Es prüft sich, wer sich länger bindet

Duisburg..  Wenn es sein muss, dann schlüpft Heinz Radomski in eine rote Sporthose, in ein rot-weißes Trikot, dann bindet er sich ein rotes Kopftuch über den Schädel und nimmt eine Rote Laterne in die Hand. Der Mann hat tatsächlich Mut. Wenn es ums Laufen geht, seiner großen Leidenschaft, wie er betont, scheut er vor keinem Job zurück. Der 52-Jährige ist ja nicht nur der rotgekleidete Schlussläufer beim Duisburger Marathon, er ist viel mehr: Beim Laufclub Duisburg ist er der Sportliche Leiter, damit Lehrtrainer für Laufen, Walking- und Nordic Walking, er nimmt Prüfungen für das Deutsche Sportabzeichen ab und wenn sein Klub eine Vorstandssitzung hat, dann ist er selbstverständlich auch dabei. „Mindestens sechs Stunden in der Woche kommen da zusammen, manchmal sind es aber auch zwölf.“

Menschen wie Heinz Radomski, die für ihre Leidenschaft leben, die ihre Freizeit nutzen, um ehrenamtlich zu arbeiten, gibt es viele in Deutschland. Das ist gut, das ist sogar sehr gut. Schlecht ist, dass es weniger werden. Ilja Waßenhoven, Mitglied des Vorstands beim Landessportbund NRW, spricht wörtlich von einer „Riesenherausforderung“. Und damit meint er vor allem, dass die Vereine zunehmend Probleme haben, „ihre gewählten Positionen zu besetzen“. Waßenhoven sieht einen „schleichenden Prozess“, der gerade deshalb „nicht ungefährlich“ sei, „weil man ihn nur langsam wahrnimmt.“

Es fehlt weniger an Trainern oder Übungsleitern. Im Gegenteil. „In diesem Bereich steigen die Zahlen eher“, wie Waßenhoven erklärt. Es fehlt an Vorsitzenden, Geschäftsführern oder Kassenwarten. Über die Gründe dieser existenzbedrohenden Entwicklung lässt sich nur spekulieren. Christoph Becker, Referent für Vereinsmanagement beim LSB, betont, dass es kein Problem sei, die Menschen für Projekte zu gewinnen. „Wenn der Zeitraum überschaubar ist, sind viele bereit, zu helfen.“ Richtig problematisch werde es erst, „wenn sich jemand zwei Jahre an ein Amt binden muss.“ Die Mobilität, die im Arbeitsleben gefordert ist, wollen sich viele, vermutet Becker, auch im Privatleben beibehalten. Arbeitsintensiv sind die Vorstandsposten außerdem. Im Schnitt arbeitet ein Sportvereinsvorsitzender in NRW im Monat 18,2 Stunden für seinen Verein, ein Schatzmeister 12,7 und ein ehrenamtlicher Geschäftsführer 9,3. Das hat die Sporthochschule Köln ausgerechnet.

Nachvollziehbar, dass sich der LBS intensiv mit dieser Entwicklung beschäftigt hat. Die Fragestellung lautet: Was können die Vereine tun, um die eigene Existenz zu sichern? Und wer nach Antworten sucht, der findet auf den Seiten des Sportbundes im Internet einige Anregungen zum Thema Mitarbeitergewinnung, Mitarbeitermotivation oder Vereinsmanagement (www.vibss.de). Besonders interessant dürfte das Angebot einer Vorort-Beratung sein.

Beim Kreissportbund Wesel könnte man sich vorstellen, dass Sportvereine künftig die arbeitsintensiven Vorstandsposten aufteilen: „Man könnte Ressorts schaffen, in denen Arbeitsgruppen zusammen arbeiten“, sagt Sprecher Niels Ebeling. Überhaupt müsse man mehr „betonen, wie wichtig das Ehrenamt und das bürgerschaftliche Engagement sind“, findet Ebeling. „Die Sportvereine tun ja so viel für Inklusion, Integration oder, jetzt ganz aktuell, für Flüchtlinge.“

Ob der Laufclub Duisburg Beratungsbedarf hat? Optimierungsmöglichkeiten dürfte es in den meisten Vereinen geben - selbst wenn man in der glücklichen Lage ist, Ehrenamtliche wie Heinz Radomski im Verein zu haben. Der Mann hat einen langen Atem, er hat 96 Marathons in den Beinen und er arbeitet seit nunmehr zwölf Jahren für seinen Klub. „Es ist schwer die Leute zu motivieren, wenn es kein Geld gibt“, glaubt der 52-Jährige. „Ich mache es aus Überzeugung“, so der Läufer, der beim LSB einmal „Ehrenamtler des Monats“ war.