EU-Bauern müssen Ackerfläche zu Biotopen machen

Gut für Vögel und Insekten: Blühstreifen an Äckern.
Gut für Vögel und Insekten: Blühstreifen an Äckern.
Foto: Archiv/WP/Dinslage
Was wir bereits wissen
Gut für Vögel und Insekten: Die EU drängt ab diesem Jahr bei Landwirten auf kleine Biotope. Rheinische Bauern setzen verstärkt auf Blühstreifen.

Am Niederrhein.. Kleine Blütenkunde vorab: Ölrettich ist weiß, Phacelia (trägt auch den netten Namen „Büschelschön“) hat ein kräftiges Lila, und der Senf ist natürlich gelb. Es wird ab diesem Jahr bunt werden an den Rändern vieler Äcker in der Region. Die EU drängt Landwirte, den Boden nicht bis zum letzten Quadratmeter für Anbau zu nutzen. Auf fünf Prozent der Ackerfläche soll die Ökologie Vorfahrt haben. Sie sollen zumindest als Brache dienen, besser aber als Blüh- oder Pufferstreifen, für Zwischenfrüchte oder für Landschaftselemente wie Hecken.

Nicht alles aus Brüssel macht Bauern bekanntlich froh. Aber: „Diese Vorgabe sehen wir als Chance, zu zeigen, dass wir Landwirte auch was für die Artenvielfalt tun“, sagt Andrea Bahrenberg von den Rheinischen Bauern gegenüber dieser Redaktion. Der Verband mit den 20.000 Mitgliedern hat sich in einer freiwilligen Erklärung verpflichtet, mindestens 40 Prozent dieser Ökoflächen wie Blüh- und Pufferstreifen bereitzuhalten. Für Insekten, aber auch Vögel wie Rebhühner oder Feldlerche seien diese besonders wertvoll. Dringende Bitte an Spaziergänger: keine freilaufenden Hunde durch die Streifen stromern lassen. „Auf diesen Flächen könnten Vögel brüten“, erklärt Bahrenberg.

Ohne „Greening“ gibt es ein Drittel weniger EU-Prämien

Ökologisch gibt es gute Argumente für solche Flächen. Bienen, ebenso Vögel und Wildtiere wie Hasen finden Nahrung und Schutz – und das auch im Herbst noch nach Ernte der Hauptkultur. Zwischenfrüchte wie Stoppelrüben binden zudem Stickstoff im Boden. Pflanzenreste verbessern den Humusgehalt. Die EU macht finanziell Druck, damit die Vorgabe umgesetzt wird, die bei Fachleuten unter dem Stichwort „Greening“ und in Brüssel unter „Europäische Agrarreform“ läuft. Wer nicht mitzieht, bekommt ein Drittel weniger Prämien von der EU – nur 187 Euro pro Hektar. Mit „Greening“ gibt es 87 Euro mehr.

Was Hobbygärtner TUN können

Bis zum 15. Mai haben Landwirte Zeit festzulegen, wie sie ihre Fläche im Zuge der Agrarreform demnächst bewirtschaften und was sie anbauen. Ansprechpartner ist für sie die Landwirtschaftskammer. Von dort gibt es Beratung. Bedarf dafür ist da. Das liegt einerseits an der Bürokratie. So sind beispielsweise Saatmischungen vorgeschrieben, die Landwirte müssen auch Saatproben für Kontrollen zurücklegen. Andererseits gibt es bei Landwirten auch Sorge, dass von den Ökoflächen aus sich Unkrautsamen auf die Äcker verteilen. Dieser „Unkrautdruck“ sei aber händelbar, heißt es bei den Rheinischen Bauern.

Landwirt Christian Terlinden aus Issum im Klever Südkreis muss fünf Hektar Ökoflächen bereithalten. Er setzt auf Blühstreifen und Zwischenfrüchte und hat sich schon Flächen ausgeguckt, die teilweise ohnehin nur bedingt zum Ackerbau geeignet sind. „Mit geringem Aufwand lässt sich hier für die Natur viel erreichen“, sagt der 34-Jährige. Einen Blühstreifen will er direkt an einem Wald einrichten. Florian Oymans (30), ebenfalls aus Issum, muss zehn Hektar bereithalten und ist auf der Suche nach Platz für Blühstreifen auch fündig geworden. Die Ökomaßnahmen findet er okay, zweifelt aber, ob es eine politische Vorgabe unbedingt gebraucht hätte: „Als Bauer ist man aus ureigenen Interesse heraus auf Nachhaltigkeit bedacht.“