Das aktuelle Wetter NRW 13°C
Region

Die große Kraft des Sports

27.02.2016 | 05:34 Uhr

An Rhein und Ruhr. Sport fördert die Gesundheit und Motorik, stärkt das Selbstbewusstsein und erleichtert die Integration. Das wissen alle. Und trotzdem bewegen sich immer weniger Kinder in der Freizeit, weil der Ganztagsunterricht in NRW wenig Platz für Aktivitäten im Sportverein lässt. Oder weil sie lieber vorm Computer sitzen. Professor Ulf Gebken vom Institut für Sport- und Bewegungswissenschaften der Universität Duisburg-Essen will sich damit nicht abfinden und hat den ersten „Essener Kinder- und Jugendsport-Kongress ins Leben“ gerufen. Gestern startete er in Essen, unterstützt von der NRW-Schulministerin, vom Deutschen Fußballbund und von Ex-Nationaltorwart Jens Lehmann, der die Schirmherrschaft übernahm.

„Es ist ganz wichtig, etwas zu verändern“, sagte Gebken der NRZ. „Das können wir aber nur erreichen, indem wir mit allen Verantwortlichen aus Kita, Schule und Sportvereinen darüber sprechen und gemeinsam Konzepte entwickeln.“ Aufgrund der wachsenden sozialen Spaltung müsse dringend etwas getan werden, da besonders die sozial schwachen Kinder oftmals aus dem Vereinssport ausgeschlossen werden.

Ein zusätzlicher Pluspunkt für den Sport: Er kann Flüchtlingen beim Einleben in Deutschland helfen. „Wir können mit Sport die Sprache über das Spielen fördern und so bei der Integration helfen“, so Gebken. Gemeinsam mit Jens Lehmann hat er sich schon bei dem Projekt „Kicking Girls“ engagiert. Mädchen aus sozial schwierigem Umfeld wird die Teilnahme an Sportangeboten ermöglicht und ihnen so vermittelt, dass sie etwas Besonderes sind. Damit das auch gelingt, setzt er sich für die Förderung von Jugendtrainern ein.

Wie groß das Problem ist, erläutert Werner Schmidt, Professor für Sportwissenschaft und Sportpädagogik an der Uni Duisburg-Essen: „Der Schulsport findet heutzutage kaum noch statt. Nur zwei Stunden pro Woche, von denen gut jede vierte Stunde ausfällt.“ Schon bei Kindern im Alter von fünf Jahren seien gerade einmal vier Prozent körperlich aktiv. Und das nehme laut Schmidt eher zu. „Nur sechs Prozent der Jungen in Klasse elf bewegen sich 30 Minuten pro Woche bei mittlerer Herzfrequenz“, schildert der Professor und fordert eine frühe Bewegungsförderung. Dadurch könnten der Zusammenhalt in einer Gruppe sowie Gesundheit und das Selbstbewusstsein gefördert werden.

400 Teilnehmer aus Kitas, Schulen, Vereinen und der Jugendhilfe

Schulen und Sportvereine sollten laut Ulf Gebken zusammenarbeiten. „Ich stelle mir vor, dass ein Sportverein sich im Schulsport vorstellt und im besten Fall das Training nach dem Unterricht in den gleichen Hallen stattfindet.“

Damit die 400 Teilnehmer aus Kitas, Schulen, Vereinen und der Jugendhilfe nicht nur theoretische Tipps an die Hand bekommen, konnten sie in 50 Workshops in den umliegenden Sporthallen auch praktisch erfahren, wie sie den Schulsport, aber auch den Unterricht umgestalten könnten. Eine Möglichkeit stellten Sebastian Fritz und Marcel Mauz mit ihrem Projekt „Straßenfußball – Kick for more“ vor. „Das Besondere ist, dass Viererteams gegeneinander spielen, aber immer gemischt mit Mädchen und Jungen. Zudem gibt es keinen Schiedsrichter, die Teilnehmer treffen sich vorher und vereinbaren die Regeln“, erklärt Sebastian Fritz und ergänzt: „Ein großer Punkt ist das faire Miteinander. Wenn zum Beispiel jemand hinfällt, dann hilft man ihm auf.“

Des Weiteren haben die vereinbarten Regeln eine Bedeutung, werden nach dem Spiel diskutiert und zusammen bewertet – erst dann steht der Sieger fest. So lernen die Kinder und Jugendlichen respektvoll miteinander umzugehen und vor allem miteinander zu sprechen.

Susanne Kollmann

Kommentare
Funktionen
Fotos und Videos
Mit Kirmesauto bei „Bares für Rares“
Bildgalerie
Sammlerstück
Kanupolo in Wetter
Bildgalerie
Sportart
article
11604059
Die große Kraft des Sports
Die große Kraft des Sports
$description$
http://www.derwesten.de/region/die-grosse-kraft-des-sports-aimp-id11604059.html
2016-02-27 05:34
Region