Es lebe der Wirtschaftsbürger

Nachdem wir uns bereits vom uncoolen Bildungsbürger verabschiedet haben, weil der den ganzen Tag lang viersprachig Gedichte analysiert statt ordentlich shoppen zu gehen, geht es nun auch dem Staatsbürger an den Kragen. Wenn dem was nicht passt, dann geht er auf die Straße statt an die Börse und stört den öffentlichen Seelenfrieden.

Jetzt führt Baden-Württemberg, wo man noch nie Gedichte analysiert hat, zumindest nicht auf Hochdeutsch, als erstes Bundesland an seinen Schulen das Pflichtfach „Wirtschaft und Beruf“ ein. Das Fach soll den Kindern helfen, „zu mündigen Wirtschaftsbürgern“ zu werden.

Damit werden die künftigen Wirtschaftsbürger dann endlich so lebenswichtige, in der Schule sträflich vernachlässigte Fragen behandeln wie „Wie oft kann ich einen Euro ausgeben?“

„Muss ich echt meine Miete jeden Monat bezahlen oder reicht es, wenn ich sie einmal am Tag auf Facebook poste?“

Oder „Wieso kriegt die blöde Emma-Marie von ihren Eltern das geile neue I-Phone und ich nicht?“

In den Leistungskursen wird man sich vielleicht sogar mit der Frage beschäftigen, wie es sein kann, dass im kommenden Jahr das reichste Prozent der Weltbevölkerung vermögender sein wird als der ganze irrelevante Rest. Anders als viersprachige Gedichte-Analysierer werden Wirtschaftsbürger da sicher eine befriedigende Antwort finden.