Eiskalter Betrug am Telefon

Krefeld..  Georgios B. bestreitet die Vorwürfe. Polizei und Staatsanwaltschaft in Krefeld jedoch sind sicher: Der 37-jährige Grieche, der sich seit März 2014 in Untersuchungshaft befindet, ist der Kopf einer Gewinnspiel-Betrügerbande, die immensen Schaden angerichtet hat. Bundesweit rund 270 000 meist ältere Menschen sollen um insgesamt 66 Millionen Euro geprellt worden sein. Von heute an muss sich B. vor der Wirtschaftsstrafkammer des Krefelder Landgerichts verantworten.

Den Opfern wurde am Telefon vorgegaukelt, dass sie an Gewinnspielen und Lottotippgemeinschaften teilnehmen – kostenpflichtig, versteht sich. Angeblich würden die Angerufenen an monatlich mindestens 200 Gewinnspielen teilnehmen mit der Aussicht auf tolle Gewinne wie Traumreisen, Luxusautos und -häuser oder hohe Geldsummen. Nach Erkenntnissen der Ermittler war das alles gelogen.

Im Zerschlagen betrügerischer Callcenter hat man bei der Polizei in Krefeld einige Erfahrung. Seit dem Jahr 2010 hatte die eigenes gebildete Ermittlungskommission knapp zehn solcher Einrichrtungen im Visier. Das nun dürfte der bisher dickste Fisch sein – schon allein wegen der in den Jahren 2008 bis 2012 aufgelaufenen enormen Schadenssumme. Ermittelt wurde (und wird noch) gegen 45 Personen. Georgios B. soll an der Spitze eines Geflechtes aus Firmen im In- und Ausland gestanden haben, entsprechend aufwändig waren die Ermittlungen.

Zwei weitere Hauptbeschuldigte sind auf der Flucht. Im Gespräch mit den Opfern sollen die Callcenter-Agenten nicht zimperlich vorgegangen sein. Laut Anklage wurde den Leuten teilweise vorgelogen, dass sie bereits Mitglied der Tippgemeinschaften seien und diese Mitgliedschaft nur kündigen könnten, wenn sie noch drei Monate mitmachten.

Carsharing in Griechenland

Was ist mit dem vielen Geld passiert? Rund ein Zehntel der Schadenssumme konnten die Ermittler als Vermögenswerte bei den beschuldigten sicherstellen – vor allem in Form von Immobilien. Über Georgios B. sagte Axel Stahl, Sprecher der Krefelder Staatsanwaltschaft gestern auf NRZ-Nachfrage: „Nach außen hin war das kein reicher Mann. In seiner sonnigen Heimat ging es ihm aber durchaus gut.“ Von den Gewinnen seiner hiesigen Aktivitäten plante B. dem Vernehmen nach den Aufbau eines Carsharing-Angebots in Griechenland.