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Presbyterwahl 2012

Das Markenzeichen der Protestanten

29.12.2011 | 16:55 Uhr
Das Markenzeichen der Protestanten
Am 5. Februar 2112 werden in Westfalen die neuen Presbyter gewählt - so es denn eine Wahl überhaupt gibt.

Hagen.   Am 5. Februar 2012 wählen die evangelischen Gemeinden in Westfalen ihre neuen Presbyter. Doch mangels ausreichender Kandidaten gibt es vielerorts gar keine echten Wahlen, sondern praktisch nur Amtsbestätigungen der ehrenamtlich tätigen Männer und Frauen.

Am 5. Februar 2012 wählen die evangelischen Gemeinden in Westfalen ihre neuen Presbyter. Doch mangels ausreichender Kandidaten gibt es vielerorts gar keine echten Wahlen, sondern praktisch nur Amtsbestätigungen der ehrenamtlich tätigen Männer und Frauen.

„Presbyteriumswahlen sind ein evangelisches Markenzeichen. Unsere Evangelische Kirche von Westfalen wird von Presbyterien und Synoden geleitet - und nicht von Pfarrern und Bischöfen. Die Wahlen zum Presbyterium sind damit ein Kernstück der Ordnung, die sich unsere Kirche gegeben hat.“ Mit diesen mahnend klaren Worten hat der Präses der westfälischen Landeskirche, Alfred Buß, im Vorfeld der Presbyterwahlen noch einmal nachhaltig versucht, die Kirchenwahl attraktiver und die Kandidatenlisten länger zu machen.

Schon bei den letzten Wahlen im Jahre 2008 gab es bei damals 556 Gemeinden nur noch in 228 echte Wahlen; dieses Mal wird die Zahl wohl noch sehr deutlich geringer ausfallen. Immerhin: Überall in Südwestfalen stehen annähernd genügend Kandidaten bereit, um die vorgesehenen Ämter auch zu übernehmen. Dafür wurde zum einen die Zahl der notwendigen Presbyter pro Gemeinde etwas reduziert und auch die Amtszeit auf vier Jahre verkürzt (seit 2008), um das Engagement überschaubarer zu machen.

Martina Espeloer, Superintendentin des Kirchenkreises Iserlohn, ist erst einmal zufrieden: „Wir haben in praktisch allen Gemeinden genügend Kandidaten, in zweien findet sogar eine richtige Wahl statt. Natürlich würden wir uns noch mehr Kandidaten wünschen, aber das Ehrenamt des Presbyters oder der Presbyterin ist eben auch sehr anspruchsvoll.“

Pfarrer Werner Tiffert von der Iserlohner Johannes-Kirchengemeinde ist in der glücklichen Lage, einen Kandidaten über dem Soll zu haben; es kommt also zu einer richtigen Wahl in seiner Gemeinde. „Bei uns sind viele gern im Raum der Kirche tätig, das macht sich bemerkbar“, erklärt er, um aber auch ebenfalls gleich hinzuzufügen: „Natürlich werden die Presbyter mit stetig wachsender Verantwortung konfrontiert. Wir leben nun einmal in einer Phase des Umbruchs, und da müssen auch schwere Entscheidungen gefällt werden.“

Pfarrer Bernd Becker, der Superintendent des Kirchenkreises Hagen, kann ebenfalls vermelden, dass „überall ausreichend“ Kandidaten zur Verfügung stehen, lediglich in einer von den insgesamt 22 Gemeinden fehlt noch einer. Und auch Becker weiß, dass das Presbyteramt derzeit nur bedingt populär ist: „Wir müssen ja so etwas wie Rückbau in unserem Kirchengefüge betreiben, das macht wenig Freude. Dennoch lassen sich unsere Ehrenamtlichen nicht entmutigen und sind engagiert bei der Arbeit Alles in allem kann ich also zur Presbyterwahl sagen: Ja, es läuft gut.“

Tobias Treseler, Theologischer Kirchenrat der benachbarten Lippischen Landeskirche, benennt die grundsätzlichen Voraussetzungen für die Presbyter: „Wir brauchen Personen mit Zeit, Verständnis für die Gemeindearbeit und der Bereitschaft, sich einzuarbeiten. Solche Menschen zu gewinnen, wird wirklich ein Generalthema in den nächsten Jahren sein.“

Und wenn das nicht gelingt, wenn irgendwann die Kandidaten vielleicht völlig wegbleiben? „Dann muss der jeweilige Kreissynodalvorstand die Menschen benennen“, erläutert Superintendentin Martina Espeloer in Iserlohn. Vorgekommen ist diese Situation bislang bei Presbyterwahlen allerdings noch nicht. Allenfalls wenn sich ein Gremium während seiner Amtszeit heillos zerstritten hat und geschlossen zurückgetreten ist - was in Einzelfällen tatsächlich schon vor kam.

Bezüglich der Wahlphase aber geben sich die südwestfälischen Theologen bislang alle noch recht optimistisch, das so etwas wie ein presbyterialer Supergau nicht auftreten wird. Es gilt, eine möglichst lebendige Gemeindearbeit zu gewährleisten, dann kommen auch die Ehrenamtlichen. Presbyter kann übrigens jeder werden, der mindestens 18 Jahre alt und zum Abendmahl zugelassen ist. Spätestens mit Vollendung des 75. Lebensjahres endet ein Presbyter-Mandat. Und auch das ist inzwischen in Ausnahmefällen möglich: Die Kandidaten müssen nicht mehr zwingend der Gemeinde entstammen, für die sie sich zur Wahl aufstellen lassen.

Die Amtseinführung der neuen Presbyter erfolgt am 26. Februar 2012.

Andreas Thiemann

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