Ein Bild von einem Pferd

Foto: Yann Arthus-Bertrand

Mettmann..  Draußen regnet’s, drinnen quengeln die Blagen? Da können wir Ihnen einen Rettungsring zuwerfen. Und falls Sie auch noch (Groß-)Eltern einer pferdenärrischen Tochter sind, haben wir die perfekte Lösung des Problems parat: Einen Besuch im Neanderthal, dort im Museum, diesmal nicht wegen der buckeligen Vettern, denen das Tal den Namen gab, sondern wegen einer Sonderausstellung, die noch bis zum 21. Juni zu sehen ist: Das Ross im Foto, edel, kraftvoll und schön, beeindruckender hat man es selten gesehen.

Yann Arthus-Bertrand (68) ist 15 Jahre durch die Welt gereist, um Pferde zu fotografieren. Er hat das Motiv stets vor einer braunen Plane traben, steigen oder grasen lassen, in den meisten Fällen abgebildet mit einem stolzen Reiter im Sattel, Mensch und Tier in trauter Allianz. Vor allem die Bilder aus Afrika und Asien sind mitunter von einer solch künstlerischen Wucht, so malerisch, dass man zweimal schauen muss, ob es sich nicht um das Werk eines flämischen Meisters handelt.

Dazu gibt es zu den Fotos allerlei Informationen rund um den Gaul generell: Dass etwa das beeindruckende Shire-Horse aus England gut über eine Tonne wiegt und noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts die Straßenbahnen durch London zog. Tatsächlich wirkt der ausgewachsene Mann, der auf dem Foto daneben steht, erschütternd klein neben dem vierhufigen Gebirge von kaltem Blute.

So entstand der Kaukasus

Noch eine schöne Geschichte, diesmal aus dem Osten, die zeigt, wie sehr das Pferd schon früher große Verehrung durch den Menschen erfuhr: Einst waren die Berge Wandergesellen, zogen frischauf durch die Welt zwischen Kaspischem und Schwarzem Meer. Bis sie eines Tages einer Herde Pferde gewahr wurden, die so herrlich zu beobachten war, dass die Berge vor Entzücken versteinerten... So entstand der Kaukasus. Wer weiß das schon?

Sogar religiöse Beachtung ist zu finden. Ein Gelehrter aus dem Orient machte sich wohl über die arabischen Vollblüter Gedanken und formulierte es so. „Allah nahm eine Hand voll Wind und schuf daraus ein Pferd, zu dem er u.a. sprach: Du sollst König über alle Tiere sein.“ Das ist natürlich Stoff, der eher für größere Kinder und die elterlichen Financiers der Reitbeteiligung taugt. Die Ausstellung bietet aber auch demjenigen etwas, der bei „Pferd“ zunächst mal uncharmant an „Rheinischen Sauerbraten“ denkt.

Der lernt und sieht nämlich im zweiten Teil der Ausstellung nicht nur, dass die ersten fossilen Spuren des Pferdes 47 Millionen Jahre alt sind, sondern dass der Homo heidelbergensis, der Opa vom Neanderthaler, schon vor 300 000 Jahren die Nähe zum Pferd suchte... mit dem Speer in der Hand. In Schöningen bei Helmstedt fand man vor 20 Jahren nicht nur die Ur-Speere, sondern auch die Skelette von 25 Wildpferden. Die Knochen verrieten den Forschern: Das erste Verhältnis des Menschen zum Pferd war ein rein kulinarisches.

So blieb’s dann auch Jahrtausende, erst etwa vor 6000 Jahren könnten im Kaukasus die ersten Cowboys aufgesattelt haben, um als Reitersmann die Rinder im Zaum zu halten. Bisher nur Theorie, aber es scheint an den Zähnen der Pferde Abnutzungsspuren zu geben, die auf eine Trense schließen lassen.

Trensenknebel aus Keilerhauer

Bewiesen hingegen ist durch DNA-Analysen, dass der Homo sapiens damals schon Pferde züchtete. Die Tiere wurden größer, die Farbe des Fells variantenreicher. Eindrucksvoll auch ein Trensenknebel aus dem Jahr 2000 v. Chr., grob gewerkelt aus dem Hauer eines Keilers.

Von da an kam die Beziehung vom Mensch und Pferd in Trab, um schnell in gestreckten Galopp zu wechseln. Durch das Pferd kam der Mensch schneller durch die Welt. Die Folgen sind bekannt. Dass die Beziehung noch lange kein Ende findet — das beweisen die Fotos.

Tipp: Wenn die Kinder noch nicht maulen, auf jeden Fall noch durch den Ur-Teil des Neanderthal-Museums streifen. Besuch bei der buckeligen Verwandtschaft.