Bottrop wird die Klimastadt der Zukunft
21.12.2011 | 07:17 Uhr 2011-12-21T07:17:18+0100
Bottrop. „Spannend, aber auch arbeitsintensiv“ - so ist das, wenn man nichts anderes plant als die grüne Zukunft. In Bottrop geschieht das - mit großen Versprechen und vielen kleinen Schritten.
Gegenüber dem Bottroper Hauptbahnhof hat die grüne Zukunft ein Zuhause. „Zentrum für Information und Beratung“ heißt ein Teil dieses Spitzbaus, „ZIB“ ganz profan, wo Bürger Fragen stellen können, sich beraten lassen können zum gigantischen Stadterneuerungsprojekt „Innovation City“. An diesem Dienstag jedoch findet ausweislich eines Schildes am Eingang „keine Beratung statt“ – zumindest nicht die alltägliche aus Kellerdämmungsinformationsgesprächen oder Steuervorteilsdurchrechnerei. Denn auch ein Großprojekt geht nur voran in Schrittchen.
Nein, an diesem Dienstag also sitzen einige prominente Teilnehmer des Wirtschaftsforums „Der Phönix fliegt“ im Eingangsraum des ZIB. Leicht verspätet Sigmar Gabriel etwa, der SPD-Vorsitzende, Johannes Remmel, der grüne NRW-Umweltminister, Ludwig Ladzinski, Gesamtbetriebsratsvorsitzender der RAG, oder Bodo Hombach, der WAZ-Geschäftsführer, Burkhard Drescher natürlich, der Geschäftsführer der „Innovation City“; als Oberbürgermeister von Oberhausen war er in den 1990er-Jahren der Mann, der das Centro in seine Stadt holte.
„Da stehen am Ende Elektroautos vor der Tür"
„Spannend, aber auch arbeitsintensiv“, so beschreibt er diese neue, der Zukunft zugewandte Aufgabe. So sollen schon im nächsten Jahr fünf bis sieben Musterhäuser entstehen, die nicht nur vorbildlich Energie einsparen, sondern sogar produzieren. „Da stehen am Ende Elektroautos vor der Tür und laden nachts die überschüssige Energie auf“, sagt Drescher.
Vor ihnen ein bunt gemischtes Publikum, Vertreter von Parteien und Verbänden, Handwerker, Fachleute: solche, die man Multiplikatoren nennt – strebe Gutes an und rede darüber. Der Essener Rechtsanwalt Wolf Dieter Sondermann, spezialisiert auf Umweltrecht, der sich „für Rechtsfragen interessiert, die ein so großer Umstrukturierungsprozess aufwirft“. Oder die Ratsfrau Anja Kohmann, die „hören will, was es an Ideen gibt“. Ähnlich Friedhelm Mersch, Bezirksvertreter von Bottrop-Mitte: „Ich habe mit Begeisterung begrüßt, was da programmmäßig entstanden ist. Dem Bürger ist aber nicht ganz klar, wie das umgesetzt werden soll.“
„Das große Versprechen Innovation City ist in der Realität angekommen“
Nun, dazu sitzen sie ja da vorne. „Das große Versprechen Innovation City ist in der Realität angekommen“, sagt Hombach: Es solle dem Ruhrgebiet helfen, wieder ein Innovationszentrum von Rang zu werden. Von der „Klimastadt der Zukunft“ spricht Bottrops Oberbürgermeister Bernd Tischler, sieht aber auch noch Stolpersteine in der Realität: „Wir können uns nicht darauf verlassen, dass der Bürger zu uns kommt.“ So sind inzwischen Berater im Planungsgebiet unterwegs. Was sie häufig hören? Die Frage nach Zuschüssen. „Wir hoffen auf eine steuerliche Förderung von Energieeinsparungsmaßnahmen“, sagt Tischler.
Dann ist es Drescher, der Innovation City zu erden versucht. Er weiß: Im Ruhrgebiet traut man reinen Plänen nicht viel zu, es muss ab und zu auch mal was zu sehen sein. Die Musterhäuser nennt er, den Null-Emission-Campus, 100 Kraft-Wärme-Anlagen – bis hin zur Renovierung von Fassaden mit Moos. Mit pflanzlichem, versteht sich: „Klein, aber witzig und neu.“ Keiner der 14 500 Hausbesitzer im Plangebiet werde „an unserem Wunsch vorbeikommen, seinen Beitrag zu leisten“.
"Auf welchen Kosten bleibt der Bürger sitzen?"
Aber ach, die Kosten. „Innovation City wäre jede Förderung durch den Bund und Europa wert“, sagt Gabriel, hat aber große Zweifel, dass die Energiewende mit den Mitteln von heute überhaupt zu finanzieren ist. Und Ladzinski bringt das Thema konkret auf den Tisch, der Betriebsrat und Bottroper: „Wie will ich Menschen überzeugen, ihre Häuser zu sanieren, wenn ich die entscheidende Frage nicht beantworten kann: Auf welchen Kosten bleibt der Bürger sitzen?“
So räumt Drescher ein, alle Fördermittel zusammen erreichten allenfalls 30 bis 40 Prozent der Investitionskosten: „Da gibt es eine Lücke, die versuchen wir zu schließen mit guten Argumenten wie Klimaschutz und Werthaltigkeit der Häuser.“
Und heute? Im ZIB wieder die Schrittchen, ohne die kein Großprojekt vorankommt.
Alle Texte und Bilder zum Jahresrückblick finden Sie in unserem Spezial.

14:17
Hab man eine Beratung mit gemacht im ZIB, kanns nur empfehlen, äußerst kompetenten Berater gehabt, obwohl erst seit kurzem im Team. Detailierte Bestandsaufnahme mit guten Optionen für eventuelle weitere Modernisierungsmassnahmen, allerdings sollten nur die vereinbarten Objekte besprochen werden, da sonst die Zeit etwas knapp wird. Folgetermin kann ja vereinbart werden .
17:58
Sind diese Abzocker immer noch im Bild? Traurig
12:13
Ich kann das Bild auch nicht mehr sehen. Wenn ihr es drinlasst, dann schreibt wenigstens "Die Generalversager" darüber. Danke
13:46
Wie heute zu lesen war, hat unser Oberpatentschwätzer und Foto- und Feierkönig nicht einen Cent um sein hochgeschwafeltes Projekt durchzuziehen. Wann verpisst der sich endlich?
09:30
@ oldi 1
Kann ich nur zustimmen, 4 Wichtigtuer ohne die geringste Ahnung was sie da machen sollen, aber ab sofort immer einen gut gefüllten Geldbeutel.
Ich weiß auch nicht so genau wie Innovation mit einem Haufen seniler, geldgieriger Greise funktionieren soll.
Fachleute hätten sicherlich auch gerne was dazuverdient, hätten aber gegenüber dieser Quadriga wenigstens Kompetenz mitgebracht.
21:36
2 Wochen habt Ihr jetzt schon den Artikkel in der Zeitung. Nehmt wenigstens das Bild raus.
Ich kann mir diese Schwachmaten nicht mehr ansehen.
13:32
Run auf Ökostrom ist wieder vorbei...
Siehe folgenden Link:
http://www.bild.de/geld/wirtschaft/oeko-strom/run-auf-oeko-strom-vorbei-21688222.bild.html
LG
Stefan Soppe
09:09
Wenn die Herrschaften weiterhin so unergiebig planen, fließen alle vorhandenen Mittel nur als Honorar für Unvermögen in deren eigene Taschen. Es reicht dann höchstens noch für einen solarbetriebenen Parkscheinautomaten. Die sind schon ein tolles Team.
09:27
Öko hin, öko her. Eines ist sicher: Wo Drescher und Hombach auftauchen, da ist schnelles und reichlich Geld zu "verdienen".
05:11
Na klar doch und so werden die Sporthallen in den Weihnachtsferien einfach für den Vereinssport gesperrt, egal ob da Pokalspiele, zB. der Handballer stattfinden, oder nicht.
Da hat irgendein Sesselbrüter die toll Idee hier ein paar Euros Stromkosten zu sparen und setzt das im Auftrag des SPD Oberbürgermeister in die Tat um und dem OB ist das völlig egal. Werden doch auch sonst die Hallen in den Ferien einfach von den Schulbehörden geschlossen, so das die Vereine überhaupt keine Chance haben sich vernünftig auf ihre Saisons vorzubereiten.
Was kommt da noch auf Bottrops Bürger zu. Wird hier wieder nur beim Bürger gespart ?