Blindgänger sorgte für Massen-Evakuierung in Köln

Evakuierungen wegen Fliegerbomben sind immer eine logistische Herausforderung. Das Archivbild zeigt eine im November in Dortmund.
Evakuierungen wegen Fliegerbomben sind immer eine logistische Herausforderung. Das Archivbild zeigt eine im November in Dortmund.
Foto: Volker Hartmann/WAZ FotoPool (Archiv)
Was wir bereits wissen
Wegen einer 20 Zentner schweren Fliegerbombe mussten am Mittwoch in Köln 20.000 Menschen ihre Wohnungen verlassen. Blindgänger erfolgreich entschärft.

Köln.. Ein besonders großer Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg ist am Mittwoch in Köln sicher entschärft worden. Um 15.53 Uhr haben Experten des Kampfmittelbeseitigungsdienst die Fliegerbombe unschädlich gemacht, wie die Stadt mitteilte. Zuvor war die größte Evakuierung im Nachkriegs-Köln nötig gewesen: Rund 20.000 Menschen mussten dazu ihre Häuser und Arbeitsstellen verlassen.

Für Stadt, Polizei, Feuerwehr und alle anderen beteiligten Organisationen sei das "eine große logistische Herausforderung" gewesen, sagte ein Stadtsprecher. Insgesamt waren 800 Einsatzkräfte im Dienst. "Die Evakuierung und Entschärfung sind optimal verlaufen", sagte Oberbürgermeister Jürgen Roters nach der Entwarnung.

Tausend-Meter-Radius um Bomben-Fundort

Aufgrund der Größe und Sprengkraft des 20 Zentner schweren Blindgängers wurde das Gebiet in einem Radius von einem Kilometer rund um den Fundort geräumt. Seit dem Morgen wurden Anwohner in den Stadtteilen Riehl und Mülheim von Mitarbeitern des Ordnungsamtes aufgefordert, ihre Wohnungen zu räumen. "Wir machen insgesamt drei Rundgänge, damit wir sicher sein können, dass niemand mehr im Haus ist", sagte Heribert Büth vom Ordnungsamt. Bei der ersten Kontrollrunde verließen zwei Bewohner das Sperrgebiets erst, als die Polizei den Kontrolleuren zu Hilfe kam.

Betroffen waren neben einer Jugendherberge und dem höchsten Wohnhaus Deutschlands auch 1100 Bewohner des größten Senioren- und Behindertenzentrums der Stadt. 600 besonders Pflegebedürftige wurden mit 140 Rettungswagen in mehrere Krankenhäuser gefahren, 300 Bewohner mit Bussen in einen extra hergerichteten Bereich der Messehallen gebracht. Dort konnten sie sich bis zum Ende der Entschärfung aufhalten. Einige von ihnen sahen den Ausflug als willkommene Abwechslung: "Wir machen uns einen schönen Tag", sagte die 77-jährige Elfriede Ruthe.

Zoo-Tiere durften nicht in die Außengehege

Für die anderen Anwohner der betroffenen Stadtteile hatte die Stadt drei Anlaufstellen eingerichtet. Schulen in dem Evakuierungsgebiet blieben am Mittwoch geschlossen, ebenso der Zoo. "Wir sperren die Tiere in ihre Innengehege, möglichst weit weg von Glasscheiben", sagte Zoo-Chef Theo Pagel. So sollen sie bei einer möglichen Detonation von Glassplittern geschützt sein.

Nachdem alle Häuser geräumt waren, wurde das Gebiet noch einmal von einem Hubschrauber überflogen. Die umliegenden Straßen wurden gesperrt, der Bahn-, Schiffs- und Luftverkehr eingestellt. Schließlich konnten die Experten vom Kampfmittelbeseitigungsdienst die beiden Zünder aus der amerikanischen Bombe lösen.

Die Straßensperrungen wurden nach und nach aufgehoben, die Anwohner konnten in ihre Wohnung zurückkehren. Der Rücktransport der Bewohner des Seniorenzentrums sollte bis in die späten Abendstunden dauern. (dpa)