Bundesweit Demos für Kurden - Aktivisten stürmen Deutsche Welle in Bonn

In Hamburg zogen die Demonstranten vor das Rathaus.
In Hamburg zogen die Demonstranten vor das Rathaus.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Um ihre Solidarität mit den kurdischen Kämpfern in der nordsyrischen Stadt Kobane auszudrücken, sind Hunderte Demonstranten zu spontanen Kundgebungen zusammengekommen. Auch in NRW gingen Aktivisten auf die Straße. In Bonn drangen rund 60 von ihnen in das Gebäude der "Deutschen Welle" ein.

Bonn.. In mehreren deutschen Städten haben in der Nacht zum Dienstag Demonstrationen gegen die Gewalt in der syrisch-türkischen Grenzstadt Kobane stattgefunden. Insgesamt versammelten sich laut Polizei etwa 3000 friedliche Kurden.

In Düsseldorf und Bonn drangen die Demonstranten kurzzeitig in die Gebäude des Westdeutschen Rundfunks und der "Deutschen Welle" ein. Zu Gewalt oder Sachbeschädigungen kam es nach Angaben der Polizei nicht.

Rund 60 Aktivisten stürmten das Gebäude des deutschen Auslandssenders "Deutsche Welle" in Bonn und übergaben den Verantwortlichen eine Resolution, wie der Sender in einem Online-Beitrag am Dienstag berichtete. Darin forderten sie Solidarität mit den Kurden in der umkämpften syrisch-türkischen Grenzstadt Kobane.

IS-Terror In dem Schreiben verlangten sie "humanitäre Hilfe für die geflohenen Frauen und Kinder und langfristige Projekte, um Frauen, Mädchen und Kindern eine Überlebensperspektive zu bieten." Die Polizei sprach von 100 Demonstranten am Gebäude, von denen 40 friedlich rund zwei Stunden mit Transparenten im Foyer des Senders saßen.

Polizei in Düsseldorf mit Hundertschaft im Einsatz

In Düsseldorf zogen rund 600 Kurden vom WDR-Gebäude im Medienhafen vorbei am Landtag zum Burgplatz in der Altstadt. Zuvor war es einer kleinen Gruppe gelungen, die Schleuse zum Vorraum des WDR zu betreten.

Die Polizei, die mit Kräften der Hundertschaft im Einsatz war, setzte die Demonstranten wieder vor die Tür. Dort übergaben diese dem Verantwortlichen des WDR ein Dossier. Zu gewalttätigen Ausschreitungen oder Straftaten kam es laut Polizei nicht.

Auch in Dortmund haben Menschen gegen die Einnahme von Kobane durch IS-Milizen demonstriert. Nach Angaben der Polizei zogen gegen 23.40 Uhr rund 150 Personen vom Hauptbahnhof zur Reinoldikirche. Dabei zeigten sie unter anderem Flaggen mit der Aufschrift "ISIS massakriert in Kurdistan - EU schaut zu" und skandierten Parolen wie "Raus aus Kurdistan". Die Versammlung verlief friedlich und ohne Zwischenfälle.

250 Menschen demonstrieren im Essener Hauptbahnhof

Bereits am Montagnachmittag hatten 14 Kurden die Geschäftsstelle der CDU besetzt. Die Kurden räumten das Büro am Nachmittag freiwillig nach einem Gespräch mit dem stellvertrenden CDU-Kreisverbandsvorsitzenden Sascha Mader. Anzeigen wurden nicht erstattet. Zuvor hatte die Gruppe nach eigenen Angaben bereits SPD-Büros in anderen Städten besetzt.

In Essen zählte die Polizei rund 250 Demonstranten. Sie zogen von der Innenstadt in Gruppen Richtung Hauptbahnhof, wo die Kundgebung stattfand. Gegen 0.30 Uhr löste sich die Veranstaltung auf. In Hagen begannen rund 150 Kurden ihre Demonstration gegen 21 Uhr mit einem Sitzstreik auf dem Graf-von-Galen-Ring.

Der Bereich wurde von der Polizei vorübergehend für den Verkehr gesperrt. Danach zog die Gruppe durch die Innenstadt. Laut Polizei verliefen die Aktionen in beiden Städten friedlich. Für Hagen war es bereits die zweite Demonstration von Kurden innerhalb weniger Tage. In der vergangenen Woche hatten 500 Menschen gegen den IS-Terror protestiert.

Weitere Protestaktion am Dienstag in Berlin geplant

In Berlin versammelten sich etwa 600 Demonstranten. Wie die Polizei mitteilt, sei für den Dienstagvormittag eine weitere Protestaktion von Kurden am Pariser Platz angemeldet. In Münster wurde ein Polizist leicht verletzt, als ein Demonstrant dem Beamten mehrere Tritte verpasste.

Die islamistische Terrormiliz IS versucht derzeit, Kobane gegen den erbitterten Widerstand kurdischer Kämpfer unter ihre Kontrolle zu bringen. Die Demonstranten wünschen sich mehr Unterstützung von der internationalen Gemeinschaft. (we/dpa)