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Der Alltag und der Spaß sind entscheidend

23.01.2015 | 19:44 Uhr
Der Alltag und der Spaß sind entscheidend
10000 Schritte sollen es schon sein, allein in Sachen Alltagsbewegung, fordert Prof. Dr. Christine Graf.Foto: Rainer Raffalski

Sie haben es gut – Sie sitzen da und lesen, womöglich auf der Couch. Das ist gut für den Kopf – wer aber im Kopf beweglich bleiben möchte, muss auch zusehen, dass der Körper mitmacht.

Wie Bewegung, geistige und körperliche Gesundheit zusammenhängen, erläutert Ihnen heute Prof. Christine Graf zum Auftakt unserer NRZ-Serie „Fit in den Frühling“. Weil drüber reden aber dummerweise nicht reicht, stürzen sich die Reporterinnen und Reporter der NRZ in den kommenden Wochen für Sie ins Abenteuer „Fitness“ und probieren alte und neue Sportarten aus – und berichten, wie es war. Um Ihnen Lust auf Bewegung zu machen. Und natürlich Lust aufs Lesen. Aber das wissen Sie ja.


Und, Frau Graf, haben Sie heute schon Sport gemacht?

Prof. Dr. Christine Graf: Ja, ich war heute schon laufen. Ich nenne das immer Hoppeln. Ich hatte eine Fünf plus in Sport, bin richtig unsportlich, deswegen laufe ich gerne im Dunkeln, damit es keiner sieht. Ungefähr fünf Kilometer... Ich mache das, weil ich den Kopf frei bekomme und einen körperlichen und geistigen Nutzen spüre.

Reicht das? Gerade jetzt gibt es doch alle diese Angebote der Fitnessstudios...

Jetzt, nach Weihnachten, sieht man die Wahrheit auf der Waage...Wichtig ist, dass man sich bewegt. Und nicht jeder hat einen Wald vor der Tür und mag laufen. Sie müssen bei den flexiblen Arbeitszeiten heute zu jeder Tages- und Nachtzeit Sport machen können, dafür sind die Studios gut. Und wer dafür Geld ausgibt, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass er sagt: Ich zahle dafür, also gehe ich auch hin.

Nicht nur ein brett vorm kopf
Neue Fitness-Aktion sorgt für Aufsehen im Internet
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Die schönsten Sportarten sind ja die, bei denen man nichts tut. Und das stundenlang. Insofern kann es nicht verwundern, dass Daniel Malik mit seinem Fitness-Konzept für Februar Erfolg hat. Er animiert zum Nichtstun. Am ersten Februar für 20 Sekunden und dann jeden Tag des Monats mehr, so dass man am Ende des Monats, jawoll, auf knapp fünf Minuten Nichtstun kommt.

Nun ist Malik zwar einerseits Wiener und damit zuhause in einer Stadt, die für Sachertorten und Waffeln und intellektuell gefärbtes Nichtstun im Kaffeehaus berühmt ist, ja, der man sogar eine besondere Liebe zum absoluten Nichtstun nachsagt.

Doch dummerweise ist Malik Sportwissenschaftler und Sportlehrer, und insofern hat sein Konzept des Nichtstuns einen ziemlich bösen Haken. Man legt sich nämlich bäuchlings hin, soweit so gut. Dann aber stützt man sich auf Zehen und Unterarmen auf und macht den Körper dazwischen steif wie ein Brett.

„Planking“ heißt das. Klingt wie ein Wiener Vorort, ist aber englisch und heißt so viel wie Brett. Und das nicht nur, weil der Körper in dieser Position an ein solches erinnert. Sondern auch, weil diese Übung bretthart ist für die Körpermuskulatur. Immerhin wollen eine halbe Million Menschen bei der Plank-Challenge mitmachen. Sie werden Malik auf Kniebeugen danken, dass der Februar ein kurzer Monat ist. Bretten, dass?

Warum sollten wir überhaupt Sport machen?

Machen Sie sich bewusst, wie viel Gutes damit verbunden ist. Nicht nur fürs körperliche, sondern auch fürs geistige Gesundbleiben. Sport hilft sogar gegen Depressionen und Alzheimer. Unser Körper reagiert durch Botenstoffe auf Reize, z.B: Bewegung. Er funktioniert praktisch wie das Rheinland: Die Organe und Muskeln „reden“ miteinander und stellen sich aufeinander ein. Deswegen wirkt Sport auf den gesamten Organismus.

Die Römer hatten also recht, mit ihrem Spruch von dem gesunden Geist im fitten Körper?

Ja, sicher. Noch etwas früher hatten wir einen Überlebensvorteil, wenn wir fit waren: Wir konnten Tiere jagen und Feinde erledigen. Doch heute gibt es überall mehr als genug zu essen und bewegen muss man sich nicht mehr. Deswegen werden die Menschen dicker und immer unfitter. Nur etwa ein Viertel bewegt sich so viel wie empfohlen wird: 150 Minuten Bewegung pro Woche.

Das klingt nicht so wild. Halbe Stunde, fünfmal die Woche. Was zählt denn als Bewegung?

Wir unterscheiden zwischen Alltagsaktivität und Freizeitsport. Das Gute ist: Schon Alltagsaktivitäten sind super-gesund! Das Ziel sollte 10 000 Schritte am Tag sein. Und für 1000 Schritte braucht man etwa zehn Minuten... Da sollte der Sport – ein paar Mal pro Woche – noch obendrauf kommen. Was die Kalorien angeht: 500 Schritte sind erst ein einziges Stück Würfelzucker...

Nur ein bisschen Laufen reicht also nicht?

Es hat schon Vorteile, richtig ins Schwitzen zu kommen. Da werden Glückshormone ausgeschüttet und der Stoffwechsel profitiert.

Zumba Fitness Party: Wenn Bewegung Spaß macht, ist das schon die halbe Miete. Foto: Jürgen Theobald

Welchen Sport sollte man machen? Die Empfehlungen ändern sich doch ständig...

Vergessen Sie das! Die grundlegenden Empfehlungen bleiben trotz 85 000 Studien immer gleich. Wer ungeübt ist und sich dann einmal im Fitnessstudio so richtig auspowert, hat am nächsten Tag so viel Muskelkater, der macht vermutlich nicht weiter. Deswegen ist es wichtig, etwas zu finden, das in Alltag und Lebensmodell passt und langfristig Spaß macht. Dann ist es egal, ob Sie Ausdauer- oder Krafttraining machen oder tanzen.

Und damit wird man schlank?

Naja... Sport ändert am Gewicht meist nicht viel, aber er ändert die Komposition des Körpers und damit die Chance, chronische Krankheiten zu vermeiden. Um das zu erreichen, muss Sport alltagstauglich sein: Stell ich mir die Turnschuhe an die Türe oder suche ich mir eine Gruppe, die mich auf Trab hält?

Bevor ich loslege: Muss ich zum Arzt?

Wichtig ist: Kein Sport beim akuten Infekt: Wenn die Nase läuft, und zwar nicht nur ein wenig, der Hals schmerzt oder Fieber da ist, ist Ruhe angesagt. Und ab 35 Jahren sollte man vorher tatsächlich zum Arzt, wenn man bislang keinen Sport gemacht hat. Gefährlich sind vor allem unerkannte Risiken am Herzen. In der Regel reicht die normale Check-Up-Untersuchung. Besser ist ein Belastungs-EKG, aber das zahlen nur einige gesetzliche Krankenkassen. Dann gibt es sogar Trainingsempfehlungen!

Apropos Training: Brauche ich einen Übungsleiter?

Beim Laufen oder Walking nicht zwingend. Im Fitness-Studio sollte man schon einen fachkundigen Trainer haben. Wenn man an den Geräten etwas falsch macht, bestraft das der Körper. Theraband-Übungen können Sie locker vor dem eigenen Fernseher machen. Für die Gesundheit ist „Fit vorm Fernsehen“ besser als „Schlank im Schlaf“.

Sind Sie fitter als dieser Trimm - Dich Pfad ? Foto: Stadt Goch

Was zeichnet einen guten Trainer aus?

Sie brauchen vor allen Dingen jemanden, der Ihren inneren Schweinehund erledigt. Ein guter Trainer fragt nach Ihren Zielen und ob Sie gesundheitliche Handicaps haben. Und ein gutes Studio dreht Ihnen keine Protein-Shakes an.

Aber die machen doch die Muckis...

Die enthalten vor allem meist viel Zucker. Trinken Sie fettarme Milch – und ein Glas genügt. Selbst im Leistungssport reicht nach dem Training ein Glas Kakao. Selbst Apfelsaft hat mehr Kalorien als Cola.

Also immer nur Wasser trinken?

Am besten. Wer beim Sport abnehmen will, sollte zwei Stunden danach nur Wasser trinken. Damit kommt der Knoten aus dem Kopf, dass man sich nach dem Sport mit Essen belohnen darf. Sportgetränke machen nur im Leistungsbereich Sinn, und die Geschichte mit dem Weißbier als Sportgetränk ist nicht mehr als gute Werbung.

Och...

Das tut mir jetzt Leid für Sie, aber ein Glas fettarme Milch wäre besser. Aber es geht auch um Genuss. Genießen Sie ruhig ihr alkoholfreies Weißbier nach dem Sport.

Es ist nicht mal alkoholfrei...

Na gut... Genießen Sie es. Lassen Sie sich nicht neurotisieren!


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