Ein Programm sagt Einbrüche vorher

Oberhausen..  Nicht nur das Wetter, auch Kriminalität kann inzwischen vorhergesagt werden. Die Algorithmen dafür kommen aus Oberhausen. Der Sozialwissenschaftler Thomas Schweer (54) gilt als Erfinder von „Precobs“ (Pre Crime Observation System), ein Computerprogramm, das Profi-Einbrechern auf den Fersen ist. Tatzeit, Tatort, Beute und Art der Tatbegehung, mehr braucht „Precobs“ nicht zu wissen, um Einbruchsserien zu erkennen.

Die Software wird aktuell von der Polizei in Zürich erprobt. Dort füttern Polizisten das System mit den jeweils neuesten Verbrechensdaten, und dann spuckt es jeden Morgen seine Prognosen aus. In ihnen spiegelt sich das Verhalten von Profi-Einbrechern wider: „Menschen hinterlassen Muster“, sagt Schweer. „Wenn Sie Opfer eines Einbruchs werden, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Ihnen das noch mal passiert, um das Fünffache“, sagt Schweer: „Der Täter lässt ihnen nur etwas Zeit, um wieder aufzurüsten – die gestohlene Uhr, den Ring, das Smartphone.“

Auf einem digitalen Stadtplan zeigt der Computer einen schwarzen Kreis, das bedeutet: Alarm. Und genauer: In diesem Gebiet mit einem Radius von 500 Metern wird in den nächsten zwei bis sieben Tagen ein Einbruch geschehen – mit einer Wahrscheinlichkeit von 85 Prozent. Um 14 Prozent sind die Einbrüche seither in Zürich zurückgegangen – in den Gebieten, die „Precobs“ beobachtet, sind es sogar 30 Prozent.

Und nachdem Bayern bereits erste Fahndungserfolge mit „Precobs“ meldet, will man auch in NRW entsprechende Programme in Duisburg und Köln testen. Jahrelang war Schweer mit der Polizei in Duisburg unterwegs, auch nachts auf Streife, hat den Polizisten für wissenschaftliche Studien über die Schultern schauen dürfen. Da kam ihm jene Idee. Schweers Firma heißt „Institut für musterbasierte Prognosetechnik“, sie hat inzwischen zehn Mitarbeiter und sitzt an einem Kreisverkehr in Oberhausen, im vierten Stock eines Bürobaus.