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Five-Pocket-Jeans und Plastik-Treter - Zehn Mode-Kuriositäten

29.01.2016 | 06:04 Uhr
Five-Pocket-Jeans und Plastik-Treter - Zehn Mode-Kuriositäten
Die Five-Pocket-Jeans hat bekanntlich fünf Taschen. Aber warum eigentlich? Zehn Mode-Kuriositäten auf den Zahn gefühlt.Foto: Getty Images

Essen.  Zehn kuriose Fakten aus der Modewelt von heute: Vom Eingriff in Boxershorts, über Vatermörder-Kragen bis hin zu zugenähten Sakko-Taschen.

Es gibt Modetrends, die tauchen kurz auf und verschwinden ebenso schnell wieder. Andere Modeerscheinungen halten sich hartnäckig. Manche Dinge tragen wir am Körper und wissen gar nicht warum. Wir erklären es kurz:

1. Deutsche tragen Eheringe rechts - der Rest der Welt links. Wieso?

Ehepaare in Deutschland tragen ihre Ringe rechts - in den meisten anderen Ländern trägt man sie links. Foto: dpa

Die meisten Verheirateten tragen den Ehering hierzulande an der rechten Hand. Damit stehen die Deutschen ziemlich alleine dar. In den meisten anderen Ländern Europas und auch in Ozeanien, den USA oder Asien trägt man den Ring links. Nur Österreicher und deutschsprachige Länder tun es den Deutschen gleich. Aber warum?

Die Hand an der rechten Seite soll die sein, die "große Wunder" tut und "Feinde zerschlagen" kann, sagt die Bibel (Exodus 15.6). Linksträger wiederum berufen sich auf ihre Vena Amoris, eine Ader, die von der linken Hand genau zum Herzen führen soll. Die Griechen und Ägypter glauben an diese Legende. Germanen behaupten, diese Ader befände sich auf der rechten Seite.

Bei Rechts oder Links schieden sich also schon früh die Geister. Fest steht: Die katholische Kirche soll bei Einführung des Eherings im 13. Jahrhundert die rechte Hand vorgeschlagen haben, da die meisten Menschen Rechtshänder seien. Diese würde häufiger benutzt und so sei der Ring besser zu sehen. Damit sollten Männer zur Treue gezwungen werden.

2. Das sollten Sie nach 18 Uhr nicht tragen

Adrett: Der Frack gilt als der eleganteste aller Anzüge. Getragen werden darf er aber erst nach 18 Uhr. Foto: imago

Aufpassen! Wer sich nicht auskennt, dem droht ein modischer Fauxpass. Es gilt nämlich die Regel, dass der Cutaway-Anzug nicht später als 18 Uhr getragen werden sollte. Der Cutaway ist auch bekannt als Gehrock. Der sogenannte Stresemann, ein Anzug, der den Cutaway ersetzt, soll sogar nur bis rund 17 Uhr die Hüften wärmen. Diese beiden festlichen Tagesanzüge bilden den Gegensatz zu Smoking oder Frack. Sie sind strikt für den Abendgebrauch vorgesehen. Der Smoking steht dabei eine Stufe unter dem Frack, der stets offen und mit weißer Weste sowie weißer Fliege kombiniert wird.

3. Was hat ein Boxer mit Männer-Unterhosen zu tun?

Der Name der Männerunterwäsche, die seit dem Ende des zweiten Weltkriegs auch in Europa getragen wird, geht tatsächlich auf ihre ursprüngliche Verwendung im Boxsport zurück. Jacob Golomb gründete damals die Boxer-Ausstattungsfirma Everlast und entwarf für die Sportler spezielle, kurze Hosen mit weit ausgeschnittenem Bein, die eine Besonderheit aufwiesen: Anstatt mit Lederschnüren waren diese „Boxershorts“ mit einem elastischen Hosenbund ausgestattet.

Boxershorts mit zugeknöpftem Eingriff? Viel zu kompliziert! Foto: dpa

Der US-Politiker Joseph McCarthy trug mit dazu bei, dass sich diese leichte Hose in der Öffentlichkeit durchsetzte. Er gab zu Beginn der 1950er Jahre Presseinterviews beim Rasieren, bekleidet nur mit seinen Boxershorts.

Daran, dass Boxershorts richtig „in“ sind, ist das Label Levis schuld. Zu anstößig fanden Redakteure englischer TV-Stationen 1986 einen Werbespot von Levis, in denen männliche Modells nur gewöhnliche Unterhosen unter den beworbenen Jeans trugen. Kurzerhand zogen sich Darsteller Nick Kamen weiße Boxershorts drunter – diese Werbung kam auch ins Kino und seitdem ist der Kult-Look aus Jeans und Boxern geboren. Der Absatz von Boxershorts, speziell weißen, stieg danach rasant an.

4. Machen die Knöpfe am Eingriff von Boxershorts Sinn?

Vor langer, langer Zeit, als  Männer noch in Einteilern schliefen oder sie als Unterwäsche trugen, brauchten sie einen Eingriff.

Soziales
Oberhausener vertreibt faire Unterwäsche im weltweiten Netz

Lars Kollros vertreibt fair gehandelte Unterwäsche aus fairem Handel im Internet. Mit einer Benefiz-Aktion unterstützt er das Frauenhaus Oberhausen.

So konnten sie den Toilettengang ohne großes Ausziehen abwickeln. Als sich dann die Mode vom Einteiler in die Unterwäsche aus zwei Teilen, Unterhemd und Unterhose, wandelte, behielt man den Eingriff vorne bei. Damit nun keiner vorne mit offener Front herumläuft, sind manche Boxershorts mit einem zusätzlichen Knopf am Eingriff ausgestattet, der die Familienjuwelen vor neugierigen Blicken, möglicherweise auch Zugluft schützt. Den Eingriff verwendet nur kaum jemand. Schneller geht es die Unterhose einfach runter zu ziehen.

5. Deshalb sind grellbunte Plastik-Treter ein Massenphänomen

Die können ruhig nass werden - Gummi-Treter aus Plastik sind praktisch, kommen aber aus der Mode. Foto: Kerstin Kokoska/Funke Foto Services

Grellbunt, klobig und aus Plastik: Klingt etwa so eine Schuhwerbung, der modebewusste Deutsche folgen würden? Eigentlich nicht, aber sie taten es trotzdem. Irgendwann um 2005 erlebten die Gummi-Pantoffeln der Firma "Crocs" einen Riesen-Boom in Deutschland. Al Pacino machte das schwarze Modell der US-amerikanischen Firma als Pendant zum schwarzen Anzug sogar salonfähig. 2006 hatte sich der Umsatz des Unternehmens im Vergleich zum Vorjahr vervierfacht. Und heute? Heute werden billige Kopien des Plastik-Treters alljährlich bei Discountern als Gartenschuhe und auch in gefütterter Variante als Hausschuhe angeboten. Bei der Firma, die das Original produzierte, wurde bereits 2008 ein Umsatzrückgang von 185,1 Millionen Dollar verbucht. Der Trend scheint heute schon fast vergessen, auch wenn die Gummi-Pantoffeln recht praktisch waren.

6. Tragen nur Schwerstkriminelle den Vatermörder-Kragen?

Der Sage nach kam ein Sohn aus der Fremde zu seinem Vater heim, küsste ihn rasch und stach ihm dabei mit seinem Kragen ins Auge, so dass dieser starb. Eine gruselige Geschichte und dennoch erfreut sich der Vatermörder-Kragen heute immer noch einer gewissen Beliebtheit bei Männern, die sich gerne außergewöhnlich schick kleiden möchten. Der Vatermörder-Kragen ist ein hoher Stehkragen am Herrenhemd und seine losen nach oben abstehenden spitzen Enden reichen bis über das Kinn. Kein Wunder also, dass an den weißen Hemdsecken öfter mal Speisereste kleben bleiben.

Es wird daher von einigen Sprachforschern angenommen, dass es sich bei dem Vatermörder-Kragen lediglich um einen Übersetzungsfehler handele. In Frankreich wurde diese Form von Kragen lange Zeit parasite genannt. Übersetzt heißt das "Mitesser". In Deutschland sei das französische Wort mit dem ähnlich klingenden "parricide" ("Vatermörder") verwechselt worden. Daher dieser ausgefalle Name für einen Kragen, der heute auch gerne als "Frackkragen" oder "Kläppchenkragen" bezeichnet wird.

7. Fünf-Taschen-Jeans - wozu eigentlich die fünfte Tasche?

Die Five-Pocket-Jeans hat bekanntlich fünf Taschen. Aber warum eigentlich? Zehn Mode-Kuriositäten auf den Zahn gefühlt. Foto: Getty Images

Die Five-Pocket-Jeans wirft Fragen auf. Der Klassiker wird seit Jahrzehnten getragen und doch weiß niemand so genau wofür die fünfte Tasche eigentlich da ist. Manch einer verstaut sein Wechselgeld darin, nur um an der Kasse festzustellen, das keiner seiner Finger in der Lage ist, es dort auch in unter zehn Minuten Fummelei wieder herauszubekommen. Die ursprüngliche Nutzung der kleinen Tasche war jedoch eine andere.

Levi Strauss patentierte seine Jeans 1873. Damals gab es noch keine Armbanduhren, sondern nur Taschenuhren. Und wo verstauten die Uhrenträger diese am besten? Genau, in der kleinen, fünften Hosentasche. Früher war diese jedoch noch größer als heute. Dadurch konnte die Uhr mühelos reingeschoben und wieder hervorgeholt werden.

8. Hat ein Mann High Heels erfunden, um Frauen auszubremsen?

Frauen lassen sich von High Heels nicht ausbremsen. Foto: imago

Die Ägypter erfanden das Schuhwerk und auch die hohen Absätze. Ursprünglich aber wohl für Metzger, um damit durch das Blut auf dem Schlachthof-Boden zu waten. Einen Höhenflug verschaffte aber wohl Katharina de Medici 1533 den High Heels. Sie schritt auf hohen Hacken zum Traualtar. Sie war damals nicht nur dünn, sondern auch klein und machte sich mit den Schuhen größer, obwohl sie damals nicht der gängigen Mode entsprachen. Die folgenden französischen Monarchen liebten hohe Schuhe.

Verschwörungstheoretiker munkeln, ein Mann habe die High Heels erfunden, damit ihm die Frauen nicht davonrennen. Ob das stimmt? Nein! Mittlerweile sind Frauen auf Stilettos ganz schön schnell: Es werden Wettkämpfe auf den hohen Schuhen abgehalten. So geht es bei dem Stöckelschuh-Lauf in Antalya, dem Stiletto-Run in Amsterdam, Berlin oder Portsmouth regelmäßig darum festzustellen, wer die Schnellste ist, ohne sich beim Rennen die Beine zu brechen. Seit Jahrhunderten sind hohe Absätze bei Damenschuhen in Mode. Obwohl zwischendurch vermeintlich andere Trends den hochhackigen Damenschuh ablösen wollten, ist dies bisher nie wirklich gelungen.

9. Verflixt und zugenäht - Warum sind Sakko-Taschen mit Faden verschlossen?

Zugenähte Sakko-Taschen? Kein Problem: man darf sie auftrennen. Foto: dpa

Wer ein Sakko besitzt, oder schon einmal eines anprobiert hat, kennt das Problem: Irgendjemand hat einfach die Taschen zugenäht. Warum eigentlich? Der Grund ist denkbar einfach: Die Anzüge hängen im Laden und werden von mehreren Personen anprobiert. Die stecken vor dem Spiegel in der Umkleidekabine nicht nur ihre Hände in die Taschen, sondern manchmal auch Taschentücher oder Abfall. Die Taschen beulen aus, der Anzug ist schlechter zu verkaufen.

Deshalb sind die Taschen meistens zugenäht. Die gute Nachricht ist: Sie dürfen aufgetrennt werden. Meistens sind sie nur mit einer dünnen Naht verschlossen und können vorsichtig mit einer Nagelschere gelöst werden.

10. Ganz in Weiß - Warum Brautkleider hell sind

Die meisten Frauen heiraten heutzutage in weiß. Aber warum? Foto: dpa

Erst seit dem 19. Jahrhundert ist das Brautkleid in unserem Kulturkreis weiß. Im 16. Jahrhundert heirateten viele sogar noch in schwarz, weil es damals noch nicht als Trauerfarbe galt. Auch andere Farben waren sehr beliebt. Das eigentliche Vorbild, helle Farben zu tragen lieferte wohl Maria de' Medici, die 1600 Heinrich IV. heiratete und ein eierschalenfarbenes Seidenkleid trug. 1613 folgte ihr Prinzessin Elisabeth, die ebenfalls in Weiß heiratete.

Der Grund, warum es sich bei der gewöhnlichen Bevölkerung nicht so schnell als Farbe für das Brautkleid durchsetzte, war ein einfacher: Bis ins 19. Jahrhundert konnten sich die wenigsten Frauen ein Kleid speziell für ihre Vermählung leisten und trugen einfach ihren Sonntagsstaat. Und der war selten weiß.

Verena Barton-Andrews

Kommentare
29.01.2016
11:08
Five-Pocket-Jeans und Plastik-Treter - Zehn Mode-Kuriositäten
von archie2 | #2

Ja..

DAS sind die Probleme, die die Welt bewegen....
Sowas muss dringend auf die erste Seite.

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Five-Pocket-Jeans und Plastik-Treter - Zehn Mode-Kuriositäten
Five-Pocket-Jeans und Plastik-Treter - Zehn Mode-Kuriositäten
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2016-01-29 06:04
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