Den Tierheimen geht das Geld aus

An Rhein und Ruhr..  Snoopy hat sich das Kreuzband verletzt, Jamal eins der seinen gleich durchgerissen, und Ramino: Der hat schon immer ein verkürztes Bein. Drei humpelnde Hunde – das Jahr hat nicht gut angefangen im Essener Tierheim, und was das wieder kostet! Wenn doch die Heime nur so viel Geld hätten wie Sorgen: Etwa jedes zweite, klagt der Deutsche Tierschutzbund, stehe vor der Pleite.

Eigentlich müsste die öffentliche Hand die Fundtiere füttern, doch ist es bei den Tieren nicht anders als bei den Menschen: Das Geld ist knapp, und ohne Ehrenamt geht wenig. In Essen etwa ist seit Jahrzehnten vertraglich geregelt: Die Stadt zahlt 200 000 Euro an den Tierschutzverein, der das Tierheim betreibt. Nur sind dessen Kosten mit den Jahren auf über eine Million gestiegen; eine kürzlich zugesagte Erhöhung um 60 000 Euro, sagt die Vereinsvorsitzende Elke Esser, „deckt noch nicht einmal die Futterkosten“. Dabei ist die Versorgung aufgelesener Vierbeiner, von neulich 75 Hühnern, einer Schnappschildkröte und gar einer Giftspinne, kommunale Pflichtaufgabe. Das wäre, so Esser, „als würden wir die Müllabfuhr aus privaten Spendengeldern finanzieren“.

Eine Insolvenz fürchtet man beim Tierheim in Wesel nicht, bisher nicht jedenfalls. Fest steht aber dennoch: „Finanziell ist das hier jeden Monat ein Drahtseilakt“, sagt Leiterin Gabriele Wettläufer. Mit Platz für 100 Katzen, 20 Hunden plus Kleintiere gehört die Weseler Einrichtung zwar zu den kleineren Tierheimen im Land. Aber schon allein die monatlichen Tierarztrechnungen von 5000 Euro schlagen kräftig zu Buche. Futter, Energie und andere Kosten kommen noch obendrauf. „Ohne die tolle Unterstützung von unseren Spendern könnten wir das hier nicht schaffen“, sagt Wettläufer. Ohne die ehrenamtlichen Helfer auch nicht. Drei Festangestellte sind im Tierheim tätig (keiner Vollzeit), dazu immer auch einige Azubis. Von der Stadt Wesel gibt es 30 000 Euro pauschal, jedes halbe Jahr. Andere Kommunen wie Voerde rechnen mit 100 oder 110 Euro pro Tier ab. „Die Verträge stammen noch aus den 90er Jahren“, sagt die Tierheim-Chefin. Die Preissteigerungen sind nicht abgebildet. Eigentlich müsste unbedingt mal neu verhandelt werden, aber: „Die Kommunen haben doch auch kein Geld“, meint Wettläufer.

Städte wie Köln, wo ein Heim gerade fürchtet, „in zwei, drei Jahren am Ende“ zu sein, haben da größere Probleme. Spenden, Beiträge, Sponsoring gehen zurück, die Zinskrise brachte Stiftungen „in eine Abwärtsspirale“, sagt Ralf Unna, Vizepräsident des Landestierschutzverbands. Von einer „gravierenden Schieflage“ spricht der Tierarzt. Die Kommunen handelten unverantwortlich, „die bedienen sich der Deppen vom Tierschutz“.

Die Zuschüsse sind zu niedrig

In Essen, mit etwa 3000 „durchlaufenden“ Bewohnern eines der größten Tierheime im Land, verlangen die Tierschützer, die Stadt möge wenigstens einen Euro pro Einwohner geben. Noch wird diskutiert, wobei sogar der zuständige Dezernent signalisiert: „Der städtische Zuschuss ist zu niedrig.“

In Krefeld, wo die Vereinbarungen zwischen Stadt und Tierheim im Januar ausliefen, ohne dass eine neue Lösung gefunden war, hatte es Streit gegeben. Das Tierheim machte dicht. Eine Woche lang konnten keine Tiere abgegeben werden. Die Stadt brachte den Zoo ins Spiel, aber auch der weigerte sich, Tiere übergangsweise in seiner Quarantäne-Station einzuquartieren. Die Bevölkerung wurde gebeten, selbst auf gefundene Tiere aufzupassen. Ein entlaufener Hund und ein Schwan mit blutigem Fuß kamen kurzfristig bei einem Tierrettungsdienst in Duisburg unter. Das dortige Tierheim bekommt von der Stadt ebenfalls nur ein Viertel des eigentlichen Etats. „Wir kämpfen alle ums Überleben“, sagt ein Heimleiter.

Das war zwar, wie ein anderer zugibt, „schon immer so“, das Problem aber sind die steigenden Kosten. Wie viele Tiere kommen, bleiben wie lange, haben welche Krankheiten? Zu kalkulieren waren solche Posten noch nie, sicher ist nur: Sie werden allesamt teurer.

Für Snoopy, Jamal und Ramino veranschlagt das Tierheim in Essen etwa 3600 Euro, mindestens. Und bittet einmal mehr – um Spenden.