Ein Streik wird langsam zur Routine

An Rhein und Ruhr..  Am Ende streikte auch noch die Oberleitung: Gegen 19 Uhr wurden bei Bauarbeiten im Mülheimer Hauptbahnhof die Stromkabel beschädigt – und der ohnehin magere Streikfahrplan warfür rund drei Stunden Makulatur. Die wenigen Fernzüge und Regionalexpresse rollten über eine nördlichere Route – das immerhin klappte: die Strecken waren ja weitgehend frei.

Am Morgen hatte der Streik fast gelassen begonnen. In den Hauptbahnhöfen Essen, Duisburg oder Dortmund fanden sich keine Menschentrauben, die auf den Anzeigetafeln verzweifelt nach Zügen suchen. Keine Bahn-Mitarbeiter, die in Stress geraten, weil sie gestrandeten Passagieren helfen müssen. Stattdessen Gelassenheit. Wer konnte, war aufs Auto umgestiegen, auf Privatbahnen oder auf einen früheren Zug aus dem Ersatzfahrplan der Deutschen Bahn. Auf den Autobahnen allerdings war es eng.

Pünktlich um zwei Uhr nachts hatten die Lokführer auch im Personenverkehr ihre Arbeit niedergelegt, um der Deutschen Bahn, erneut Druck zu machen. „Schon zehn Monate warten wir auf einen neuen Tarifvertrag. So langsam platzt den Kollegen der Kragen“, sagt auch Sven Schmitte, NRW-Bezirksvorsitzender der Gewerkschaft der Lokomotivführer.

Am Vormittag noch habe er mit allen 15 Streikleitern im Land telefoniert, 90 Prozent der Kollegen beteiligten sich wieder am Ausstand. Dessen Ziel sei erreicht. Allein in NRW seien zwei Drittel der S-Bahnen ausgefallen, zusätzlich 17 Regionalbahnen und -expresslinien „Wir haben der DB einen großen wirtschaftlichen Schaden zufügen können.“

Auf den Straßen waren die Auswirkungen des Streiks deutlich zu spüren. 15 Kilometer auf der A 31, ab Dreieck Bottrop Richtung Norden, zehn Kilometer auf der A 40 Richtung Duisburg, zwischen Bochum und Essen, elf Kilometer auf der A 52 Richtung Düsseldorf.

Verkehrsminister Michael Groschek hatte den Landesbetrieb Straßenbau angewiesen, auf Tagesbaustellen zu verzichten. In der Autobahnmeisterei Duisburg scheint Groscheks Hinweis nicht rechtzeitig angekommen zu sein. Die nämlich schickte eine Kehrmaschine auf die A 40, eine Rinne zu putzen. Hinter ihr stauten sich die Autos zwischen Essen und Mülheim prompt auf drei Kilometern. Erst nach eineinhalb Stunden hatten die Autobahnmeister ein Einsehen.