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Erdbeben

"Endspurt" im Bergbau treibt Zahl der Erdbeben nach oben

04.03.2014 | 07:13 Uhr
"Endspurt" im Bergbau treibt Zahl der Erdbeben nach oben
Im Bereich des Bergwerks Prosper-Haniel in Bottrop bebt seit Januar auffallend häufig die Erde. Grund sei ein neues Abbaufeld.Foto: Fotos: WAZ FotoPool/Montage Bertelmann

Bottrop/Dorsten/Hünxe/Dinslaken.   In fünf Jahren schließen die letzten Bergwerke in NRW. Bis dahin wird noch tüchtig Kohle gefördert. Erdbebenwarten registrieren seit Januar auffallend viele Bergbau-Beben im Bereich des Bergwerks Prosper-Haniel in Bottrop. Laut RAG geht es um einen bestimmten Flöz. Beben dürfte es noch für Monate.

Nach wenigen Sekunden war alles vorbei. Doch der Schreck hielt umso länger an: „Lag noch im Bett und es wackelte ordentlich“, „Hatte das erste Mal seit über 30 Jahren Angst, dass das Haus zusammenbricht“, berichteten Augenzeugen, nachdem Ende Dezember in Haltern am See die Erde ungewohnt stark bebte. Ausgelöst durch den Bergbau. Während es dort seitdem weitgehend ruhig blieb, bebt die Erde im Raum Bottrop und Dorsten seit Januar ungewohnt oft. Nicht so stark, aber zum Teil mehrmals täglich.

Die Erdbebenwarte der Ruhr-Uni Bochum zählte von Januar bis Ende Februar 46 Erdbeben. Epizentrum: Dorsten. Die Erdbebenwarte der Uni Köln registrierte im gleichen Zeitraum 37 „seismische Ereignisse“ und verortet das Epizentrum jeweils in „Königshardt“; im gesamten Jahr 2013 wurde dieser Ort nur 30-mal genannt. In allen Fällen sind es „bergbauinduzierte“ Beben. Ausgelöst durch den Steinkohleabbau im Bergwerk Prosper-Haniel.

Erdbeben durch einen Abbau-„Endspurt“?

Stephan Heitmann vom „Initiativkreis Bergbaubetroffener“ in Bottrop interpretiert die Beben als Zeichen eines „Endspurts“. Ende 2018 muss auch Prosper-Haniel den Betrieb einstellen. Dann laufen die Kohlesubventionen bundesweit aus. „In dem Bergwerk lässt man jetzt keine Gelegenheit mehr aus, noch ein paar Abbau-Rekorde zu brechen“, glaubt Heitmann.

So hat es Klaus Wagner bereits erlebt, Gründer der Bürgerinitiative „BISBU“ im Dorstener Ortsteil Altendorf-Ulfkotte. „Bis zum Jahr 2005 haben wir vom Abbau bei uns nichts gespürt“, erinnert sich der 68-Jährige. Aber mit Inkrafttreten des letzten Rahmenabbauplans für das Bergwerk Lippe, das auf Druck der Bergbaugegner dann bereits Ende 2008 dicht machen musste statt erst Ende 2010, „ging der Ärger los. Da ist unser Dorf kaputt gemacht worden“. Zwar habe die RAG Gebäudeschäden damals zeitnah reguliert. Doch die Erde habe in diesen verbliebenen vier Jahren andauernd und spürbar gebebt, sagt Wagner. „Das war auch eine psychische Belastung“.

Foto: Abbaugebiete im Bereich des Bergwerks Prosper-Haniel in Bottrop. Die hellgrünen Bereiche sollen noch erschlossen werden, in den dunkelgrünen wird aktuell Kohle gefördert. Pfeile geben die Abbau-Richtung an. (Screenshot: WE, Quelle: RAG/Bürger-Informations-Dienst)

Merkt man die Beben vor Ort derzeit überhaupt?

Kommentare
04.03.2014
23:28
??? von Petra_N | #6-1
von Europeer | #10

..hat argumentiert, der Grund des Ausstiegs aus dem Steinkohlebergbau liege darin, dass deutsche Steinkohle (vermeintlich) zu teuer sei. Nun, was war...
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http://www.derwesten.de/region/endspurt-im-bergbau-treibt-zahl-der-erdbeben-nach-oben-id9053838.html
2014-03-04 07:13
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