muss. Das ist der Fall, wenn bei der Atemkontrolle (Sehen, Hören, Fühlen) keine ausreichende Atmung festgestellt wird.

1 Antwort
Gefährliches Halbwissen - die zehn größten Erste-Hilfe-Irrtümer
von JOJOJONNY | #6-1

Desweiteren ist es ja so, dass die Mitarbeiter vom Notruf einem auch die nächsten Schritte, die zu tun sind sagen können. Bei einer Wiederbelebung muss auf jeden Fall zuerst der Notruf gemacht werden.

09.08.2012
12:00
Gefährliches Halbwissen - die zehn größten Erste-Hilfe-Irrtümer
von helfershelfer | #5

Hallo, Leute,
da haben sich ein paar Irrtümer bei den Irrtümern eingeschlichen. Richtig: Bei stark blutenden Wunden macht man einen Druckverband: Normaler Verband mit einem Druckpolster auf der Wunde (z. B. ein weiteres Verbandpäckchen). Aber das ist eben keine Abbindung - denn Abbinden heißt: Die Durchblutung wird völlig gestoppt. Und das Wegtragen von Betroffenen aus dem Gefahrenbereich ist so eine Sache. Erstmal ist nicht immer ein "Gefahrenbereich" vorhanden (jede Menge Unfälle passieren zu Hause, der Unfall mitten auf der vielbefahrenen Kreuzung oder der Chemikalienunfall sind eher die selteneren Fälle), und bei einer Unfallstelle muss immer erstmal diese abgesichert werden - das ist lebenswichtig, auch für die Helfer. Wie das geht, lernt man in EH-Kursen.
Gegen die Angst, etwas falsch zu machen (die viele Menschen am Helfen hindert), hilft: gesunden Menschenverstand einschalten (der verhindert die gröbsten Fehler) und regelmäßig die EH-Kenntnisse auffrischen. Mutig ans Werk!

09.08.2012
11:15
Gefährliches Halbwissen - die zehn größten Erste-Hilfe-Irrtümer
von geniculatum | #4

am allerwichtigsten wäre wohl erstmal die Tatsache zu helfen.. oft genug kümmert sich keiner...

09.08.2012
09:24
Gefährliches Halbwissen - die zehn größten Erste-Hilfe-Irrtümer
von Pampersbomber | #3

Der Artikel ist gut geschrieben, allerdings hätte man hier noch z.B. auf Adressen oder Homepage von DRK, Maltesern o.a. Hi-Orgs verweisen können, welche Auffrischungskurse anbieten.
@ Danzel: zur Not nehme ich den Helm auch alleine ab, hierfür bin ich Ersthelfer (jedes Jahr Auffrischungskurse) ausgebildet. Allerdings klappt dies immer noch am besten zu zweit, stimmt.
@ scouti: Kärtchen und Bildchen werden Ihnen im Notfall kaum helfen, es muss sofort im Kopf abrufbar sein, Sie müssen die Lage schon von weitem aus halbwegs beurteilen können. Besser ist es z.B. den Erste-Hilfe-Kurs ständig aufzufrischen, dies geht auch im 2 Jahresrhytmus über den Arbeitgeber, denn die meisten müssen Ersthelfer im Betrieb vorhalten, die Kosten übernimmt dann die entsprechende BG.
Eine vernünftige Erste-Hilfe-Ausbildung ist eigentlich für jeden empfehlenswert, dies fängt schon bei kleineren "Unfällen" im Haushalt an. Für Auto und Heim sollte immer ein Verbandskasten kostet ca. 8€ vorgehalten werden.

09.08.2012
06:33
Gefährliches Halbwissen - die zehn größten Erste-Hilfe-Irrtümer
von Danzel | #2

ich bezweifle, dass irgendjemand ohne kentnisse in der lage ist, einen helm ohne folgeschäden abzunehmen.
da einfach ein zu großes risiko einer hws fraktur oder eines sht vorliegt. SCHON GAR NICHT sollte eine person den helm alleine abnehmen. das ist nicht möglich ohne schäden zu verursachen.
und bei einer schäder- oder wirbelsäulenfraktur, stellt erbrochenes noch immer das geringste problem dar.
MERKE: helm nicht alleine abnehmen, auch wenn person ansprechbar.

3 Antworten
Gefährliches Halbwissen - die zehn größten Erste-Hilfe-Irrtümer
von Biker72 | #2-1

hm da muss ich mal einlenken. Erstens muss nicht zwangsläufig eine Verletzung im Kopf/Halswirbelbereich vorliegen. Zweitens - was würdest du tun, wenn du alleine wärst und Patient bricht?

Gefährliches Halbwissen - die zehn größten Erste-Hilfe-Irrtümer
von interessierter_Laie | #2-2

@Danzel: Herzlichen Dank für die Bestätigung des gefährlichen Halbwissens! Natürlich gehört der Helm bei einem bewusstlosen Motorradfahrer ab! Mit Helm kann ich weder die Atmung gescheit kontrollieren, noch Erbrochenes aus dem Mund-Rachenraum entfernen. Und Erbrochenes ist das größte Problem. Schädel- oder Wirbelfraktur hin oder her: im Zweifel geht Leben vor Querschnitt! Denn was nutzt es, wenn der Helm dran bleibt, und die Wirbelfraktur stabil steht, aber der Mensch aufgrund Erbrochenem erstickt? Und natürlich kann man auch alleine einen Helm abnehmen.
MERKE: Helm bei Bewusstlosen IMMER abnehmen, bei ansprechbaren Personen mit dem Verletzten reden. Denn sprechenden Menschen kann geholfen werden. Wenn er seinen Helm selbst abnimmt, weil er keine Schmerzen in der Halswirbelsäule hat und zudem alles bewegen kann, um so besser. Dann kommt man auch nicht in die Verlegenheit, dies selbst tun zu müssen...

Gefährliches Halbwissen - die zehn größten Erste-Hilfe-Irrtümer
von GuentherHermanns | #2-3

Wenn der Verunfallte „ansprechbar“ (eigentlich ist ja jeder ansprechbar. Nicht jeder reagiert jedoch …) ist, kann der Helm von mir aus auch drauf bleiben.
Bei gestörtem Bewusstsein muss er jedoch runter. Möglichst schonend, aber notfalls auch egal wie. Hauptsache runter.

09.08.2012
04:05
Gefährliches Halbwissen - die zehn größten Erste-Hilfe-Irrtümer
von scouti | #1

Gibt es hierzu Info-Tafeln, die man sich anschauen oder auch fürs Auto als Anleitung etc. ausdrucken kann?

Könnte die WAZ-Mediengruppe ggf. zu Organisationen verknüpfen und am Besten die entsprechenden Empfehlungen auch in den Printausgaben als Sonderseite veröffentlichen. Nicht alle potentiellen Helfer haben auch Internet und der Erste-Hilfe-Kurs zum Führerschein oder weitere Schulungen könnten länger zurückliegen.

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