Die fröhlichste Schicht der Welt

An Rhein und Ruhr..  Hauptsache trocken! Da störten auch die kühleren Temperaturen am Abend nicht – und so konnten sich Künstler und Planer über einen prächtigen Zuschauerzuspruch freuen. 225 000 Besucher bei der „Extraschicht“! Zu der eher verregneten Extraschicht 2014 waren nur 150 000 gekommen. Das trockene und nicht zu warme Wetter habe für den guten Besuch an den 45 Spielorten gesorgt, sagte Axel Biermann vom Veranstalter Ruhr Tourismus in Oberhausen.

Publikumsmagneten waren wieder die Zeche Zollverein in Essen, der Innenhafen in Duisburg, der Gasometer in Oberhausen, der Gelsenkirchener Nordsternpark und die Müga in Mülheim. Neu im Programm waren der Bergpark Lohberg in Dinslaken mit dem „Chinesischen Nationalcircus“ und das Fördermaschinengebäude Schacht IV in Moers. Zwischen den Spielorten pendelten Busse – an den Haltestellen kam es zu längeren Wartezeiten.

Da hatten es die Besucher gut, die eine Extraschicht-Tour mit unserem VIP-Bus gewonnen hatten. 30 Leserinnen und Leser aus dem gesamten Verbreitungsgebiet der NRZ wurden direkt von einem Spielort zum nächsten gebracht und erlebten im Duisburger Innenhafen, rund ums Oberhausener Schloss und im Mülheimer Müga-Park die kulturelle Vielfalt der Region.

Erste Station der NRZ-Extraschichttour: das Diebels im Duisburger Innenhafen. Hier gibt es eine Runde Getränke für alle. Die Leser stoßen mit Christian Peters, Mitglied der Chefredaktion, auf den gemeinsamen Abend an. Die Kellnerin serviert Currywurst, die Vegetarier bestellen Pommes Frites. „Wir sind bis etwa 1 Uhr unterwegs, dafür muss man sich auch stärken“, sagt Ulrich Heidbreder aus Oberhausen. Er nimmt mit seiner Ehefrau Monika an der Tour teil. Sie unterhalten sich mit Christian Peters in lockerer Atmosphäre über Politik und den Medienwandel. „Die Zeitung wird Bestand haben“, meint Ulrich Heitbreder. Für ihn gehört sie „jeden Morgen zum Frühstück dazu“.

Das sehen Kathrin Sobieroj (46) und ihre Tochter Hannah (13) aus Wesel ähnlich. „Unsere Familie liest die NRZ vor allem wegen der Kinderseite.“ 2014 besuchte die NRZ-Gruppe noch den Landschaftspark, diesmal ist es der Innenhafen, wo ab 18 Uhr die ersten Bands auftreten. Genau das Richtige für Familie Sobieroj, die sehr musikalisch ist: Kathrin spielt Akustikgitarre, Hannah Schlagzeug und Akkordeon. „Mein Mann spielt zwar kein Instrument, singt aber unter der Dusche“, lacht Kathrin.

Unplugged auf der Wiese

Das „Trio Bravo“ aus Mülheim hat sich am Innenhafen zwischen drei Bäumen ein Plätzchen auf der grünen Wiese gesucht. Die Jazzband lockt Zuhörer an: Kai Struwe spielt Kontrabass, Thomas Busch Saxophon und Stefan Lammert Minimalschlagzeug – alles unplugged. „Schön“, sagt Kathrin, „dass man hier einfach Musik ohne Verstärker machen kann.“

Auf den Bühnen geht es lauter zu. „Last Minute“ aus Duisburg covern am Hafenforum Rock- und Popsongs, etwa „Simply the Best“ von Tina Turner. Hannah schaut ganz genau hin, sie will unbedingt „den Schlagzeuger spielen sehen“.

Interesse weckt bei ihr auch die „Treibgut“-Kunstausstellung im Garten der Erinnerungen, die verschiedene Objekte zeigt, die am Innenhafen liegen geblieben sind oder angeschwemmt wurden. Etwa ein Bobbycar, das Künstler bunt angemalt und kreativ verschönert haben. Kathrin Sobieroj holt ihr Smartphone aus der Tasche, um ein Foto davon zu machen.

Der Duisburger Innenhafen hat an diesem Abend noch viel mehr zu bieten. Das Explorado Kindermuseum etwa lädt ein zu einer Entdeckungsreise auf 3000 Quadratmetern. Im Stadtmuseum präsentiert das Installationstheater „Teatro So“ seine visuelle Poesieshow. Bei der Ausstellung auf dem Frachtschiff „MS Wissenschaft“ dreht sich derweil alles um die nachhaltige Stadt: Mobilität, Vernetzung, Energie, Klima, Natur, neue Wohnformen sowie soziale und wirtschaftliche Entwicklungen.

Doch es bleibt kaum Zeit, sich alles anzuschauen. Schnell noch ein Gruppenfoto, dann geht es im VIP-Bus weiter zur nächsten Station: nach Oberhausen zur Ludwiggalerie im Kaisergarten. Dann zur Müga zum Feuerwerk-Finale gegen Mitternacht. Es gibt so vieles zu erleben in dieser Nacht der Industriekultur. Vieles von dem, was man sieht, macht Lust auf Mehr. Abenddämmerung und Nachtstimmung verbreiten ein ganz besonderes Flair. Viele wollen nochmal wiederkommen. Auch mal tagsüber, aber spätestens bei der Extraschicht im nächsten Jahr. Von nun an soll sie immer am letzten Wochenende im Juni stattfinden.