Dortmunder Terror-Verdächtiger: "Wurde als Kind verprügelt"

Zu den Tatvorwürfen wollte der Dortmunder noch keine Stellung nehmen.
Zu den Tatvorwürfen wollte der Dortmunder noch keine Stellung nehmen.
Foto: Uwe Anspach/Archiv
Kerim Marc B. soll als "Abu Zulfikar" für den Islamischen Staat gekämpft haben. Jetzt sagte er aus - und berichtete von seiner schweren Kindheit.

Düsseldorf.. Der mutmaßliche IS-Terrorist Kerim Marc B. hat vor Gericht sein Schweigen gebrochen und von seiner schweren Kindheit in Nordrhein-Westfalen berichtet. Er habe als Kind mehrfach kurz davor gestanden, sich umzubringen, sagte der Angeklagte am Montag am Düsseldorfer Oberlandesgericht in einer von seiner Verteidigerin verlesenen Erklärung aus.

Den Dortmunder reizte das Abenteuer

Sein Stiefvater habe ihn oft geschlagen und verprügelt, etwa wegen schlechter Schulnoten. Seine Mutter habe sein Gesicht auf Familienfotos herausgeschnitten. Bevor sie in Urlaub gefahren sei, habe sie ihn zu Verwandten gebracht. Er habe mit seinen Eltern nie über Gefühle sprechen können. Der Islam habe ihm in dieser Situation Halt gegeben. Der Gang zur Moschee sei eine Rebellion gegen sein Elternhaus gewesen.

Nach Syrien sei er "eher aus einem Abenteuer heraus gegangen". Er habe vor allem vor den Belastungen in Deutschland fliehen wollen. "Das Einzige, was ich habe, ist mein Glaube." Zu den Tatvorwürfen wollte der Angeklagte am Montag noch nicht Stellung nehmen.

Der Prozess gegen ihn wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung hatte am 2. März begonnen. Mit einer Kalaschnikow und Handgranaten soll der gebürtige Dortmunder unter dem Namen "Abu Zulfikar" in den Reihen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gekämpft haben. In seinem Bein soll noch immer ein Splitter stecken. Dem 23-Jährigen drohen bis zu zehn Jahre Haft. Mit einer Mordanklage war die Staatsanwaltschaft bei Gericht nicht durchgekommen. (dpa)