Freibäder hoffen auf Besucheransturm am Wochenende

Auch das Essener Grugabad bereitet sich auf einen großen Besucheransturm vor.
Auch das Essener Grugabad bereitet sich auf einen großen Besucheransturm vor.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Mit Temperaturen über 30 Grad hat sich gerade so etwas wie eine kleine Hitzewelle über Nordrhein-Westfalen festgesetzt – die erste überhaupt in diesem Jahr. Besonders das bevorstehende Wochenende, das letzte in den Sommerferien, soll noch einmal ordentlich Geld in die Bäderkassen spülen.

Essen.. Die Freibadbetreiber der Region freuen sich auf einen versöhnlichen Saisonabschluss. Der durchwachsene Sommer 2012 erfuhr erst im August einen deutlichen Aufschwung bei den Badegastzahlen. Dass es nicht schlimmer als im Vorjahr werden kann, da sind sich die Bäderchefs einig. Einigkeit herrscht aber auch in dem Punkt, dass es so gut wie unmöglich ist, ein Bad wirtschaftlich zu betreiben.

Weit entfernt vom Rekordjahr 2003

Einen erfolgreichen Start in die Badesaison verzeichnete das Freibad „Schöne Flöte“ in Holzwickede. „Mit 9.000 Gästen sah es im Mai zunächst gut aus“, sagt Bäderchef Stefan Petersmann, „aber dann kam der Juni, der schlechteste, seit ich mit Bädern zu tun habe.“ Zudem sei es so, führt Petersmann aus, dass sich ein Bad erst nach drei aufeinanderfolgenden schönen Tagen fülle. „Das wird Ihnen jeder Betreiber bestätigen“, so Petersmann weiter. Im NRW-Sommer 2012 war dies eine absolute Seltenheit.

Bis dato zählte das Holzwickeder Bad rund 40.000 Besucher, weit entfernt vom Rekordjahr 2003 mit 113.000 Badegästen. Ein paar schöne Wochen jedoch könnten das Jahr noch retten. „Immerhin haben wir noch viereinhalb Wochen vor uns.“ Geöffnet ist die „Schöne Flöte“ von 9 bis 20 Uhr, bis 22 Uhr dürfen die Kunden des Fitness-Centers ihre Bahnen ziehen.

Besucherstärkste Tage werden erwartet

„Unsere Saison ist bisher eher bescheiden verlaufen, weil wir zu 100 Prozent wetterabhängig sind“, schildert Thomas Schulte die Lage beim Essener Grugabad, „aber am Wochenende erwarten wir die besucherstärksten Tage des Jahres.“ 6.000 bis 10.000 Gäste könnten es werden, hofft der stellvertretende Badbetriebsleiter.

„Dann verteilen wir unser Personal auf die Nachmittagsschichten, weil das Bad erfahrungsgemäß erst gegen Mittag voll wird“, sagt Schulte und nennt eine simple wie einleuchtende Faustformel: „Ist das Wetter schön, ist das Bad voll, sonst ist es leer.“ Von 8 bis 20 Uhr darf gebadet werden, allerdings nur bei schönem Wetter. Bei Regen ist von 6 bis 10 und 14 bis 20 Uhr geöffnet.

Kein Bad kommt ohne Subventionen aus

In etwas kleineren Dimensionen denkt das Freibad Sternbusch in Kleve. Der Besucherrekord 2012 liegt hier bei 4.786, aufgestellt am 25. Juli. „Derzeit verzeichnen wir steigende Besucherzahlen“, sagt Jürgen Kahl, Bereichsleiter Bäder der Stadt Kleve, „und werden mit etwas Glück auf 100.000 Besucher insgesamt kommen.“ 2011 waren es gerade einmal 46.000.

Wenn es richtig sonnig und warm ist, schaut man in Kleve auch nicht auf die Uhr. „Da werden wir am Wochenende bestimmt nicht, wie sonst üblich, um 18 Uhr schließen“, ist sich Kahl sicher. Unter der Woche herrscht Badebetrieb von 6 bis 20 Uhr, samstags und sonntags von 10 bis 18 Uhr. Er weiß aber auch: „Ich kenne kein Bad, das sich rechnet. Ohne Subventionen geht es nicht.“ Wichtig sei es, Familien auch weiterhin günstige Preise bieten zu können.

Einnahmen des Vorjahres bereits erreicht

Die bescheidenen Einnahmen des Vorjahres hat das Freibad Volkspark in Dortmund schon zum jetzigen Zeitpunkt erwirtschaftet. Für Rettungsschwimmerin Avelina Rimada ist dies allerdings noch längst kein Grund zum Jubilieren, denn „auch diese Saison war noch nicht so schön“. 2.000 bis 3.000 Besucher am Tag, damit kann das Bad gut leben. Besonders häufig ist diese Zahl 2012 allerdings nicht erreicht worden – von 2011 ganz zu schweigen.

„Momentan aber“, erklärt Rimada, „haben wir die Öffnungszeit auf 20 Uhr verlängert, denn eigentlich ist seit Montag Nachsaison und nur noch bis 19 Uhr geöffnet.“ Das Saisonende ist auf den 9. September terminiert. „Egal, wie das Wetter ist“, erläutert die Rettungsschwimmerin, „weil es nachts so kalt wird, dass die Becken beheizt werden müssten, und das rechnet sich nicht.“

Nachmittagsunterricht hindert Kinder am Gang ins Freibad

Dass die paradiesischen Besucherzahlen der Vergangenheit auch außerhalb der Ferien noch einmal erreicht werden könnten, da machen sich die Bäderbetreiber keine Illusionen. „Es gibt da ein gesellschaftliches Problem“, erklärt Stefan Petersmann die prekäre Situation, „und das hängt mit der Schule zusammen.“ Die Kinder, die erst am späten Nachmittag aus der Schule kämen, hätten überhaupt keine Zeit mehr, unter der Woche ins Freibad zu gehen.

„ Und ich als Jugendtrainer beispielsweise brauche gar nicht daran zu denken, für 16.30 Uhr ein Training anzusetzen, weil sowieso niemand Zeit hat.“ Sein Bad in Holzwickede beendet am 16. September die Saison. „Wir müssen aber flexibel sein, wie jedes Bad“, meint Petersmann, „und wenn es das Wetter erlaubt, entscheiden wir, ob wir noch eine Woche dranhängen können.“