Bedroht beim ganz alltäglichen Einsatz

Ruhrgebiet..  Es beginnt mit einem ganz gewöhnlichem Polizeieinsatz, einer Unfallaufnahme. Es endet damit, dass eine Polizistin geschubst und geschlagen zu Boden geht, dass ihr Kollege verunsichert zu seiner Waffe greift. Rundum, so heißt es in dem Polizeibericht, stehen rund einhundert Leute. Etwa 15 von ihnen seien drohend auf die Beamten zugekommen – bis endlich zehn weitere Streifenwagen eintrafen. Ein Zwischenfall um eine libanesische Großfamilie in Duisburg-Marxloh. Einer, der sich ähnlich auch in Essen, Dortmund oder Köln hätte zutragen können.

Doch der Vorfall vom Montag weckt Befürchtungen, Ängste. Von „rechtsfreien Räumen in Duisburg-Marxloh“ spricht der vor Tagen in den Bundestag nachgerückte Duisburger Bürgermeister Volker Mosblech (CDU). Und Arnold Plickert, der NRW-Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), warnt: „Wir dürfen kriminellen Gruppierungen nicht die Straße überlassen, sonst werden ganze Stadtteile weiter abrutschen und mit ihnen die dort lebenden Menschen.“

Jede Woche gebe es auch in anderen NRW-Städten Situationen, in denen Polizisten ohne erkennbaren Grund von einer größeren Menschenmenge bedroht und angegriffen werden. Sorge bereite vor allem das Vordringen libanesischer Großfamilien in den Problemvierteln. Deshalb fordere die GdP für diese Quartiere Mindestbesetzungen in den Polizeiwachen, die nicht unterschritten werden dürfen.

Tatsächlich hat auch in Duisburg die Gewaltbereitschaft vieler Täter zugenommen. Wurden hier im Jahr 2013 noch 209 Attacken auf Polizeibeamte registriert, waren es im Vorjahr schon 249. Zahlreiche Beamte wurden dabei schwer verletzt.

Auch in Essen kennen Polizisten solche Einsätze zur Genüge. Schon 2008 beschrieb Sprecher Ulrich Fassbender drei Dutzend Straßen der nördlichen Innenstadt als „gefährlichen Ort“. Teestuben, orientalische Cafés, Telefonshops. Teil der Infrastruktur der libanesischen Gemeinde in Essen, die etwa 5000 Mitglieder zählte. „Sie akzeptieren unsere Gesetze nicht und keine Polizisten!“, sagt Fassbender auch heute noch. Familienclans, die sich blitzschnell per Handy zusammentelefonierten. Fassbender: „Aber wir reagieren! Wir ziehen schnellstmöglich viele Kräfte zusammen. Und das ist uns noch immer gelungen.“