Facebook-Hoax – Vermisstes Kind aus Düsseldorf gibt's nicht

Gefälschte Vermisstenmeldung: Sidney R. aus Düsseldorf gibt's nicht.
Gefälschte Vermisstenmeldung: Sidney R. aus Düsseldorf gibt's nicht.
Foto: Screenshot/BILD
Was wir bereits wissen
Zig Facebook- und Twitter-Nutzer sind Opfer einer offenbar gefälschten Vermisstenanzeige geworden: Gesucht wurde die kleine Sidney R. aus Düsseldorf.

Düsseldorf.. Sidney R. (6) ist verschwunden – oder doch nicht? Anfang der Woche geisterte eine Vermisstenmeldung durch die sozialen Netzwerke. Einzig: Der Hilferuf war gefälscht. Sidney gibt es gar nicht. Inzwischen sind alle Facebook- und Twittereinträge dazu gelöscht.

Eine "Mutter" aus Düsseldorf hatte bei Facebook zur Suche nach ihrer neunjährigen Tochter aufgerufen. In dem Post schrieb eine vermeintliche Sabine R.: "meine kleine Tochter Sidney 6 1/2 Jahre alt ist vor 3 Stunden verschwunden. sie kam nicht vom Balentunterricht wieder und ist daher verschwunden. wer irgendetwas hört oder sieht bitte sofort mich kontaktieren. Danke im voraus." Nach dem ersten Eintrag schickte sie noch zwei weitere Posts samt Foto hinterher.

Keine Vermisstenanzeige bei der Polizei

Bei der Düsseldorfer Polizei liegt allerdings keine Vermisstenanzeige vor. " Das ist ein klassischer Hoax", vermutet Polizeisprecher Marcel Fiebig. "Wie die Spinne in der Yuccapalme oder die HIV-Spritze im Kinosessel." Gefälschte Vermisstenmeldungen gebe es aber selten, so Fiebig.

Vermisstenanzeige Lästig sind sie dennoch – weil sie sich im Internet viral verbreiten und manchmal sogar Panik schüren. Aber strafrechtlich relevant ist eine gefälschte Vermisstenanzeige erstmal nicht. "Nicht alles, was moralisch verwerflich oder einfach nur Blödsinn ist, ist auch eine Straftat", erklärt der Düsseldorfer Staatsanwalt Christoph Kumpa. Justiziabel sei der Fall erst dann, wenn eine Straftat vorgetäuscht oder angedroht werde. Aber im Fall der kleinen Sidney ist ja nicht einmal eine Vermisstenanzeige eingegangen. Und in der Meldung selbst heißt es nur: "ist verschwunden". Kein Wort von wurde entführt" oder Ähnlichem.

Einziger Ansatzpunkt: eine Urheberrechtsverletzung beim Bild. Das ist nämlich offensichtlich geklaut. Bei der Google-Suche nach "Kinderkostüm Fee lila grün" findet man schnell das Bild des Mädchens aus der "Vermisstenanzeige". Vieleicht freut sich der kanadische Kostümhersteller "Great Pretenders" ja über die kostenlose Werbung über Umwege...

In Dortmund wurde nach Akuti (9) gesucht

Ein ähnlicher Fall hatte vor zwei Jahren Dortmund aufgeschreckt. Auch damals war es eine Anzeige auf Facebook, die sich schnell im Netz verbreitete. Gesucht wurde Akuti (9). Auch sie gab es nicht – auch hier war das Foto geklaut und stammte von fotocommunity.de.