Die ordnende Kraft der Klassik

Essen..  Vivaldi und Verwandte werden sie kaum mögen, die Jugendlichen, die sich Nacht für Nacht vor dem Handelshof gegenüber dem Essener Hauptbahnhof treffen, sich für ihren Zug durch die City warmlaufen und Gäste des Mövenpick-Hotels um den Schlaf bringen. Deshalb will dessen Direktor Thomas Kampe jetzt ganz neue alte Töne anschlagen: Mit klassischer Musik aus Lautsprechern an der Fassade des denkmalgeschützten Baus soll ein darunterliegender Platz beschallt werden, um für mehr Ruhe zu sorgen. Das Kalkül: Die Szene wird von den Klängen vertrieben, und gleichzeitig sorge die musikalische Untermalung für mehr Aufenthaltsqualität. Für das Vorhaben fehlten nur noch die Unterschrift des Handelshof-Eigentümers und rund 3000 Euro für die Beschallungsanlage, so Campe, der beteuert: Die Trinkerszene auf dem nahegelegenen Willy-Brandt-Platz solle so nicht vertrieben werden.

Nach Einschätzung des Essener Ordnungsamtes spreche nichts dagegen, den Heinrich-Reisner-Platz in der Innenstadt zu beschallen, wenn sich – vereinfacht gesagt – die Allgemeinheit nicht daran störe, die Musik sich nicht gezielt gegen jemanden richte und nach 22 Uhr Schluss mit Schubert und Co. sei.

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