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Es wird Zeit für unsere Geschichte

22.01.2015 | 00:12 Uhr

Bayern hat eins, Baden-Württemberg hat eins, fast alle haben ein zentrales Landesmuseum. NRW hat keins, sollte aber eines haben, Das meinte nicht nur weiland Eckhard Uhlenberg, der einstige Landtagspräsident, das meint auch der Münsteraner Historiker Dr. Ulrich Kröll. Der hat zwar seine mehr als 600 Seiten über „Die Geschichte Nordrhein-Westfalens“ausdrücklich nicht geschrieben, nur um für ein „Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalens“ zu werben; aber ein Plädoyer dafür ist sein lesenswerter Geschichtsschinken doch geworden. „Wenn ich schon kein Museum für die Landesgeschichte bauen kann, dann kann ich doch wenigstens ein Buch darüber schreiben“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

Die NRW-Geschichte fängt bei Kröll übrigens nicht erst 1946 mit dem englischen Bindestrich an, sondern mit einem frühen Migranten: „Natürlich gab es den Neandertaler auch anderswo in ganz Europa, aber es lässt sich nun mal nicht leugnen, dass er hier bei uns entdeckt wurde und ein Tal nach ihm benanntworden ist“, sagt er. Und dass schon die Römer und später Karl der Große, jeweils vom rheinischen Westen kommend, das ganze Nordrhein-Westfalen im Blick hatten, lange bevor es die Siegermacht England durch einen Verwaltungsakt auf die Weltkarte brachte. Tiefer ist der Brunnen der Vergangenheit...

Er erklärt so schön, und das ist kein Zufall: Kröll hat als akademischer Oberrat an der Uni Münster Aberhunderte von Geschichtslehrern ausgebildet und nun ein populärhistorisches Buch über die Landesgeschichte vorgelegt, das den Rheinländern Westfalen „und Lipperländern!“ zu mehr Landes-Kenntnis und -Selbstbewusstsein verhelfen soll. In 48 Kapiteln von der Varusschlacht, die Völkerwanderung, die Stadtwerdungen im Mittelalter, die Hansezeit, die Reformation, den 30-jährigen Krieg bis zur franzöischen Revolution lässt er die Landes-Vorgeschichte bis zur Jetztzeit Revue passieren.

Was wäre gewesen, wenn der Wiener Kongress nicht vor 200 Jahren das Rheinland und Westfalen offiziell zusammengeschweißt hätte, indem er die beiden Provinzen dem preußischen Staat zuschlug? Was, wenn Varus gewonnen hätte, wenn im Jahre 1609 der letzte Herzog von Kleve nicht kinderlos verstorben wäre, wenn sich 1945 die Franzosen mit ihrer Idee vom Großrheinland „Rhenania“ gegen die englische Bindestrich-Lösung durchgesetzt hätten?

Für Kröl ist klar: „Das hätte nicht funktioniert.“ Er sieht im Bindestrich von 1946 den Beginn einer „fast 70-jährigen Erfolgsgeschichte“. Die sei möglich geworden, weil es im Ruhrgebiet die industriellen Grundlagen und Arbeit gab und der Niederrhein, das Münsterland und östliche Westfalen die Ernährung der Bevölkerung sicherstellten.

Aber gibt es überhaupt „Nordrhein-Westfalen?“ Wo man doch immer und überall vor lauter Niederrheinern, Bergischen, Münsterländern, West- und Ostruhris und Lipperländern steht? Und im Zweifel sogar vor Düsseldorfern und Kölnern, die sich nicht leiden können? Ja, unterhalb der NRW-Schwelle sei das so, räumt er ein, aber es habe sich doch ein gemeinsames Selbstbewusstein ausgebildet. Das sieht er in der „nahezu genialen“ „Wir in NRW“-Kampagne der damaligen Rau-Regierung am besten forciert und ausgedrückt. „Weil sie Gegensätze nicht ausspart, unterschiedliche Geschichte und Herkunft nicht leugnet, Raum lässt für regionale Besonder- und landsmannschaftliche Eigenheiten, offen bleibt für neue Entwicklungen und dies alles mit dem Bekenntnis zu einem „Land für alle Bürger verbindet.“ Da zitiert er gerne seinen Historiker-Kollegen Guido Hitze.

Und die Mentalitäts-Unterschiede? Da gibt er unausgesprochen dem Kölner Kabarettisten Jürgen Becker Recht, der über das Zusammenleben von Rheinländern und Westfalen einmal sagte: „Et is furschbar, aber et jeht...“

Und es sollte und wird, meint Kröll, auch mit dem Haus der Geschichte klappen: In Düsseldorf solle es stehen, kein teurer Neubau, sondern, in Kamellewurfnähe zu Landtag, Kö und NRW-Kunstsammlung, in der alten Horion-Villa, eine neue feste „Must-Go“-Adresse. Die vielen guten und vernetzten Museen des Landes könnten es - gegen Gebühr – einmal im Jahr zwischen Ostern und Ende September für eine große historische Themenschau mit Leihgaben bestücken und so, einen zentralen Ort mitgestalten, an dem sich Schulklassen, aber auch Touristen die NRW-Erfolgsstory erzählen lassen könnten, so, wie es seit vielen Jahren die Bayern und die Baden-Württemberger vormachen. Ja, das kostet Geld, und das ist knapp. Und dass man es nicht „im Sinne des für das Überleben Unabdingbaren braucht“, weiß Kröll auch. Aber so ein „Aushängeschild“ werde sicher die Identifikation mit unserem Land und, ja, die Demokratie beflügeln, und: „Ein so bedeutendes Land wie Nordrhein-Westfalen sollte sich eine solche profilgebende Einrichtung auch zutrauen.“

Bayern hat eins, Baden-Württemberg hat eins, fast alle haben ein zentrales Landesmuseum. NRW hat keins, sollte aber eines haben, Das meinte nicht nur weiland Eckhard Uhlenberg, der einstige Landtagspräsident, das meint auch der Münsteraner Historiker Dr. Ulrich Kröll. Der hat zwar seine mehr als 600 Seiten über „Die Geschichte Nordrhein-Westfalens“ausdrücklich nicht geschrieben, nur um für ein „Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalens“ zu werben; aber ein Plädoyer dafür ist sein lesenswerter Geschichtsschinken doch geworden. „Wenn ich schon kein Museum für die Landesgeschichte bauen kann, dann kann ich doch wenigstens ein Buch darüber schreiben“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

Die NRW-Geschichte fängt bei Kröll übrigens nicht erst 1946 mit dem englischen Bindestrich an, sondern mit einem frühen Migranten: „Natürlich gab es den Neandertaler auch anderswo in ganz Europa, aber es lässt sich nun mal nicht leugnen, dass er hier bei uns entdeckt wurde und ein Tal nach ihm benanntworden ist“, sagt er. Und dass schon die Römer und später Karl der Große, jeweils vom rheinischen Westen kommend, das ganze Nordrhein-Westfalen im Blick hatten, lange bevor es die Siegermacht England durch einen Verwaltungsakt auf die Weltkarte brachte. Tiefer ist der Brunnen der Vergangenheit...

Er erklärt so schön, und das ist kein Zufall: Kröll hat als akademischer Oberrat an der Uni Münster Aberhunderte von Geschichtslehrern ausgebildet und nun ein populärhistorisches Buch über die Landesgeschichte vorgelegt, das den Rheinländern Westfalen „und Lipperländern!“ zu mehr Landes-Kenntnis und -Selbstbewusstsein verhelfen soll. In 48 Kapiteln von der Varusschlacht, die Völkerwanderung, die Stadtwerdungen im Mittelalter, die Hansezeit, die Reformation, den 30-jährigen Krieg bis zur franzöischen Revolution lässt er die Landes-Vorgeschichte bis zur Jetztzeit Revue passieren.

Was wäre gewesen, wenn der Wiener Kongress nicht vor 200 Jahren das Rheinland und Westfalen offiziell zusammengeschweißt hätte, indem er die beiden Provinzen dem preußischen Staat zuschlug? Was, wenn Varus gewonnen hätte, wenn im Jahre 1609 der letzte Herzog von Kleve nicht kinderlos verstorben wäre, wenn sich 1945 die Franzosen mit ihrer Idee vom Großrheinland „Rhenania“ gegen die englische Bindestrich-Lösung durchgesetzt hätten?

Für Kröl ist klar: „Das hätte nicht funktioniert.“ Er sieht im Bindestrich von 1946 den Beginn einer „fast 70-jährigen Erfolgsgeschichte“. Die sei möglich geworden, weil es im Ruhrgebiet die industriellen Grundlagen und Arbeit gab und der Niederrhein, das Münsterland und östliche Westfalen die Ernährung der Bevölkerung sicherstellten.

Aber gibt es überhaupt „Nordrhein-Westfalen?“ Wo man doch immer und überall vor lauter Niederrheinern, Bergischen, Münsterländern, West- und Ostruhris und Lipperländern steht? Und im Zweifel sogar vor Düsseldorfern und Kölnern, die sich nicht leiden können? Ja, unterhalb der NRW-Schwelle sei das so, räumt er ein, aber es habe sich doch ein gemeinsames Selbstbewusstein ausgebildet. Das sieht er in der „nahezu genialen“ „Wir in NRW“-Kampagne der damaligen Rau-Regierung am besten forciert und ausgedrückt. „Weil sie Gegensätze nicht ausspart, unterschiedliche Geschichte und Herkunft nicht leugnet, Raum lässt für regionale Besonder- und landsmannschaftliche Eigenheiten, offen bleibt für neue Entwicklungen und dies alles mit dem Bekenntnis zu einem „Land für alle Bürger verbindet.“ Da zitiert er gerne seinen Historiker-Kollegen Guido Hitze.

Und die Mentalitäts-Unterschiede? Da gibt er unausgesprochen dem Kölner Kabarettisten Jürgen Becker Recht, der über das Zusammenleben von Rheinländern und Westfalen einmal sagte: „Et is furschbar, aber et jeht...“

Und es sollte und wird, meint Kröll, auch mit dem Haus der Geschichte klappen: In Düsseldorf solle es stehen, kein teurer Neubau, sondern, in Kamellewurfnähe zu Landtag, Kö und NRW-Kunstsammlung, in der alten Horion-Villa, eine neue feste „Must-Go“-Adresse. Die vielen guten und vernetzten Museen des Landes könnten es - gegen Gebühr – einmal im Jahr zwischen Ostern und Ende September für eine große historische Themenschau mit Leihgaben bestücken und so, einen zentralen Ort mitgestalten, an dem sich Schulklassen, aber auch Touristen die NRW-Erfolgsstory erzählen lassen könnten, so, wie es seit vielen Jahren die Bayern und die Baden-Württemberger vormachen. Ja, das kostet Geld, und das ist knapp. Und dass man es nicht „im Sinne des für das Überleben Unabdingbaren braucht“, weiß Kröll auch. Aber so ein „Aushängeschild“ werde sicher die Identifikation mit unserem Land und, ja, die Demokratie beflügeln, und: „Ein so bedeutendes Land wie Nordrhein-Westfalen sollte sich eine solche profilgebende Einrichtung auch zutrauen.“

Bayern hat eins, Baden-Württemberg hat eins, fast alle haben ein zentrales Landesmuseum. NRW hat keins, sollte aber eines haben, Das meinte nicht nur weiland Eckhard Uhlenberg, der einstige Landtagspräsident, das meint auch der Münsteraner Historiker Dr. Ulrich Kröll. Der hat zwar seine mehr als 600 Seiten über „Die Geschichte Nordrhein-Westfalens“ausdrücklich nicht geschrieben, nur um für ein „Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalens“ zu werben; aber ein Plädoyer dafür ist sein lesenswerter Geschichtsschinken doch geworden. „Wenn ich schon kein Museum für die Landesgeschichte bauen kann, dann kann ich doch wenigstens ein Buch darüber schreiben“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

Die NRW-Geschichte fängt bei Kröll übrigens nicht erst 1946 mit dem englischen Bindestrich an, sondern mit einem frühen Migranten: „Natürlich gab es den Neandertaler auch anderswo in ganz Europa, aber es lässt sich nun mal nicht leugnen, dass er hier bei uns entdeckt wurde und ein Tal nach ihm benanntworden ist“, sagt er. Und dass schon die Römer und später Karl der Große, jeweils vom rheinischen Westen kommend, das ganze Nordrhein-Westfalen im Blick hatten, lange bevor es die Siegermacht England durch einen Verwaltungsakt auf die Weltkarte brachte. Tiefer ist der Brunnen der Vergangenheit...

Er erklärt so schön, und das ist kein Zufall: Kröll hat als akademischer Oberrat an der Uni Münster Aberhunderte von Geschichtslehrern ausgebildet und nun ein populärhistorisches Buch über die Landesgeschichte vorgelegt, das den Rheinländern Westfalen „und Lipperländern!“ zu mehr Landes-Kenntnis und -Selbstbewusstsein verhelfen soll. In 48 Kapiteln von der Varusschlacht, die Völkerwanderung, die Stadtwerdungen im Mittelalter, die Hansezeit, die Reformation, den 30-jährigen Krieg bis zur franzöischen Revolution lässt er die Landes-Vorgeschichte bis zur Jetztzeit Revue passieren.

Was wäre gewesen, wenn der Wiener Kongress nicht vor 200 Jahren das Rheinland und Westfalen offiziell zusammengeschweißt hätte, indem er die beiden Provinzen dem preußischen Staat zuschlug? Was, wenn Varus gewonnen hätte, wenn im Jahre 1609 der letzte Herzog von Kleve nicht kinderlos verstorben wäre, wenn sich 1945 die Franzosen mit ihrer Idee vom Großrheinland „Rhenania“ gegen die englische Bindestrich-Lösung durchgesetzt hätten?

Für Kröl ist klar: „Das hätte nicht funktioniert.“ Er sieht im Bindestrich von 1946 den Beginn einer „fast 70-jährigen Erfolgsgeschichte“. Die sei möglich geworden, weil es im Ruhrgebiet die industriellen Grundlagen und Arbeit gab und der Niederrhein, das Münsterland und östliche Westfalen die Ernährung der Bevölkerung sicherstellten.

Aber gibt es überhaupt „Nordrhein-Westfalen?“ Wo man doch immer und überall vor lauter Niederrheinern, Bergischen, Münsterländern, West- und Ostruhris und Lipperländern steht? Und im Zweifel sogar vor Düsseldorfern und Kölnern, die sich nicht leiden können? Ja, unterhalb der NRW-Schwelle sei das so, räumt er ein, aber es habe sich doch ein gemeinsames Selbstbewusstein ausgebildet. Das sieht er in der „nahezu genialen“ „Wir in NRW“-Kampagne der damaligen Rau-Regierung am besten forciert und ausgedrückt. „Weil sie Gegensätze nicht ausspart, unterschiedliche Geschichte und Herkunft nicht leugnet, Raum lässt für regionale Besonder- und landsmannschaftliche Eigenheiten, offen bleibt für neue Entwicklungen und dies alles mit dem Bekenntnis zu einem „Land für alle Bürger verbindet.“ Da zitiert er gerne seinen Historiker-Kollegen Guido Hitze.

Und die Mentalitäts-Unterschiede? Da gibt er unausgesprochen dem Kölner Kabarettisten Jürgen Becker Recht, der über das Zusammenleben von Rheinländern und Westfalen einmal sagte: „Et is furschbar, aber et jeht...“

Und es sollte und wird, meint Kröll, auch mit dem Haus der Geschichte klappen: In Düsseldorf solle es stehen, kein teurer Neubau, sondern, in Kamellewurfnähe zu Landtag, Kö und NRW-Kunstsammlung, in der alten Horion-Villa, eine neue feste „Must-Go“-Adresse. Die vielen guten und vernetzten Museen des Landes könnten es - gegen Gebühr – einmal im Jahr zwischen Ostern und Ende September für eine große historische Themenschau mit Leihgaben bestücken und so, einen zentralen Ort mitgestalten, an dem sich Schulklassen, aber auch Touristen die NRW-Erfolgsstory erzählen lassen könnten, so, wie es seit vielen Jahren die Bayern und die Baden-Württemberger vormachen. Ja, das kostet Geld, und das ist knapp. Und dass man es nicht „im Sinne des für das Überleben Unabdingbaren braucht“, weiß Kröll auch. Aber so ein „Aushängeschild“ werde sicher die Identifikation mit unserem Land und, ja, die Demokratie beflügeln, und: „Ein so bedeutendes Land wie Nordrhein-Westfalen sollte sich eine solche profilgebende Einrichtung auch zutrauen.“

Bayern hat eins, Baden-Württemberg hat eins, fast alle haben ein zentrales Landesmuseum. NRW hat keins, sollte aber eines haben. Das meinte nicht nur weiland Eckhard Uhlenberg, der einstige Landtagspräsident, das meint auch der Münsteraner Historiker Dr. Ulrich Kröll. Der hat zwar seine mehr als 600 Seiten über „Die Geschichte Nordrhein-Westfalens“ ausdrücklich nicht geschrieben, nur um für ein „Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalens“ zu werben; aber ein Plädoyer dafür ist sein lesenswerter Geschichtsschinken doch geworden. „Wenn ich schon kein Museum für die Landesgeschichte bauen kann, dann kann ich doch wenigstens ein Buch darüber schreiben“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

Die NRW-Geschichte fängt bei Kröll übrigens nicht erst 1946 mit dem englischen Bindestrich an, sondern mit einem frühen Migranten: „Natürlich gab es den Neandertaler auch anderswo in ganz Europa, aber es lässt sich nun mal nicht leugnen, dass er hier bei uns entdeckt wurde und ein Tal nach ihm benannt worden ist“, sagt er. Und dass schon die Römer und später Karl der Große, jeweils vom rheinischen Westen kommend, das ganze Nordrhein-Westfalen im Blick hatten, lange bevor es die Siegermacht England durch einen Verwaltungsakt auf die Weltkarte brachte. Tiefer ist der Brunnen der Vergangenheit...

Er erklärt so schön, und das ist kein Zufall: Kröll hat als akademischer Oberrat an der Uni Münster Aberhunderte von Geschichtslehrern ausgebildet und nun ein populärhistorisches Buch über die Landesgeschichte vorgelegt, das den Rheinländern, Westfalen „und Lipperländern!“ zu mehr Landes-Kenntnis und -Selbstbewusstsein verhelfen soll. In 48 Kapiteln von der Varusschlacht über die Völkerwanderung, die Stadtwerdungen im Mittelalter, die Hanse, die Reformation, den 30-jährigen Krieg und die französische Revolution lässt er die Landes-Vorgeschichte bis zur Jetztzeit Revue passieren.

Was wäre gewesen, wenn der Wiener Kongress nicht vor 200 Jahren das Rheinland und Westfalen zusammengeschweißt hätte, indem er sie als Provinzen Preußen zuschlug? Was, wenn Varus gewonnen hätte, wenn im Jahre 1609 der letzte Herzog von Kleve nicht kinderlos verstorben wäre, wenn sich 1945 die Franzosen mit ihrer Idee eines von Münster bis zum Saarland reichenden „Rhenania“ gegen die englische Bindestrich-Lösung durchgesetzt hätten?

Für Kröll ist klar: „Das hätte nicht funktioniert.“ Er sieht im Bindestrich von 1946 den Beginn einer „fast 70-jährigen Erfolgsgeschichte“. Die sei möglich geworden, weil es im Ruhrgebiet die industriellen Grundlagen und Arbeit gab und der Niederrhein, das Münsterland und östliche Westfalen die Ernährung der Bevölkerung sicherstellten.

Aber gibt es überhaupt „Nordrhein-Westfalen?“ Wo man doch immer und überall vor lauter Niederrheinern, Bergischen, Münsterländern, West- und Ostruhris und Lipperländern steht? Und im Zweifel sogar vor Düsseldorfern und Kölnern, die sich nicht leiden können? Ja, unterhalb der NRW-Schwelle sei das so, räumt er ein, aber es habe sich doch ein gemeinsames Selbstbewusstsein ausgebildet. Das sieht er in der „nahezu genialen“ „Wir in NRW“-Kampagne der Rau-Regierung am besten forciert und formuliert. „Weil sie Gegensätze nicht ausspart, unterschiedliche Geschichte und Herkunft nicht leugnet, Raum lässt für regionale Besonder- und landsmannschaftliche Eigenheiten, offen bleibt für neue Entwicklungen und dies alles mit dem Bekenntnis zu einem „Land für alle Bürger verbindet.“ Da zitiert er seinen Historiker-Kollegen Guido Hitze.

„Wir sollten unsdas zutrauen“

Und die Mentalitäts-Unterschiede? Da gilt wohl auf ewig, was der Kölner Kabarettist Jürgen Becker über das Zusammenleben von Rheinländern und Westfalen sagte: „Et is furschbar, aber et jeht...“

Und es sollte und wird, meint Kröll, auch mit dem Haus der Geschichte klappen: In Düsseldorf solle es stehen, kein teurer Neubau, sondern, in Kamellewurfnähe zu Landtag, Kö und NRW-Kunstsammlung, in der alten Horion-Villa, eine neue feste „Must-Go“-Adresse. Die vielen guten und vernetzten Museen des Landes könnten es - gegen Gebühr – einmal im Jahr zwischen Ostern und Ende September für eine große Themenschau mit Leihgaben bestücken und so einen zentralen Ort mitgestalten, an dem sich Schulklassen, aber auch Touristen die NRW-Erfolgsstory erzählen lassen könnten, so, wie es die Bayern und die Baden-Württemberger längst tun. Ja, das kostet Geld, und das ist knapp. Und dass man es nicht „im Sinne des für das Überleben Unabdingbaren braucht“, weiß Kröll auch. Aber so ein „Aushängeschild“ werde sicher die Identifikation mit unserem Land und, ja, die Demokratie beflügeln, und: „Ein so bedeutendes Land wie Nordrhein-Westfalen sollte sich eine solche profilgebende Einrichtung auch zutrauen.“

Kommentare
22.01.2015
14:44
Es wird Zeit für unsere Geschichte
von ulrics | #1

Als Historiker sollte man eigentlich wissen, dass der Neandertaler nach dem Fundort benannt wurde und nicht andersrum.

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10261996
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2015-01-22 00:12
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