Busfahrer setzte Kinder auf die Straße

Essen..  Ihre erste Busfahrt werden Peter (8) und Julia (10) aus Essen wohl nicht so schnell vergessen: Denn der Bus blieb gestern auf glatter Fahrbahn liegen und der Fahrer ließ die Geschwister aussteigen, ohne ihnen auch nur zu sagen, wo sie gelandet waren. „Dabei hatte ich dem Fahrer noch gesagt, dass sie zum ersten Mal alleine Bus fahren“, erzählt Katharina Buchholz, die Mutter der beiden.

Nach einem Umzug in einen anderen Stadtteil werden die Kinder zur Schule gebracht, doch Freitag hatte die Mutter kein Auto und blieb mit dem zweijährigen Geschwisterkind zu Hause. Ihre Großen stattete sie mit einem Handy aus, begleitete sie morgens um sieben zur Haltestelle. Sie bat den Busfahrer, darauf zu achten, dass die Kinder am richtigen Halt aussteigen. „Er sagte bloß: ,Jede Haltestelle wird laut ausgerufen.’“

Übers Telefon getröstet

Mitten auf der Strecke stoppte der Fahrer dann, weil die Fahrbahn spiegelglatt war. Er ließ alle Passagiere aussteigen, auch die Kinder, die keine Ahnung hatten, wo sie sich befanden. Peter und Julia griffen zum Handy und riefen ihre Mutter an, die ihnen riet, den Busfahrer zu fragen. Doch der hielt die Tür geschlossen, als sie klopften. „Meine Tochter fing an zu weinen.“ Übers Telefon tröstete die Mutter, lotste die Kinder zum nächsten öffentlichen Gebäude: Hier sollten sie um Hilfe bitten.

Die Kinder fanden eine Kita, trauten sich aber nicht zu klingeln. Also suchte die Mutter die Nummer raus und rief in der Kita an, die sich sofort der Kinder erbarmte. Später holte der Vater die Kinder ab und brachte sie nach Hause.

Trotz des glimpflichen Ausgangs räumt Evag-Sprecher Olaf Frei ein, dass hier offenbar einiges schief gelaufen ist. „Kinder unter 14 Jahren sind Schutzbefohlene, die darf man nicht einfach auf die Straße setzen. Der Kollege hätte unsere Leitstelle anrufen sollen, damit die Kinder abgeholt werden, oder er hätte sie im Bus warten lassen sollen.“