Doch keine Pinguine im Spaßbad

Soest..  Um ihr Schwimmbad „Aqua Fun“ in Soest attraktiver für Besucher zu machen, wollten die Soester Stadtwerke es erweitern - um einen Bereich mit Pinguinen (Die NRZ berichtete). Daraus wird nichts, hat jetzt der Aufsichtsrat der Stadtwerke beschlossen. Tierschützer jubeln: „Wir haben es geschafft!“

„Die breite öffentliche Diskussion zeigt, dass es im Kern eine nicht aufzulösende Kontroverse innerhalb der Bevölkerung gibt“, teilten die Stadtwerke gestern mit. Mit Mahnwache, Demo, Protestmails und Internet-Aufrufen zum Widerstand hatten sich Tierschützer dagegen gewehrt, dass das Spaßbad um eine „zoologische Pinguinanlage“ erweitert wird. Es habe zwar auch zustimmende Reaktionen gegeben, sagt Stadtwerke-Sprecher Harald Feine: „Aber für solch eine Investition braucht man eine breite Zustimmung in der Bevölkerung.“

15 bis 20 Humboldt-Pinguine hatte man in Soest anschaffen wollen. Der natürliche Lebensraum dieser Pinguinart ist an der Pazifikküste Südamerikas. Der Bestand dieser Pinguine ist vom Aussterben bedroht; in freier Wildbahn werden mittlerweile nur noch etwa 3000 bis 6000 geschätzt, gut 15 000 leben weltweit in Zoos, was auch der Arterhaltung dient.

„Das Schwimmen mit den Badegästen macht ihnen Spaß“

Vorbild für die Soester Pinguin-Idee war das Erlebnisbad „Spreewelten“ im brandenburgischen Lübbenau. Für zehn Millionen Euro wurde das Bad 2008 komplett umgebaut und erstmals in Europa auch um eine zoologische Anlage ergänzt, in der man nur getrennt durch eine große Glaswand mit Pinguinen schwimmen kann.

Das Wohlergehen der Pinguine habe an erster Stelle gestanden, berichtet Steven Schwerdtner, verantwortlich für das Marketing der „Spreewelten“. Die Pinguine leben in einem eigenen Bereich und hätten unter anderem ein Salzwasserbecken. Sie werden von zwei Tierpflegern und einem Dutzend weiterer Mitarbeiter betreut und beschäftigt, „damit ihnen nicht langweilig ist“. Das Schwimmen mit Badegästen „macht ihnen erkennbar Spaß“, meint Schwerdtner.

Dass sich die Pinguine wohl fühlten und sie gesund seien, zeige sich auch daran, dass sie bereits das dritte Jahr hintereinander Nachwuchs gezeugt hätten: „Wir konnten 100 Prozent der Brut durchbringen“, berichtet Schwerdtner. Solch eine Quote würden andere Zoos gewöhnlich nicht erreichen. Tierschützer wie die Vereinigung Animal Public argumentieren dagegen, Pinguine seien „sensible Tiere und empfindlich gegenüber äußeren Einflüssen und Veränderungen“. Die Haltung in einem Spaßbad sei „absolut artwidrig“.

380 000 Gäste zählt man im Spaßbad Aqua-Fun jedes Jahr. Mit der Pinguin-Anlage wollte man 100 000 Besucher mehr anlocken, vor allem Kinder. „Das Konzept bietet große Chancen“, glaubt Hans-Ulrich Koch, Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke, nach wie vor. Dass es nun andere Spaßbäder im Land umsetzen, ist jedoch fraglich: „Der Aufwand für die artgerechte Haltung ist sehr hoch, ein genereller Trend dürfte das sicher nicht werden“, glaubt Steven Schwerdtner von den „Spreewelten“. Bei Erlebnisbädern gehe der Trend derzeit eher zur Verbindung mit Freizeitparks.

1,6 Millionen Euro Minus

Wellnessbecken, Wasserrutsche, Strömungskanal und Palmeninsel seien mittlerweile Standard bei Spaßbädern - das Publikum jedoch verlange nach neuen Attraktionen. Die sucht man in Soest nun erneut, denn das „Aqua Fun“-Bad mache jährlich 1,6 Millionen Euro Minus: „Wir werden neue Ideen sammeln“, sagt Stadtwerkesprecher Feine. Sicher nichts mehr mit Tieren. Auf der Facebook-Seite des Spaßbads hat ein Besucher bereits einen Vorschlag gemacht: „Ihr braucht mehr Rutschen!“