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Blitzmarathon

Blitzermarathon in NRW - Manche rasten trotzdem

24.10.2012 | 06:19 Uhr

Essen.  Beim Blitzmarathon kontrolliert die Polizei mit einem Großaufgebot noch bis Donnerstagmorgen die Autofahrer. Erstmals gehen die Beamten dabei auch länderübergreifend gegen Raser vor. Die Maßnahme ist allerdings umstritten. Blitzer-Offensive stelle "alle Autofahrer unter Generalverdacht."

Mit einem Großaufgebot geht die Polizei seit Mittwochmorgen beim mittlerweile dritten Blitzmarathon gegen Raser vor. Nach Angaben des Innenministeriums in Düsseldorf beteiligen sich allein in NRW mehr als 3.500 Polizisten und etwa 250 Mitarbeiter von 83 Kommunen. 3.335 Messstellen wurden landesweit eingerichtet. Erstmals findet der Blitzmarathon grenzübergreifend in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und den Niederlanden statt.

NRW-Innenminister Ralf Jäger äußerte sich in einer Zwischenbilanz zufrieden mit dem dritten Blitzmarathon: "Die Autofahrer fahren heute verantwortungsbewusster und die allermeisten halten sich an die Regeln. Das bestätigte uns unsere Strategie: Mehr Kontrollen für mehr Verkehrssicherheit", sagte Jäger.

Hier wird in NRW geblitzt

 

ADAC kritisiert Blitzmarathon

Der ADAC hat die Blitzer-Offensive in  kritisiert. "Bei einer solchen PR-Maßnahme bestehen ernsthafte Zweifel an einer Nachhaltigkeit", sagte Reinhard Manlik, Vorsitzender des Automobilklubs in Niedersachen und Sachsen-Anhalt.

"Wir haben nichts gegen Geschwindigkeitskontrollen, aber sie müssen nachvollziehbar sein und vor allem auch an Unfallschwerpunkten erfolgen", sagte Manlik. "Diese Aktion stellt alle Autofahrer unter Generalverdacht", beklagte er.

Rollerfahrer zeigt Polizist den Stinkefinger

Noch vor 6 Uhr erwischten die Beamten in Lünen den ersten Raser mit 145 Stundenkilometern - erlaubt sind an dieser Stelle 80.  Ihn erwarten nun vier Punkte in Flensburg und 440 Euro Bußgeld sowie ein Fahrverbot von zwei Monaten. Insgesamt melden die Polizeidienststellen aus der Region am Mittwoch aber nur wenige Verstöße: Die Autofahrer sind gewarnt und fahren langsam. Vereinzelt beschweren sich Verkehrsteilnehmer sogar schon über "Schleicher".

  • Der Blitzmarathon sorgt derweil für zahlreiche amüsante Geschichten. So kommt die beste Ausrede des Tages wohl aus Herne. Dort war ein älterer Herr geblitzt worden. Anschließend erklärte er den Polizeibeamten, sein Auto sei "so gut gerollt", dass er nicht bremsen konnte. Er will sich jetzt beim Hersteller VW beschweren.
  • In Münster hat ein Rollerfahrer einem Polizisten den Mittelfinger gezeigt. Zuvor hatte der 50-Jährige ein Rotlicht missachtet und war mit 110 Stundenkilometern - erlaubt sind 50 - davon gebraust.
  • Völlig überrascht war am frühen Morgen ein 34-jähriger Autofahrer in Bochum, der um 5.45 Uhr geblitzt wurde. Er war offenbar der Meinung, er könne noch 15 Minuten rasen. Schließlich startete der Blitzmarathon ja erst um 6 Uhr...
  • Im Kreis Euskirchen haben Polizisten einen Fahrer wegen einer Geschwindigkeitsübertretung angehalten. Bei einem Blick ins Fahrzeug entdeckten die Beamten einen Zettel am Lenkrad: "Blitzer!!" hatte sich der Fahrer als Gedankenstütze notiert. Genützt hat es offenbar nichts.
  • In der Bochumer Innenstadt ist der Polizei der wahrscheinlich schnellste Fußgänger für heute ins Netz gegangen. Von ihrer Messstation aus beobachteten die Beamten, wie ein Dieb in der Drehscheibe mit zehn Pfund Kaffee fliehen wollte. Sie nahmen die Verfolgung auf und konnten den Mann am Nordring stellen.
  • Ein Verkehrsteilnehmer, der in Dortmund gerade ein "Ticket " bezahlt hatte, fragte anschließend den Beamten, ob dieses Verwarngeld nun als Tageskarte, ähnlich wie eine Eintrittskarte im Schwimmbad, gilt. Die Frage musste der Polizist mit einem klaren "Nein" beantworten.

Minister Jäger will Blitzmarathon der Innenministerkonferenz vorschlagen

Video
Eine Geschwindigkeitskontrolle der Polizei ist etwas alltägliches, aber wie funktioniert eigentlich die Technik hinter solch einer mobilen Kontrolle? Polizeihauptkommissar Thomas Kerb erklärt wie das Lasermessgerät funktioniert.

Während des Blitzmarathons besuchte Innenminister Ralf Jäger einen Kindergarten in Recklinghausen und stellte dort noch einmal die Ziele des Blitzmarathons vor. Keinesfalls solle der Bürger „abgezockt“ werden – darum seien die Messstellen auch im Voraus veröffentlicht worden. „Mein Wunsch wäre, dass keiner geblitzt wird“, so der Innenminister. Vielmehr solle bei den Bürgern das Bewusstsein für Gefahren im Straßenverkehr geweckt werden. Der Minister gestand, dass auch er keine weiße Weste in der Verkehrssünderdatei habe. Allerdings habe ihn die Aufklärungsveranstaltung „Crash Test“, bei der Sanitäter in Schulen von ihren Erfahrungen mit Unfallopfern berichten, sehr beeindruckt.

Blitz-Marathon in NRW

Bislang habe es in diesem Jahr 73 Verkehrstote weniger geben als zum gleichen Zeitpunkt im Jahr 2011. Allerdings gab Jäger zu, dass nicht klar sei, ob das auf die Blitzmarathons zurückzuführen sei, da die Aktion nur Teil eines größeren Gesamtkonzepts für mehr Verkehrssicherheit sei. Der Innenminister wolle das Konzept des Blitzmarathons nun in die Innenministerkonferenz geben. Zu schnelles Fahren sei "Killer Nummer 1" auf den Straßen, sagte Jäger zu Beginn der Aktion. Mehr als jeder dritte Verkehrstote sei Opfer zu hoher Geschwindigkeit.

Viele Kontrollstellen von Bürgern vorgeschlagen

In NRW ist es bereits der dritte "Blitz-Marathon" in diesem Jahr. Bei der vorangegangenen Aktion im Juli waren trotz Ankündigung mehr als 22.000 Raser erwischt worden. Viele der Kontrollstellen gehen auf Vorschläge von Bürgern zurück. Dieses Mal sei mehr als jeder dritte Kontrollpunkt von der Bevölkerung vorgeschlagen worden, sagte Jäger. (Mit Material von dapd)

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