Danke, Preußen

Um viele Baudenkmäler im Rheinland haben sich die Preußen verdient gemacht, zum Beispiel um den Kölner Dom.Die Bildmontage zeigt wie das Wahrzeichen aussehen könnte, wenn die Preußen es nicht weitergebaut hätten. Mit dem Bild werben die Organisatoren des Rheinland-Geburtstages.
Um viele Baudenkmäler im Rheinland haben sich die Preußen verdient gemacht, zum Beispiel um den Kölner Dom.Die Bildmontage zeigt wie das Wahrzeichen aussehen könnte, wenn die Preußen es nicht weitergebaut hätten. Mit dem Bild werben die Organisatoren des Rheinland-Geburtstages.
Foto: Berthold Hengstermann
Was wir bereits wissen
Mit Rheinland und Westfalen feiern die beiden großen Landesteile dieses Jahr ihren 200. Geburtstag. Ausstellungen und Tagungen geplant. Denkmäler im Blick

Im Rheinland..  Die beiden großen Landesteile Nordrhein-Westfalens feiern dieses Jahr ihren 200. Geburtstag. Rheinland und Westfalen waren im Jahr 1815 beim Wiener Kongress Preußen als Provinzen zugeschlagen worden. Der Kongress sortierte Europa neu, nachdem der kleine Franzose Bonaparte mit seinen Kriegen für große Unordnung auf der politischen Landkarte gesorgt hatte. Ob staatliche Verwaltung, Kultur und Bildung, Wirtschaft und Architektur: Preußen drückte den neuen Provinzen seinen Stempel auf.

„Danke Berlin: 200 Jahre Preußen am Rhein“: Mit einem Reigen aus 340 Veranstaltungen wird ab Frühjahr im Rheinland an das Jubiläum erinnert. Ein bewusst ambivalenter Titel – durchaus als „Danke schön“ gemeint, aber auch im Sinne von „Danke, es ist genug“ – etwa, wenn es um das Militärische geht, wie es sich auf diversen Denkmälern widerspiegelt. „Wir wollen den Einfluss Preußens auch kritisch beleuchten“, betont Georg Mölich vom Institut für Landeskunde des Landschaftverbandes Rheinland (LVR).

Minterpräsidentinnen als Schirmfrauen

Ausstellungen, Tagungen, Diskussionen: Die Veranstaltungen verteilen sich über das Gebiet der ehemaligen Rheinprovinz zwischen Kleve und Saarbrücken; ein Festakt im Düsseldorfer Ständehaus bildet am 12. April offiziell den Auftakt. Die organisatorischen Fäden laufen beim Rheinischen Verein für Denkmalpflege zusammen, der Termine von mehr als 50 Partnern koordiniert hat. Letzte Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. „Die Spannung steigt“, sagt Mölich. Als Schirmfrauen fungieren die Ministerpräsidentinnen von NRW und Rheinland-Pfalz, Kraft und Dreyer (beide SPD).

Ein Fokus liegt auf dem Niederrhein. Das Preußenmuseum in Wesel widmet eine Ausstellung „Wilhelm II. und dem Rheinland“, das Bürgerforum in Geldern beleuchtet auf einer Tagung den Rhein-Maas-Raum nach dem Wiener Kongress. Und was Baukunst betrifft, haben die Preußen in der Region markante Spuren hinterlassen. Gegenüber der NRZ verweist Fachmann Mölich auf Schloss Moyland bei Kleve: „Das ist stark von preußischer Architektur geprägt.“ Auch wichtig: Auf Moyland traf auch Friedrich der Große erstmals den Denker Voltaire.

Blickt man weiter ins Rheinland, so geht es um viele Facetten – Pressefreiheit etwa (Ausstellung in Wuppertal geplant), das Finanzwesen (Diskussion in Düsseldorf) oder die Bildung: Die 1818 gegründete Bonner Universität z. B. ist der Berliner Humboldt-Uni nachempfunden, weitere Gründungen folgten.

Viel gibt es bis Herbst über Preußen am Rhein zu erfahren und zu diskutieren. Auch im westfälischen Landesteil wird das Jubiläum mit Veranstaltungen bedacht. So ist etwa im Dortmunder Museum für Kulturgeschichte eine Schau „Westfalen 1815-2015“ in Vorbereitung. Beim Tourismus NRW sieht man das Jubiläum als gute Gelegenheit, das Bürger den jeweils anderen Landesteil besuchen. „Es lohnt sich“, meint Sprecherin Julie Sengelhoff. Für Rheinländer, die sich aufmachen nach Westfalen, haben die Touristiker eine Top 10 von Orten aufgestellt, die man gesehen haben muss. Mit auf der Liste: Hermannsdenkmal (Detmold), Externsternsteine in Horn Bad Meinberg, Welterbe Kloster Corvey und Münster.