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Bombenalarm

Blindgänger unter Envio-Gifthalle – 250 Arbeiter in Angst

31.05.2012 | 06:00 Uhr
Blindgänger unter Envio-Gifthalle – 250 Arbeiter in Angst
Ausgerechnet unter dem Envio-Giftmülllager in Halle 55 liegt der Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg. Foto: Dirk Bauer

Dortmund.   Ein Sprengkörper aus dem Zweiten Weltkrieg liegt unter 1150 Tonnen Envio-Giftmüll in Halle 55. Seit zwölf Jahren wissen Bezirksregierung Arnsberg und Stadt Dortmund davon. Doch erst nach WAZ-Recherchen kommt der Fall an die Öffentlichkeit.

Bombenalarm auf dem Gelände der PCB-Skandalfirma Envio: Unter der mit 1150 Tonnen Giftmüll gefüllten Halle 55 liegt nach Recherchen der WAZ ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Bezirksregierung Arnsberg und die Stadt Dortmund bestätigten am Mittwoch den brisanten Fall.

Gleich anschließend brach Hektik aus. Unmittelbar nach der WAZ-Anfrage verbreitete die Bezirksregierung Arnsberg eine offizielle Pressemitteilung. Darin ist von einem „vermuteten Blindgänger“ die Rede, der bei „der routinemäßigen Bearbeitung eines Bauantrages festgestellt“ worden sei.

Dem widerspricht ein Dokument, das der WAZ vorliegt. Es ist ein zwölf Jahre altes Schreiben der Bezirksregierung Arnsberg an die Stadt Dortmund. Es belegt: Schon am 12. Juli 2000 meldete die Bezirksregierung dem Dortmunder Ordnungsamt die „vermutliche Blindgängereinschlagsstelle“. Doch nichts geschah.

"Die lassen uns auf einer Bombe sitzen"

250 Menschen, die auf dem Envio-Gelände arbeiten, haben jetzt Angst. „Die lassen uns auf einer Bombe sitzen“, sagt eine fassungslose Angestellte der Firma ABP. Es ist eine Anklage gegen Bezirksregierung und Stadt, die von dem Blindgänger unter Halle 55 wussten – und schwiegen.

Dienstagmittag, bei einer Krisensitzung, war die Bombe in aller Munde. Kampfmittelbeseitigungsexperten der Bezirksregierung Arnsberg, Vertreter der Stadt, der Firma ABP und der Envio Grundstücks GmbH erörterten die Lage. Sie erscheint im Wortsinne explosiv: Ausgerechnet unter Halle 55, dem größten Giftmülllager auf dem Envio-Gelände, schlummert der Blindgänger. Unter 1150 Tonnen verseuchtem Material. Krebserregendes PCB füllt den 1300 Quadratmeter großen Bau. Das Gift klebt an Transformatoren und Kondensatoren. Es steckt auch in dem Hallenboden, unter dem die Bombe liegt.

Neubau käme dem Sprengkörper viel zu nahe

Envio
Der Giftskandal der Envio AG

Im Jahr 2010 wurde die Dortmunder Envio AG Mittelpunkt des größten PCB-Skandals in Deutschland. Dem Unternehmen wurde vorgeworfen, durch unsachgemäßen...

Nebenan will ABP bauen: eine neue, schwere Maschine. Der Bauantrag liegt bei der Stadt. Tiefe Ausschachtungen sind nötig. Sie kämen dem Sprengkörper viel zu nahe. Also muss der Blindgänger raus aus dem Boden. ABP und Envio warten jetzt auf die behördliche Anordnung.

Die Bezirksregierung versuchte gestern Erklärungen. Halle 55 sei „möglicherweise auf einem Blindgänger“ gebaut worden. Andererseits sei „leider nicht klar“, ob die Bombe dort noch liege.

Dagegen spricht eine amtliche Bauskizze von Halle 55, die der WAZ vorliegt. Dort ist der Sprengkörper genau eingezeichnet – mit dem unterstrichenen Vermerk: „Bombe“.

Klaus Brandt

Kommentare
31.05.2012
13:01
Blindgänger unter Envio-Gifthalle – 250 Arbeiter in Angst
von nothdurft | #12

Auf welches Datum ist der Langzeit-Zünder eingestellt ?

1 Antwort
Blindgänger unter Envio-Gifthalle – 250 Arbeiter in Angst
von drAlfahrt | #12-1

Auf der Pyramide von Yuzachahun ist der 20.12.2012 eingemeisselt ......

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2012-05-31 06:00
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