Baseballkappe bringt Polizei auf Spur von Serienbankräubern

Sie wurden Brillenbande genannt und ging bei ihren Banküberfällen sehr unauffällig vor. Ein Kleidungsstück brachte die Polizei nun auf die Spur der Bankräuber.
Sie wurden Brillenbande genannt und ging bei ihren Banküberfällen sehr unauffällig vor. Ein Kleidungsstück brachte die Polizei nun auf die Spur der Bankräuber.
Foto: Polizei
Was wir bereits wissen
Neun Taten seit Oktober: Die Neusser Polizei fasst Deutschlands wohl aktivste Bankräuber. Die Männer erbeuteten mehr als 100.000 Euro.

Essen..  19 Überfälle auf Banken und Sparkassen – und das seit vergangenem Oktober, Tatorte in vier Bundesländern, in NRW vor allem am Niederrhein: Der Mann, den die Kommission „Brille“ der Neusser Polizei jagte, hatte sich in den Medien den Ruf erarbeitet, „Deutschlands fleißigster Bankräuber“ zu sein. Nun haben die Beamten dem Treiben ein Ende bereitet, und es stellt sich heraus: Es geht um drei Männer. Ein einschlägig bekannter Krimineller aus Mönchengladbach (43) soll mal den einen, mal den anderen Handlanger für Überfälle in Banken geschickt haben. Alle drei wurden verhaftet und sitzen in U-Haft.

"S.W.A.T."-Kappe brachte Polizei auf Spur

Lässiger Kapuzenpulli, Käppi mit Aufschrift „S.W.A.T.“, Brille, später auch eine Perücke – so betrat der jeweilige Bankräuber die Geldinstitute. Die Polizei war lange davon ausgegangen, dass es sich nur um einen Täter handelte. Für die Überfälle waren immer kleine Bankfilialen mit nahem Autobahnanschluss ausgeguckt worden. Über 100.000 Euro soll die Bande insgesamt erbeutet haben.

„Meist haben weder andere Angestellte noch Kunden bemerkt, dass überhaupt ein Überfall stattgefunden hat“, berichtete Ulrich Jacobs, Leiter der Ermittlungskommission, gestern. Der Bankräuber stellte sich brav in die Schlange, mit ruhiger leiser Stimme sprach er dann an der Kasse seine Drohung aus oder schob einen Zettel vor. Dazu zeigte er dann eine Pistole oder einen Revolver vor, später auch mal eine Handgranate.

Banküberfälle auch in Unna, Neuss, Wuppertal und Mönchengladbach

Die Überfallserie begann am 8. Oktober im ostfriesischen Weener. In NRW wurden Banken in Unna, Neuss, Rommerskirchen, Nettetal, Willich, Mönchengladbach (2x), Wuppertal, Schwalmtal, Viersen und Herzebrock-Clarholz überfallen. Die Geduld der Beamten der EK „Brille“ wurde auf eine harte Probe gestellt. Verwertbare Spuren? Lange Fehlanzeige. Auch Hinweise aus der Bevölkerung erbrachten nichts. „Wir standen vor einem großen Fragezeichen“, bekannte Ermittlungsleiter Jacobs.

Bis zum 8. April: Nach einem Überfall in Mönchengladbach-Odenkirchen entdeckte ein Handwerker auf der offenen Ladefläche seines Transporters die geknüddelte „S.W.A.T“-Mütze (der Täter hatte sie auf der Flucht versteckt) und brachte sie zur Polizei. Die Beamten konnten dort eine DNA-Spur sichern, und die führte zu dem Mönchengladbacher Andrij L (43), der Anfang der 2000er-Jahre selbst lange wegen einer Überfallserie in Haft gesessen hatte. Das Problem nur: Die Bilder aus Überwachungskameras wollten so gar nicht zum Aussehen von L. passen.

Bei Festnahme Auto gestoppt

Observationen führten die Ermittler jedoch zu Andreas S. (32) und Dimitrij K. (39), – zwei Männern, mit denen sich L. im regionalen Drogenmilieu bewegte und auf deren Äußeres die Bilder passten. Nach einiger Zeit war für die Ermittler klar: L. ist der Kopf der Bande, er machte sich die Hände nicht schmutzig, schickte seine Bekannten in die Banken.

Vor wenigen Tagen erfolgten die Zugriffe. L. und S.. wurden an einem bekannten Drogenumschlagsplatz in Mönchengladbach festgenommen, dabei wurden Banknoten aus einem Überfall sichergestellt. Für K. klickten am Freitag in Wegberg die Handschellen. 15 Polizisten stoppten da ein fahrendes Auto. In der Wohnung von Andrij L. fanden die Beamten Schreckschusswaffen. Er streitet alles ab, die anderen Männer haben laut Polizei Teilgeständnisse abgelegt. Die Ermittler schließen nicht aus, dass es noch einen „vierten Mann“ geben könnte.