Bald Welterbe am Niederrhein?

Römerlager (wie hier in Bonn) gab es überall am Niedergermanischen Limes.
Römerlager (wie hier in Bonn) gab es überall am Niedergermanischen Limes.
Foto: L!NK 3D - Digitale Archäologie
Was wir bereits wissen
Experten sehen gute Chancen für eine Aufnahme des „Niedergermanischen Limes“ in die Unesco-Liste. Tourismus und Wirtschaft würde das einen Schub geben

Am Niederrhein..  Der Fluss markierte im Jahr 100 nach Christus das Ende der römisch zivilisierten Welt. Kastelle, Wachtürme und Lager reihten sich am linken Niederrhein aneinander. 15 000 Legionäre standen hier zu Kaiser Trajans Zeiten bereit, um die Außengrenzen des römischen Reiches zu verteidigen, dazu 20 000 Soldaten von Hilfstruppen. Die Limes genannten Grenzanlagen hatten keineswegs nur trennenden Charakter, im Gegenteil: Es wurde auch Handel getrieben, es gab kulturellen Austausch. Der Archäologische Park und das Römermuseum mit den ausgestellten Funden in Xanten, aber auch andere Einrichtungen zeugen davon.

Künftig dürfte das römische Erbe noch viel stärker im Fokus stehen. Die Niederlande bereiten mit Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz eine gemeinsame Bewerbung des „Niedergermanischen Limes“ fürs Weltkulturerbe vor. Konkret geht es um den 385 Kilometer langen Grenzabschnitt zwischen Remagen am Rhein und Katwijk an der niederländischen Nordseeküste. Gestern unterzeichneten die Partner in Bonn dazu eine Vereinbarung. Im Jahr 2019 (bis dahin gibt es noch viel zu tun) soll der Antrag bei der Unesco, der Kulturorganisation der Vereinten Nationen, eingereicht werden.

Beobachter sehen gute Chancen. Mit dem Hadrians- sowie dem Antoniuswall in Großbritannien und dem obergermanisch-rätischen Limes in Süddeutschland sind andere Bereiche der römischen Grenzen bereits aufgenommen worden. Eine Anerkennung als Welterbe verheißt internationale Aufmerksamkeit, einen kräftigen Schub für Tourismus und Wirtschaft sowie weitere Fördergelder (z. B. vom Bund). Mit der Zeche Zollverein, dem Kölner und dem Aachener Dom, den Schlössern Augustusberg und Falkenlust sowie der ehemaligen Benediktinerabtei Corvey gibt es in Nordrhein-Westfalen bereits fünf Welterbestätten.

Von der erhofften Anerkennung des „Niedergemanischen Limes“ dürfte neben Köln, wo seinerzeit der militärische Oberbefehlshaber seinen Sitz hatte, besonders der Niederrhein profitieren. Insgesamt 27 hochrangige, archäologische Fundstellen haben Wissenschaftler auf deutscher Seite ausgemacht. Ein großer Teil davon befindet sich zwischen Düsseldorf und Kleve (siehe Tabelle). Xanten ist ein ganz wichtiger Standort. Mit dem Doppellegionslager Vetera I befand sich bis zu seiner Zerstörung im 70 n. Chr. das mit 10 000 Mann größte Standlager des Römischen Reiches. Nicht weit entfernt, in Alpen, waren es erst kürzlich römische Übungslager entdeckt worden.

Wissenschaftler und Behörden haben nun eine Menge zu tun, ehe der Welterbeantrag von den federführenden Niederlanden gestellt werden kann. Schutz- und Pufferzonen müssen festgelegt werden. „Wir werden dazu Gespräche mit den Kommunen führen“, erklärte Steve Bödecker, Limes-Projektleiter beim Landschaftsverband Rheinland, im Gespräch mit der NRZ. Zudem soll es weitere Forschungen geben. An zusätzliche Ausgrabungen ist nicht gedacht, die Fundstellen lassen sich mit Erd-Ultraschall erkunden. Ganz wichtig für den Welterbeantrag: die Präsentation der Funde. Es muss dargelegt werden, wie der „Niedergemanische Limes“ für die Öffentlichkeit aufbereitet wird.

Infotafeln, Apps, Wanderweg, museale Präsentationen – die Verantwortlichen wollen alle Register ziehen: „Am Niederrhein ist Fahrradtourismus ja auch ein großes Thema“, sagt Bödecker.

Die Arbeit rollt jetzt erst richtig an. Für die nächsten Schritte stellt die Landesregierung im laufenden Jahr 120 000 Euro zur Verfügung. „Der Limes hat die Region geprägt“, sagt Günther Horsetzky, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium.