Freiheit gegen Kaution und ohne Reisepass

Essen..  Die seltene Schmetterlingsflechte verhilft Ex-Manager Thomas Middelhoff zur Freiheit. Die schwere Hauterkrankung hat offenbar den Ausschlag gegeben, dass das Landgericht Essen den Haftbefehl außer Vollzug setzte. Denn die Kaution von 895 000 Euro, die der 62-Jährige bei der Gerichtskasse hinterlegen muss, reichte der Justiz noch vor fünf Wochen nicht aus, um den Fluchtanreiz zu mindern. Jetzt will die Essener Justiz Ex-Manager Middelhoff aus der U-Haft entlassen. Vorher muss er aber Auflagen erfüllen.

Am Dienstagmorgen hat die Pressestelle des Gerichtes im Detail die Auflagen mitgeteilt, unter denen der seit fünf Monaten in Untersuchungshaft sitzende Middelhoff das Gefängnis verlassen darf. 895 000 Euro Kaution muss der nach eigenen Angaben mittellose Bielefelder einzahlen. Diese Summe sollen angeblich Angehörige und Freunde für ihn aufbringen. Außerdem muss er seine Reisepässe abgeben und sich regelmäßig bei der Polizei melden. Deutschland darf er ohne Genehmigung des Gerichtes nicht verlassen.

Am 14. November 2014 hatte die XV. Essener Strafkammer Middelhoff zu drei Jahren Haft wegen Untreue in 27 Fällen verurteilt und im Saal verhaften lassen. Seitdem scheiterten Haftbeschwerden seiner Anwälte. In dem Urteil war festgestellt worden, dass er den Essener Karstadt/Arcandor-Konzern mit privaten Ausgaben belastet hatte.

Keine Folge des Schlafentzugs

Die Fluchtgefahr hatte die Kammer damals damit begründet, dass er eine höhere Haftstrafe wegen weiterer Ermittlungsverfahren der Bochumer Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftssachen befürchten müsse. Außerdem verlangten seine Gläubiger Zahlungen in zweistelliger Millionenhöhe von ihm. Dies alles sei angesichts seiner guten Auslandskontakte, etwa nach China, Anreiz genug für eine Flucht.

Im neuen Beschluss, den die Kammer aufgrund einer weiteren Haftbeschwerde von Middelhoffs Verteidigern am Montag fasste, spricht sie von einer weiter bestehenden Fluchtgefahr. Der Anreiz sei aber geringer einzustufen.

Die Behauptungen der Verteidiger, der Schlafentzug in den ersten Wochen der U-Haft wegen Selbstmordgefahr hätte die Krankheit verursacht und der Mandant sei dadurch haftunfähig, wies die Kammer zurück. Dafür hätten sich nach Anhörung zweier Mediziner keine Anhaltspunkte gegeben.

Mit dem Beschluss hat die Justiz ihre Haltung im Fall Middelhoff grundlegend verändert. Das Landgericht Essen und das Oberlandesgericht Hamm als Beschwerde-Instanz hatten die Fluchtgefahr bislang weit höher eingestuft. Noch am 17. März hatte das OLG das ausführlich begründet. Die angebotene Kaution von 900 000 Euro sei kein Hindernis. Nach einer Flucht ins Ausland könne er schnell wieder so viel Geld verdienen, dass er seinen Freunden die Kaution zurückzahle.