Düsseldorfer entführt, beraubt und brutal gefoltert

Die acht in dem Prozess angeklagten Menschen sollen einen Mann mehrere Tage gefangen gehalten, gequält sowie beraubt haben.
Die acht in dem Prozess angeklagten Menschen sollen einen Mann mehrere Tage gefangen gehalten, gequält sowie beraubt haben.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Marco M. erlebte im 2014 einen blutigen Alptraum: Er wurde aus seiner eigenen Wohnung entführt, um seine Ersparnisse gebracht und abgezockt.

Düsseldorf.. Staatsanwalt David Bäuerle schildert einen Alptraum. Er tut dies ohne große Dramatik und rasch, so als scheue auch er die tiefer gehende Auseinandersetzung mit dem, was ein damals 43-Jähriger Düsseldorfer vor einem halben Jahr durchmachen musste: Sieben Männer entführten ihn, räumten seine Wohnung leer und quälten ihn bis aufs Blut. Mit Messerstichen, Faustschlägen, Elektroschocks, Hieben mit Schlagstöcken und Besenstiel.

Sechs Tage dauerte das Martyrium des Düsseldorfers, jetzt müssen sich acht Angeklagte vor dem Landgericht Düsseldorf deswegen verantworten. Ihnen drohen wegen erpresserischen Menschenraubs bis zu 15 Jahren Haft.

Anwälte der Angeklagten fühlen sich unzureichend informiert

Am ersten Prozesstag wurde die Verhandlung nach gut anderthalb Stunden vertagt: Die zahlreichen Anwälte der 20- bis 33-jährigen Angeklagten fühlen sich unzureichend informiert, glauben, einige Ermittlungsergebnisse zu spät oder unvollständig erhalten zu haben, haben Widersprüche in den Aktennummerierungen ausgemacht und beklagen, die Aufzeichnungen der Telefongespräche nicht vollständig erhalten zu haben.

Urteil Richterin Karin Michalek will heute entscheiden, wann und wie das ursprünglich auf sechs Verhandlungstage terminierte Verfahren weitergeht. Auch der Anwalt des Opfers räumt ein, dass einige Umstände der Tat wohl noch im Gerichtssaal geklärt werden müssen. Aber das Verfahren vertagen will er nicht: „Mein Mandant will das endlich hinter sich bringen.“

Soviel ist sicher: Für das Opfer Marco M. wird der Weg in den Zeugenstand nicht leicht: Schon, weil der Weg dorthin um die zahlreichen Anklagebänke mit einer guten Fußballmannschaft von Anwälten und vorbei an den acht Angeklagten führt.

Auf einem Campingplatz lernten sie sich kennen

Die hören sich an diesem Tag die Leidensgeschichte von Marco M. äußerlich ungerührt an. Das gilt auch für die einzige Frau unter den Angeklagten, Samira M.. Der 33-Jährigen kommt in dem Verfahren eine Schlüsselrolle zu: Auf einem Campingplatz im Siebengebirge lernte sie das spätere Opfer kennen – beide waren dort mit ihren Partnern. Auch zwei ihrer Brüder sind angeklagt.

Der Mann verliebte sich in die zehn Jahre jüngere, zierliche Frau. Ein Paar wurden die beiden wohl nie, immer wieder jedoch half er ihr finanziell aus der Patsche. Ein paar Wochen vor der brutalen Entführung sollen die beiden bei einer Wohnungsbesichtigung sogar körperlich aneinandergeraten sein.

Offenbar, so legt es die Anklageschrift von Staatsanwalt Bäuerle nahe, sann Samira auf Rache, verständigte ihre Brüder und die wiederum knüpften offenbar Kontakte zu dem heute 23-jährigen Kevin, der im Gerichtssaal beeindruckende Oberarme unter dem schwarzen T-Shirt sehen lässt und wohl so etwas wie der Anführer und der Profiteur des brutalen Geschehens sein sollte.

Brennende Zigarette auf der Stirn des Opfers ausgedrückt

Mit zwei weiteren Angeklagten, darunter dem jüngsten Bruder von Samira, kam er uneingeladen zur Einweihung der neuen Wohnung des Opfers, wo Samira und ein weiterer Bruder bereits warteten. Zu fünft, so schildert es die Anklage, schlugen und beschimpften sie Marco M. eine Stunde lang, Kevin W. soll eine brennende Zigarette auf der Stirn des Opfers ausgedrückt haben.

Urteil Kevin W. scheint es vor allem um Geld gegangen zu sein: Der Gefolterte rückte EC-Karte samt Geheimzahl raus, unterschrieb zudem einen „Kaufvertrag“ für seinen Ford Focus, den Kevin einem weiteren Angeklagten verkaufen wollte.

Zudem kamen die Angeklagten auf die Idee, die Wohnung des Opfers auszuräumen und alles zu Geld zu machen, was da war: vom Computer über Uhren, Fernseher bis hin zu Spülmaschine, Spüle und Dunstabzugshaube.

Das bewusstlose Opfer wurde mit seinem Hab und Gut in sein eigenes Auto verladen und nach Wuppertal verschleppt. In die Wohnung von Kevin W.. Dort war er eingesperrt, während die mutmaßlichen Täter seinen Besitz weitergaben, sich seinen Hund Tavuk nahmen und mit seiner EC-Karte tankten und Geld abhoben.

Elektroschocks bisdie Batterie leer war

Um an die Geheimzahl einer weiteren Bankkarte zu kommen, entfesselten die Täter eine unfassbare Gewaltorgie, so schildert es der Staatsanwalt. Sie prügelten mit Teleskopschlagstöcken und einem Besenstiel auf ihn ein, bearbeiteten ihn mit einem Elektroschocker, bis dessen Batterien leer waren, verletzten ihn mit einem Teppichmesser, ritzten ihm ein Hakenkreuz in die Schulter und versuchten, seine mit Spiritus übergossene, rechte Hand anzuzünden.

Die Untaten sollen sie mit einem Mobiltelefon gefilmt haben. Zweimal schleppten sie den bewegungsunfähigen, blutenden M. unter die Dusche, ehe sie die Folter fortsetzen. Erst nach sechstägigem Martyrium, so die Anklage, brachte Kevin W. ihn mit einem Mittäter zurück nach Düsseldorf zu Samira M.

Sollte er auspacken, sollen sie gedroht haben, würden sie ihn umbringen. Samira M. jedoch, so erklärte die Polizei etwa einen Monat nach der Tat anlässlich der Festnahme der Täter, verständigte die Polizei. Ob aus Mitleid oder um von ihrer Beteiligung abzulenken – auch diese Frage wird das Düsseldorfer Landgericht klären müssen.