Exklusiver Tag für NRZ-Leser im Archäologischen Park Xanten

Die Gewinnerfamilie Noah Kremer mit seiner Mutter Nadine Kremer und Stefani Farwick mit ihrem Sohn Max (von links) sitzen in einem fertig nachgebauten Schiff in der Werft des Archäologischen Parks in Xanten.
Die Gewinnerfamilie Noah Kremer mit seiner Mutter Nadine Kremer und Stefani Farwick mit ihrem Sohn Max (von links) sitzen in einem fertig nachgebauten Schiff in der Werft des Archäologischen Parks in Xanten.
Foto: Dana Schmies
Was wir bereits wissen
NRZ-Leser erlebten einen spannenden Tag im Archäologischen Park Xanten. Sie trugen historische Kleidung und aßen wie die alten Römer.

Xanten.  Allerbestes Wetter und helle Aufregung in der Familie: „Die Jungs haben in einer Tour geschnattert“, erzählt Stefani Farwick aus Millingen. Sie hat im Rahmen der 70-Jahre NRZ-Aktion: „Wir öffnen Türen“ einen „speziellen“ Tag im Archäologischen Park in Xanten ( APX) gewonnen. Sohn Max (7), sein Cousin Noah (7) sowie Noahs Mutter Nadiné Kremer haben Stefani an diesem Tag zu dem Park begleitet, der jährlich mehr als 500 000 Besucher anzieht. Für den Blick hinter die Kulissen schnürte APX-Sprecher Ingo Martell mit der NRZ ein ganz besonderes Paket.

Los geht es um halb elf vormittags im 2008 eröffneten Römer-Museum. Gästebetreuerin Heidemarie Rahman begrüßt die Familie und hat schon zu Beginn ein echtes Highlight für die Jungs vorbereitet: „Ihr werdet jetzt in die römische Legion aufgenommen!“ Selbstverständlich inklusive echter römischer Kleidung. „Eigentlich durfte man erst ab 14 Jahren Soldat werden, aber zusammen seid ihr ja schon 14“, sagt die 50-Jährige lächelnd.

Max und Noah können ihr Glück kaum fassen: Sie hatten bei einem vorherigen Besuch die römischen Kleidungsstücke bewundert, durften sie aber nicht anfassen, geschweige denn tragen. „Und jetzt bin ich ein echter Legionär“, sagt Max begeistert. Dann geht´s für die Familie in die Schiffswerft. „Vom Legionär zum Schiffsbauer, heute schreitet eure Karriere rasend voran“, meint Ingo Martell zu den zwei Jungs.

Die „Minerva Tritonia“ ist ein originalgetreuer Nachbau

In der Schiffswerft leitet der holländische Schiffsbaumeister Kees Sars ein Team an Schiffsbauern und Praktikanten, die zur Zeit die „Minerva Tritonia“ bauen. Das ist ein originalgetreuer Nachbau eines römischen Transportschiffes. Das Original wurde in Mainz gefunden und ist wie der Nachbau 18 Meter lang und knapp vier Meter breit. „Und da brauchen wir heute eure Hilfe“, so Kees Sars. Die Planke der Steuerbordseite müsse nun eine knappe Stunde mit der Flamme behandelt und mit Wasser feucht gehalten werden, damit sie sich verforme. „Dann setzen wir die Planke ganz schnell ins Schiff ein, dort kühlt sie in der gebogenen Form aus“, erklärt der 54-Jährige.

Es dauere zwei Jahre, bis das Schiff fertig gestellt ist, die Kosten belaufen sich dafür auf 680 000 Euro, erklärt Projekt-Leitung Gabriele Schmidhuber-Aspöck. Kees Sars fügt hinzu: „Das Holz bekommen wir aus Dänemark und nur ein Viertel des Holzes wird für das Schiff verbaut, der Rest ist Verschnitt.“

Die Jungen hämmern und sägen um die Wette

Derweil bearbeiten Max und Noah konzentriert die Planke mit Feuer und Wasser. Als die Planke endlich fest sitzt, sind die Siebenjährigen irre stolz. Die Jungs dürfen dann noch um die Wette hämmern und sägen. Die Selbstverständlichkeit, mit der Max und Noah mit den Werkzeugen umgehen, irritiert ihre Mütter: „Ich werde hier ganz nervös, zum Glück haben wir ein Unfall-Pack dabei“, so Stefani Farwick. „Das ist gar kein Problem für mich, ich habe das alles schon 150 Mal gemacht“, erzählt Max. Er baue regelmäßig verschiedene Sachen mit seinem Vater: Vogelhäuschen, Zeitungsständer und vieles mehr.

Die Arbeit in der Werft hat allen sichtlich Spaß gemacht: „Das würde ich gerne nochmal machen, aber dann soll Papa mitkommen, der hat von so was mehr Ahnung als Mama“, so Max.

Das römische Essen ist für die Jungen gewöhnungsbedürftig

Mittlerweile haben alle Hunger, dafür geht es ins parkeigene römische Restaurant. Auf dem Weg quer durch den Park geht es an einem kleinen Lehmbau vorbei. Das sei ein Probebau gewesen, um die Haltbarkeit der Lehmmischung für die neugebauten Lehmhäuser zu testen, erklärt Ingo Martell. „Ich dachte, das ist ein Römer-Klo“, kichert Noah.

Im Restaurant wird kräftig aufgetischt. Original römisch, natürlich: Römische Vorspeisen aus Salat, Ei, Pinienkernsauce, dann Gerstensuppe, als Hauptspeise Kalb und Huhn mit Quitten, Lauch und Zwiebeln und eine Eier-Süßspeise mit Rosinen und Pinienkernen als Dessert. Stefani und Nadiné sind begeistert. Ihre Söhne weniger. Aber es gibt für die Legionär-Schiffsbauer eine zeitgemäße Alternative: Pommes.

Beim Essen bombardieren Max und Noah Parksprecher Ingo Martell mit Fragen, der ist nämlich ein Archäologe: „Hast Du schon mal Dinosaurier ausgegraben?“(Nein), „Hast Du Schätze gefunden?“ (Gold habe ich leider noch nie gefunden) „Was willst Du mal finden?“ (Ein römischer Ring wäre mein Traum), „Wie oft findet man etwas Wertvolles?“ (Etwa alle fünf Jahre findet man etwas kleines, wie einen Ring, aber oft sind einfache Knochen und Scherben Schätze)...

Ein limitierter Modellbausatz eines Plattbodenschiffes

Schon mit fünf Jahren hätten die Jungs begonnen, sich für Archäologie zu interessieren, liehen Bücher darüber in der Bibliothek aus, berichtet Stefani Farwick. „Ja, ich will unbedingt Archäologe werden, Max auch“, gibt Noah an. Das sei cool, weil man dann den ganzen Tag rumbuddeln könne und tolle Sachen fände.

Die Besichtigung des Amphitheaters hat sich Noah gewünscht. Hier übergibt Ingo Martell Noah und Max als Souvenir jeweils einen limitierten Modellbausatz eines römischen Plattbodenschiffes und den Museumsführer für Kinder. Und das Beste kommt fast zum Schluss: „Ich lade euch im Sommer 2018 herzlich auf die Jungfernfahrt der Minerva Tritonia ein, dem Schiff, an dem ihr vorhin mitgearbeitet habt.“

>> INFOS:

Der Archäologische Park in Xanten bietet viele verschiedene Führungen an. Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ist der Eintritt frei.

Öffnungszeiten: März bis Oktober: täglich 9 bis 18 Uhr; November: täglich 9 bis 17 Uhr

Infos: Telefon: 02801 712-0; www.apx.lvr.de