Ein Kugelhagel aus Kalaschnikows

Paris..  Augenzeugen sprachen später von einem Kommandounternehmen wie aus einem Hollywood-Film: Kurz nach elf Uhr stürmen am Mittwochvormittag zwei vermummte Männer in schwarzer Kleidung die Redaktionsräume der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ und schießen mit Kalaschnikows wild um sich. Zehn Menschen sterben in dem Kugelhagel, mindestens sechs werden schwer verletzt. Unter den Toten sind auch vier Karikaturisten und der Herausgeber der Zeitschrift, die immer wieder den Propheten Mohammed und den Islam aufs Korn genommen hat.

Die Attentäter sollen „Allah ist groß“ und „Wir haben den Propheten gerächt“ gerufen haben, heißt es. In dem Redaktionsgebäude bricht Panik aus. Die Angestellten verstecken sich unter den Tischen oder fliehen durch die Flure auf das Dach des Hauses.

Ein Amateurfilmer dokumentiert, wie zwei Vermummte nach der Schießerei auf die Straße laufen, es fallen wieder Schüsse. Ein Polizist ist sofort tot, ein anderer angeschossen. Der Film zeigt, wie einer der Täter auf den am Boden liegenden Beamten zuläuft und ihn in den Kopf schießt. Die Männer steigen in einen Kleinwagen und fahren davon. Später wird klar: Wenige Straßen weiter wechseln sie ihr Fluchtfahrzeug und steigen in einen silbernen Renault um. Erneut fallen Schüsse.

Die Polizei spricht später von drei Attentätern, die auf der Flucht seien. Ob der dritte Mann im Gebäude war oder im Fluchtwagen wartete, ist unklar. Die Polizei sperrt das Gelände im 11. Arrondissement weiträumig ab. 3000 Sicherheitskräfte machen Jagd auf die Mörder. Die Zeitung „Le Figaro“ berichtet, die Zeichnerin „Coco“ sei vor dem Redaktionsgebäude auf zwei der Bewaffneten getroffen, die sie brutal bedrohten. „Sie wollten ins Haus. Ich habe den Code eingegeben“, berichtet die Frau.

Die Schießerei habe fünf Minuten gedauert. Sie sah mit an, wie die Vermummten auf zwei ihrer Kollegen schossen und flüchtete in ihr Büro. Die Männer, so sagt sie, hätten sich auf El Kaida bezogen und in akzentfreiem Französisch gesprochen.

Keine 40 Minuten später trifft Staatspräsident Hollande am Tatort ein. Erschüttert verurteilt er „diesen barbarischen Akt, diesen Terroranschlag“. Danach ruft er die Franzosen auf, geschlossen zu bleiben angesichts der „schwierigen Situation, in der sich unser Land aufgrund der terroristischen Bedrohung befindet“. Es gab Warnungen. Fünf Anschläge sollen in den vergangenen Monaten in Frankreich vereitelt worden sein. Präsident Hollande stellte den Großraum Paris gestern unter Terroralarm.

Radikale Islamisten haben die Redaktionsräume bereits im November 2011 in Brand gesteckt, nachdem die Zeitschrift eine „Scharia“-Sonderausgabe unter dem „Chefredakteur Mohammed“ veröffentlicht hatte. Seither stand das Gebäude unter Polizeischutz.

Auch der Herausgeber und Redaktionsleiter von „Charlie Hebdo“ gehört zu den Opfern des Anschlags. Stéphane Charbonnier hat immer auf die Pressefreiheit gepocht und erklärt, sich „niemals“ einer radikalen Minderheit zeugen zu wollen.

„Lieber aufrecht sterben...“

„Wir veröffentlichen Karikaturen über jeden und alles. Aber wenn es um den Islam geht, werden wir stets am schärfsten angegriffen“, schimpfte Charbonnier und erklärte einmal: „Ich habe keine Kinder, keine Frau, kein Auto, keinen Kredit. Es ist vielleicht ein wenig schwülstig, was ich jetzt sage, aber ich ziehe es vor, aufrecht zu sterben als auf Knien zu leben.“ Er wurdeauch persönlich bedroht und hatte einen Leibwächter. Auch der soll unter den Toten sein.