Dorstener Schule wusste nichts von Raupengift-Einsatz

Bürgermeister Lambert Lütkenhorst, Rektorin Burgi Beste und Stadtsprecherin Lisa Bauckhorn schilderten den Sachstand zum „Raupen-Unfall“ an der Dorstener Albert-Schweitzer-Schule.
Bürgermeister Lambert Lütkenhorst, Rektorin Burgi Beste und Stadtsprecherin Lisa Bauckhorn schilderten den Sachstand zum „Raupen-Unfall“ an der Dorstener Albert-Schweitzer-Schule.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Mangelnde Informationen sind der Grund für den Raupengift-Unfall an einer Schule in Dorsten. Die Schule wurde erst eine halbe Stunde vor dem Einsatz auf dem Anrufbeantworter informiert. Das Sekretariat war aber nicht besetzt. Nach dem Sprühflug mussten 15 Kinder ins Krankenhaus.

Dorsten.. Der Ablauf, wie sich der Sprühflug gegen Giftraupen auf dem Hof der Albert-Schweitzer-Schule am Freitag zu einem bundesweit beachteten Unfall ausweiten konnte, ist jetzt einigermaßen nachvollziehbar. Und auch die mögliche Verantwortung dafür lässt sich nun eingrenzen.

Der Vormittag hat sich wie folgt abgespielt, schilderten Bürgermeister Lambert Lütkenhorst (CDU) und Rektorin Burgi Beste am Dienstag. Der Flug war am Donnerstag geplant, muss um einen Tag verschoben werden, weil das Wetter nicht mitspielt. Informiert wird die Schule am Freitag um 9.16 Uhr mit einer Ansage auf dem Anrufbeantworter. Eine halbe Stunde, bevor der Helikopter den Pausenhof ansteuert.

„Das kann man nicht beschönigen“

An diesem Tag ist das Sekretariat nicht besetzt. Lütkenhorst: „Die Information an die Schule war nicht ausreichend. Das kann man auch nicht beschönigen.“ Ausgerechnet in der ersten großen Pause fliegt der Hubschrauber dann die Hervester Schule an. Der Pilot dreht zunächst ab, weil er die Schüler sehen kann, berichtet Lütkenhorst. Am Boden versuchen die Lehrerinnen inzwischen, die Kinder ins Gebäude zu lotsen. Als der Hubschrauber ein zweites Mal ansetzt und diesmal das Insektizid Dipel ES über dem Hof vernebelt, sind zwar etliche Schüler im Haus. Aber eben noch nicht alle.

Der Pilot habe danach angegeben, er hätte keine Kinder gesehen. Lütkenhorst: „Diese Aussage muss ich deutlich bezweifeln. Er hätte die Kinder sehen müssen. Ich muss unterstellen: Der Pilot hat nicht die nötige Sorgfalt walten lassen.“

Keine Hubschrauberflüge mehr gegen EPS-Raupen Am Montag Abend hat die Schulkonferenz in einer Sondersitzung die Ereignisse diskutiert. Neben aller Verärgerung und Sorge habe es dabei auch Lob für die Schule gegeben, berichtet Pflegschaftsvorsitzende Tanja Heggen-Winkels: „Die meisten Eltern sagen, die Schule hat das super gemeistert.“ Rektorin Burgi Beste: „Wir haben ausgemacht, dass es für die Kinder noch ein Projekt zur Wiedergutmachung gibt.“

Symptome der Kinder sind dem Raupengift zuzuordnen

Aus medizinischer Sicht ergibt sich folgendes Bild: Die Symptome aller Kinder, die im Krankenhaus behandelt werden mussten, sind dem Nesselgift der Raupenhaare zuzuordnen. Schüler, die nur Insektizidnebel abbekommen haben, litten unter tränenden Augen und Hautrötungen, aber nicht unter heftigen allergischen Reaktionen. Alle Kinder sind inzwischen wieder zu Hause.

Nachgewiesen sei mittlerweile, dass der Hubschrauber das Gift Dipel ES tatsächlich nur in einer 0,5-prozentigen Verdünnung (1 Teil Gift auf 200 Teile Wasser) versprüht hat. In dieser Auflösung ist das Mittel nur für Insekten giftig.