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Digitales Lernen auf der Messe Didacta - schön, aber teuer

20.02.2013 | 19:33 Uhr
Digitales Lernen auf der Messe Didacta - schön, aber teuer
An einem Tisch mit Touchpad wird auf der Didacta kräftig ausprobiert.Foto: dpa

Köln.   Die europaweit größte Bildungsmesse Didacta zeigt in Köln, wie schön das Lernen sein könnte – wenn Geld da wäre. Ein Schwerpunkt ist in diesem Jahr das digitale Lernen, zum Beispiel mit elektronischen Tafeln, Tablet-PCs und digitalen Schulbüchern.

Was für ein Zukunftsszenario! Interaktive Schultafeln hängen in jedem deutschen Klassenzimmer, die Schüler kommen mit dem Tablet-PC zur Schule, lesen und arbeiten in ihren digitalen Schulbüchern, in den Tornistern nur noch ein paar Stifte und das Pausenbrot. Das klingt gut, doch noch ist die Realität eine andere.

Schulleiter stöhnen über gekürzte Budgets, die sich mit elektronischen Tafeln („Whiteboards“) oder kompletten IT-Lösungen für eine Tablet-Klasse für schlappe 20 000 Euro so gar nicht vertragen. Eine Minderheit der Schulen in Deutschland mag technisch eine Vorreiterrolle spielen, doch der größte Teil kommt in der schönen neuen Bildungswelt noch längst nicht mit. Insofern ist die Didacta in Köln, Europas größte Bildungsmesse, eine Vision, wie es aussehen könnte – wenn, ja wenn man viel Geld hätte.

Smartphones sind verfügbar

In den Messehallen dominieren die Whiteboards, auf denen Experten gekonnt mit dem Zeigefinger herumwischen und -kreisen. Der Messeschwerpunkt „Digitales Lernen“ fällt nicht zufällig in das Jahr 2013. „Die Verfügbarkeit von Endgeräten wie Tablet-PCs oder Smartphones ist sprunghaft angestiegen, ebenso die Verfügbarkeit von digitalen Materialien“, sagt Birgit Giering von der Medienberatung NRW. „Ganz viele Schulen machen sich gerade auf den Weg, digital zu werden.“

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Am Dienstag startet die Bildungsmesse „didacta“ in Köln. Immer mehr Verlage bieten Schulbücher (auch) für den Computer an. Es gibt Vor- und Nachteile dieser elektronischen Bücher.

Birgit Giering und ihre Kollegen beraten die Schulträger auf diesem Weg. „Wichtig ist vor allem, dass alles in ein Medienkonzept eingebunden ist“, sagt sie. „Es reicht nicht aus, Whiteboards nur aufzuhängen. Man muss ein pädagogisches Problem haben, das man mit der neuen Technik lösen will.“ Beispiel: Hörbeiträge („Podcasts“) oder Videos können Schülern helfen, eine Sprache besser zu verstehen. Oder: Wenn ein Lehrer den Internetdienst Google Earth in Erdkunde nutzt, kann er Zusammenhänge anschaulicher aufzeigen. „Die Schulen nutzen Whiteboards zurzeit noch zu 95 Prozent als reine Projektionsfläche. Doch die elektronischen Tafeln können viel mehr. Das muss besser genutzt werden“, findet Birgit Giering.

Welche neuen Möglichkeiten ein digitaler Klassenraum bietet, stellen Firmen wir Samsung oder Smart Technologies auf der Didacta vor. Samsung testet in einem Gymnasium in Rüsselsheim ein Tablet-Projekt. 30 Schüler haben einen Tablet-PC, der Lehrer kann kontrollieren, was jeder Schüler auf dem Bildschirm macht, und Ergebnisse auf der elektronischen Schultafel zeigen. Als Software „stehen außerdem 6000 Bücher und Videos zur Verfügung“, so Torsten Springer von Samsung.

Die neue Technik ersetzt vieles

So viel Technik muss erst mal bezahlt werden, das weiß auch Martin Breier von Smart Technologies. Er hat in den ganzen Jahren, in denen seine Firma Whiteboards (Kosten: „zwischen 2000 und 5000 Euro pro Stück“) in immer mehr Schulen installiert, beobachtet, „dass Fördervereine, Eltern und Unternehmen bei der Finanzierung helfen“. Immerhin ersetzt die neue Technik vieles: den Tageslichtprojektor, die Tafel, den DVD-Spieler, den Fernseher...

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27 deutsche Verlage wollen nach den Sommerferien eine gemeinsame Plattform für digitale Schulbücher starten. Das Ziel: Bücher publizieren, die unabhängig vom verwendeten Gerät funktionieren. Doch die digitale Variante eines Schulbuchs funktioniert nur, wenn sie den Schülern Mehrwert bietet.

Auch gedruckte Schulbücher stehen auf der Streichliste. Die drei großen deutschen Schulbuchverlage Cornelsen, Klett und Westermann haben längst umgestellt. „Wir gehen mit voller Kraft in digitale Medien, begleitend zu unseren gedruckten Programmen“, sagt Irina Groh von Cornelsen. „Uns geht es darum, das Lernen zu vereinfachen.“ Dr. Tobias Unger vom Klett-Verlag findet: „Ein digitales Schulbuch ist für die Schüler immer und überall zugänglich, ohne dass sie es herumtragen müssen – mobil, zu Hause, in der Schule.“ In den Digitalversionen kann man Wichtiges unterstreichen und Notizen ergänzen, man kann sich Dialoge anhören und Videos ansehen. Da jedes Buch individuell für den einzelnen Schüler online gespeichert ist, gehen die Daten nicht verloren.

Der Arbeitsalltag der Lehrer verändert sich ebenfalls nachhaltig. Die Verlage bieten den „digitalen Unterrichtsmanager“ (Cornelsen) bzw. „-assistenten“ (Klett) an, mit dem Lehrer Hilfe bei der Unterrichtsvorbereitung bekommen. Die Software stellt zum Beispiel Vokabeltests zusammen oder gibt Tipps für den Unterrichtsablauf.

Die Experten sind sich einig, dass Print und Digital noch stärker miteinander verschmelzen werden. Und während sie in Dutzenden Diskussionsrunden über die Zukunft der Bildung sprechen, stellen ein paar Kinder aus Hennef die Lernplattform „Fronter“ vor. Die Schüler der Gemeinschaftsgrundschule Siegtal haben sich online eine virtuelle Schule gebaut, mit Klassenräumen und Ablagefächern, in denen die Lehrerin ihnen Arbeitsmaterialien zur Verfügung stellt. Angela (10) findet das Programm gut, und Nick (10) sagt: „Ich guck immer, ob es etwas Neues gibt“. Gibt es, Nick, und es ist kinderleicht.

Katrin Martens



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