Droht ein Ausverkauf an Kunstschätzen?

Düsseldorf..  In Nordrhein-Westfalen droht offenbar der Verkauf weiterer Kunstwerke aus Landesbesitz. Laut einer Inventarliste der Landesregierung umfasst die Kunstsammlung der landeseigenen WestLB-Nachfolgebank Portigon rund 400 Werke im geschätzten Gesamtwert von mehr als 100 Millionen Euro. Da die Bank auf Druck der EU-Kommission abgewickelt werden muss, könnten Teile ihres Kunstschatzes in Privatbesitz wechseln. Kulturministerin Ute Schäfer (SPD) schlug vorsorglich Alarm. „Ich erwarte beim runden Tisch am 5. Februar eine offene, ehrliche Debatte, wie künftig mit Kunst in Unternehmensbesitz des Landes umgegangen werden soll. Hier geht es vor allem um Transparenz“, sagte Schäfer dieser Zeitung.

Nach Angaben der „Rheinischen Post“ umfasst die Portigon-Sammlung unter anderem Kunstwerke von weltweit renommierten Künstlern wie August Macke, Emil Nolde, Sigmar Polke, Gerhard Richter und Henry Moore. Zahlreiche Kunstwerke wurden als langfristige Leihgaben an kommunale Museen vergeben. Das Finanzministerium hält die Inventarliste bislang noch geheim, um bei der Abwicklung einen Preiseinbruch der Kunstgegenstände zu verhindern.

Von Macke bis Moore

Im vergangenen November hatte das Land bereits zwei Warhol-Gemälde für insgesamt 120 Millionen Euro aus der landeseigenen Westspiel-Gruppe in New York versteigert. Damals hatte der „Tabubruch“ in Kunstkreisen für lautstarke Empörung gesorgt.

Ministerin Schäfer hatte schon vor Wochen deutlich gemacht, dass für den Erfolg des runden Tisches mit Vertretern der Unternehmen sowie aus Politik und Kultur in ihrem Ministerium die Kenntnis der Liste mit den Kunstwerken in Unternehmensbesitz des Landes erforderlich sei. Deshalb schade die Veröffentlichung der Kunstliste in den Medien dem runden Tisch auch nicht, sagte Schäfer.

Vorschlag der Grünen

Gleichzeitig brachte der Fraktionschef der Grünen im Landtag, Reiner Priggen, auch den Verkauf von Teilen der Kunstsammlung der ehemaligen Abtei Kornelimünster in Aachen ins Gespräch. Priggen erinnerte daran, dass in Kornelimünster nur 250 der 3000 Exponate ausgestellt werden könnten. Nach einem Verkauf einzelner Kunstwerke könnten mit den Einnahmen Werke junger Künstler angekauft werden, um deren Entwicklung zu fördern, sagte Priggen.

Die Haltung von Teilen der Kunstszene, alles zu behalten und zu sammeln, sei seiner Meinung nach nicht richtig. Das Kulturministerium hatte allerdings Ende Oktober Berichte über mögliche Verkäufe von Kunstwerken aus Kornelimünster dementiert. Ein Verkauf stehe nicht zur Diskussion, hieß es.