„Dügida“ an Rosenmontag abgesagt

Düsseldorf..  Diese Nachricht durfte für kollektives Aufatmen in der närrischen Gemeinde in Düsseldorf gesorgt haben: Die für Rosenmontag angemeldete „Dügida“-Demo ist am Dienstagnachmittag gestrichen worden – von den Initiatoren selbst. Planerin Melanie Dittmer teilte mit, man lasse die wöchentliche Veranstaltung wegen des Karnevals ausfallen. Die Sorge sei gewesen, dass die Polizei „alle, die etwas getrunken haben, von vornherein abgewiesen“ hätte.

Die Polizei und die Rheinbahn hatten sich im Vorfeld um eine Absage der rechten Kundgebung bemüht. Überraschung dann gestern Mittag, als Dittmer nicht zum verabredeten Kooperationsgespräch erschien: „Sie fehlte entschuldigt, die Absage kam per Mail“, so ein Polizeisprecher. Gleichzeitig habe Dittmer in diesem Schreiben ihr Vorhaben noch einmal bekräftigt, an Rosenmontag demonstrieren zu wollen. „Nachdem wir ihr aber dann schriftlich die Absicht mitgeteilt hatten, die Demonstration unter den gegebenen Umständen zu verbieten, wurde die Anmeldung von der Verantwortlichen per Email zurückgezogen.“

Vor Wochenfrist hatte die US-Regierung für ihre Bürger noch eine Reisewarnung herausgegeben – auch für den Rosenmontag in Düsseldorf, wo wieder Hunderttausende den Höhepunkt des Straßenkarnevals feiern wollen. Grund: die explosive Mischung aus bissigem Rosenmontagszug der Narren, die sich von den islamistischen Anschlägen von Paris nicht einschüchtern lassen wollen, und eben „Dügida“. Das US-Außenministerium riet, größere Menschenmengen zu meiden.

Statt zu demonstrieren, wollen sich die Rechten „als Mohammed, als Terroristen und Salafisten verkleidet“ unter die Zuschauer des Rosenmontagszuges mischen. Die rechtsradikale Dittmer wiederholte gestern ihre Aufforderung in einer Videostellungnahme: „Vielleicht kann man sich ja als Salafist oder Mohammed verkleiden, das kann einem ja keiner verbieten.“

Das Comitee Düsseldorfer Carneval bemüht sich indes mit seinem Präsidenten Josef Hinkel um Normalität: Es gebe keine besondere Bedrohungslage für den Rosenmontagszug, betonte Hinkel. „Wir können keinem verbieten, sich den Rosenmontagszug anzuschauen“, sagte Karnevalssprecher Hans-Peter Suchand zu den neuen Plänen der Rechten. „Randalierer wird die Polizei entfernen.“

Die Düsseldorfer Wagenmotive bleiben bis Rosenmontag traditionell geheim. Wagenbauer Jacques Tilly hat schon Osama bin Laden, Salafisten und andere religiöse Eiferer, aber auch Rechtsradikale auf die Schippe genommen.

Doch auch er ist bemüht, die Dinge nicht eskalieren zu lassen: „Ein Mohammed fährt auf jeden Fall nicht mit, ich bin doch nicht lebensmüde.“ Der Sprecher des Comitee Düsseldorfer Carneval drückt es so aus: „Gott und der Prophet sind tabu, aber Bodenpersonal geht immer.“