Die Misere mit den Lehrstellen

Düsseldorf..  DGB-Landeschef Andreas Meyer-Lauber kann die Klagen über angeblich unfähige Jugendliche nicht mehr hören. Die Wirtschaftsvertreter in NRW rechtfertigten die rückläufigen Zahlen bei den Ausbildungsverträgen seit Jahren lapidar damit, dass viele Schulabgänger „zu blöd“ für eine Lehre seien. Das werde seine Gewerkschaft nicht mehr hinnehmen, wetterte Meyer-Lauber.

Der DGB fordert eine gesetzliche Ausbildungsabgabe. Alle Unternehmen müssten dann einen bestimmten Betrag in einen gemeinsamen Fonds einzahlen. Betriebe, die Lehrlinge einstellen, bekämen einen Teil ihrer Ausbildungskosten erstattet. Der DGB hat ein Gutachten beim Münsteraner Juristen Bodo Pieroth in Auftrag gegeben, das die rechtliche Umsetzbarkeit und den Arbeitsmarktnutzen der Abgabe nachweisen soll.

Ausbildungskonsensohne Ergebnisse

Auch innerhalb der rot-grünen Landesregierung schwindet die Geduld. Regelmäßig sitzt man mit Wirtschaft, Gewerkschaften und der Arbeitsagentur im sogenannten Ausbildungskonsens zusammen, doch die Ergebnisse sind mager. Die Zahl der Ausbildungsverträge lag 2014 mit 116 000 auf dem Tiefstniveau von 2006. Rund 6600 Jugendliche gingen leer aus, obwohl laut Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) diesmal 74 Prozent der NRW-Bewerber über mindestens einen Realschulabschluss verfügten.

Der DGB erhöht den Druck. Das Geld, das in NRW für Warteschleifen und andere Unterstützungshilfen für unversorgte Jugendliche ausgegeben werde, summiere sich bereits heute auf 850 Millionen Euro. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) will zwar 2015 ein deutliches Plus bei den Ausbildungsverträgen sehen, lässt aber offen, ob sie wirklich Zwangsmaßnahmen gegen Unternehmen verhängen würde. Sie weiß: Die rechtlichen Hürden sind hoch, die atmosphärischen Folgen in der Wirtschaft wären wohl fatal.

Im Bauhauptgewerbe und in der Altenpflege gibt es bereits eine Ausbildungsabgabe. Die Baubranche etwa zahlt 1,9 Prozent der Bruttolohnsumme in einen Fonds und erstattet Ausbildungsbetrieben einen Teil ihrer Kosten. Dadurch sei in den vergangenen Jahren keine einzige zusätzliche Lehrstelle geschaffen worden, kritisiert Handwerkspräsident Ehlert. Vielmehr fürchtet die Handwerkskammer, dass sich auch Gutwillige aus der gesellschaftlichen Verantwortung der Ausbildung verabschieden könnten. „Eine solche Abgabe verdirbt die Stimmung, bringt aber keinen unversorgten Jugendlichen in eine Lehrstelle“, glaubt Hauptgeschäftsführer Josef Zipfel.

Dabei plagen viele der 188 000 Handwerksunternehmen in NRW Nachwuchssorgen. Immer mehr Jugendliche mit höheren Schulabschlüssen entscheiden sich für ein Studium. Da allein in 25 000 Betrieben in den nächsten zehn Jahren ein Generationswechsel ansteht, gibt es ein hohes Eigeninteresse an Lehrlingen. Zu oft bewerben sich aber Schulabgänger, denen eine Ausbildung kaum zuzutrauen ist.