Berlin, Bauern, Bier und Bewirtung – die „grüne Woche“ aus NRW-Sicht

Landesumweltminister Johannes Remmel auf der grünen Woche in Berlin.
Landesumweltminister Johannes Remmel auf der grünen Woche in Berlin.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Mit Pumpernickel und Panhas werden in Berlin die Besucher der Grünen Woche auf den Geschmack gebracht: NRW will als Urlaubsland attraktiver werden

Berlin.. Der Minister hält eine Rote Rübe vom Niederrhein in der Hand, die Berliner schlürfen ein Kartoffelsüppchen mit Schaum von der Roten Beete mit Strohhalm aus einem Gläschen und Lotte, das Maskottchen, tanzt im Schwarz-Bunten-Kostüm mit den Messebesuchern so etwas wie die nordrhein-westfälische Antwort auf „die Hände zum Himmel“ – ganz schön ‘was los auf der „Internationalen Grünen Woche“.

Mehr als 1200 Aussteller aus der ganzen Welt präsentieren sich und ihre Produkte – und NRW ist in diesem Jahr mit einem 900-Quadratmeter-Stand dabei. Mehr als 70 Akteure, darunter 60 regionale Initiativen und Hersteller von Spezialitäten, darunter eine Abordnung vom Niederrhein und dem Münsterland, zeigen bis zum 25. Januar, warum es sich lohnt, das Bundesland zumindest zu besuchen.

NRW-Minister Johannes Remmel (Verbraucherschutz- und Landwirtschaft) freute sich über die Vielfalt: „Wir zeigen in diesem Jahr Gutes und Nachhaltiges mit solch tollen Sachen vom westfälischen Pumpernickel über das Rheinische Rübenkraut bis zum Senne-Bier aus Ost-Westfalen.“

Walbecker Spargel wird auch in Berlin gestochen

Weiterer Schwerpunkt der neu gestylten, frischen grün-weiß-roten Halle sind die Themen Leben, Arbeiten, Wirtschaften, Verbraucherschutz. „Uns ist wichtig, dass wir hier nicht nur einen reinen Markt für die Ernährungswirtschaft anbieten“, so Thomas Delschen, Präsident des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) in NRW.

So ist nun, u.a. auch der Landesbetrieb Wald und Holz dabei. Es gibt Infos zu Umwelt, Trinkwasser, Gewässerschutz. NRW zeigt sich an der Spree vielfältig, modern, traditionell und, ja, fast liebenswürdig. Ein Land, dass gelernt hat, seine Talente zu entdecken und zu fördern, sich als touristische Region über das „Wir sind Radfahrland“ weiter zu entwickeln und zu vermarkten und als Genussland für positive Verwirrung zu sorgen.

„Wat is denn dette?“ fragten sich die Berliner schon in den ersten Tagen ein ums andere Mal – sei es bei der Verkostung von Zuckerrübenkraut, kross gebratenem Panhas oder diesem langsam gegarten Schweinebauch vom Bentheimer Bioschwein mit Kräuterkruste und Apfel-Chutney.

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Da kamen am Wochenende sogar die Alphornbläser aus der Bayern-Halle nebenan gucken. Ja, NRW gibt sich selbstbewusst. Warum auch nicht? Statt Alphörner erklingen die fröhlichen Jungs von der Senne (die Siene Püttkers), in Klompen und mit Dialekt.

Statt Krachlederner gibt’s das „kleine Schwarze“, westfälisches Pumpernickel. Auf der Showbühne wird nahezu rund um die Uhr gekocht, diskutiert, erklärt und verkostet. Vis a vis hat die Biologische Station Rhein-Sieg an die 200 alte Apfelsorten mitgebracht.

Und dann sind da ja auch noch die Münsterländer und vor allem die Niederrheiner, die Panhas braten, Sauerkraut eingepottet haben, Forellen züchten, Dinkelbier brauen, mit ihren süß-sauer eingelegten Gurken den Spreewäldern Konkurrenz machen und dann auch noch Schnaps brennen und Obstsäfte so fein vermarkten, dass Streuobstwiesensaft vom Niederrhein es inzwischen auf die Gästetafeln des Bundespräsidenten geschafft haben.

Natürlich ist auch NRWs Spargelkönigin angereist und die Niederrheiner – wer sonst kommt auf so eine Idee – haben ein etwa einen Meter fünfzig langes Torfbeet mitgebracht, in dem die Besucher am Dienstag echten Walbecker Spargel stechen können.

NRW – eine Marke wie Parma oder die Champagne...

Die regionale Vielfalt als Ankerprodukt – das könnte klappen. „Wir können uns durchaus mit den Regionen der Champagne und Parma vergleichen“, zieht Jürgen Sons vom LANUV direkt die ganz große Karte. Dazu kommen potenzielle 18 Millionen Kunden direkt vor der Haustüre – ein Markt, den man auf den Geschmack bringen will.

Die Förderung der Regionalvermarktung gehört ganz sicher dazu. „Bier braucht Heimat“, bringt das Willi Hüsges aus Wesel-Büderich mal eben auf den Punkt. Und dann macht es plöpp. Herr Hüsges hat seine „Hildegard“ geköpft: „70 Prozent Dinkel, 30 Prozent Gerste, feinherb und naturtrüb.“ Der Berliner zögert. „Bier?“ - „Bier!“, versichert der Privatbrauer vom Niederrhein. Es muss ja nicht immer ‘ne Berliner Weiße sein.