Die große Papierschlacht um das Kraftwerk Datteln IV

Geht der fast fertige Meiler Datteln IV jemals ans Netz?
Geht der fast fertige Meiler Datteln IV jemals ans Netz?
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
94 Aktenordner voller Dokumente zur Genehmigung hatte Energieversorger Eon vorgelegt, jetzt legt der BUND eine ähnlich massive Papierwalze mit Einwendungen vor: 1630 Seiten.

Datteln.. „Ich habe noch kein Genehmigungsverfahren erlebt, bei dem die Unterlagen auf einer Palette angeliefert wurden“, staunt Dirk Jansen. 94 (!) Aktenordner umfasst der neuerliche Antrag von Kraftwerksbetreiber Eon für Datteln IV. Es ist der zweite Anlauf für eine Genehmigung des umstrittenen Steinkohlemeilers. Dirk Jansen und seine Mitstreiter von der Umweltschutzorganisation BUND haben die Akten zusammen mit Anwohnern gewälzt und nun ihrerseits eine 1630 (!) Seiten starke Einwendung zu der Kraftwerksplanung geschrieben.

Der Kraftwerksbau war im Jahr 2007 wegen schwerer Planungsmängel höchstrichterlich gestoppt worden. Die Papierschlacht jetzt macht aus Sicht von Umweltschützern den Wahnwitz des neuen Genehmigungsverfahrens deutlich. Schließlich, so Dirk Jansen gegenüber der NRZ, habe sich am Kraftwerk ja nichts geändert, wie auch? Die Anlagen sind praktisch fertig, Eon hat gut eine Milliarde Euro verbaut.

„Weiter nicht genehmigungsfähig“

Und so bleibt die Kritik an dem Projekt bestehen. Drei zentrale Punkte: Datteln IV gefährde mit Schadstoffeinträgen die wichtigen Schutzgebiete Cappenberger Wälder und Lippeaue, die Lippe selbst bekomme viel zu viel Quecksilber ab, das Kraftwerk stehe mit seinem 180-Meter-Kühlturm und dem riesigen Kesselhaus mit 350 Metern immer noch viel zu nah an der nächsten Wohnbebauung. „Das Kraftwerk ist immer noch nicht genehmigungsfähig“, ist BUND-Mann Jansen überzeugt. Für den 21. September hat die Bezirksregierung Münster einen Erörterungstermin angesetzt. Theoretisch könnte es im Frühjahr 2016 eine Entscheidung zum Kraftwerk geben.