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Azubis wollen nicht zur Stadt Oberhausen

22.06.2012 | 18:49 Uhr
Azubis wollen nicht zur Stadt Oberhausen
Vor vier Jahren stürmten noch die Oberhausener Schüler das Rathaus und protestierten gegen den verhängten Stellenstop.

Oberhausen.   Mangels attraktiver Arbeitsbedingungen fehlen der Stadt Oberhausen noch städtische Auszubildende. Selbst das Arbeitsamt konnte nicht helfen. Vier Stellen wurden nun zurückgezogen. Oberhausens Personaldezernent Jürgen Schmidt hat für die jungen Leute sogar Verständnis.

Als man im schönen Konstanz jüngst händeringend einen Nachfolger für den scheidenden Oberbürgermeister suchte, soll ein dortiger Lokalpolitiker seiner Verwunderung über das mangelnde Interesse Ausdruck verliehen haben mit den Worten: „Konstanz ist doch nicht Oberhausen!“ Man weiß nicht, ob der Herr jemals in Oberhausen war, seine Reaktion sagt aber viel aus über den ramponierten Ruf der tief verschuldeten Ruhrgebietsstadt – nicht zuletzt als Arbeitgeber. Die Folgen dieser Entwicklung bekommt man in Oberhausen nun zu spüren. Zwar besteht wenig Anlass zur Sorge, dass das OB-Büro demnächst verwaist sein könnte, für die Ausbildungsplätze bei der Stadt aber mangelt es zunehmend an geeigneten Bewerbern. Findet man sie doch, springen sie mitunter kurzfristig ab, weil sich woanders Besseres findet. Eigentlich sollten zum 1. September 23 junge Männer und Frauen bei der Stadt ihren Dienst antreten – als künftige Beamte im gehobenen Dienst, als Verwaltungsfachangestellte, als Vermessungstechniker. Lauter solide Ausbildungen. Doch vier dieser Stellen zieht Oberhausen mangels qualifizierter Interessenten nun zurück. Selbst die Kandidaten auf der Reserveliste winkten ab, auch die Arbeitsagentur konnte nicht aushelfen.

Verständnis für die jungen Leute

Oberhausens Personaldezernent Jürgen Schmidt hat für die jungen Leute sogar Verständnis. Er kennt die Nachteile, die die Stadt im Wettbewerb um guten Nachwuchs gegenüber anderen Kommunen und Behörden hat. Die Bewerber wüssten genau, was ihnen die Konkurrenz bietet und sprächen dies offen an. „Andere Städte können zum Beispiel bei Ausbildungsbeginn eine Übernahme garantieren, das können wir nicht.“ Ebenfalls wenig werbeträchtig dürften für Oberhausen als Arbeitgeber die aktuellen Sparpläne sein: Mindestens 200 Stellen bei der Verwaltung will man in den kommenden zehn Jahren abbauen. Auch was Karriereperspektiven anbelangt, ist Oberhausen nicht gerade der Traum ambitionierter Nachwuchskräfte: Es herrscht Beförderungsstau. Zugleich beklagen Personalvertreter Überlastung in vielen Bereichen. Vergangenes Jahr fielen bei der Stadt mehr als 37 000 Überstunden an. Der Anstieg ergibt sich vor allem aus einer EU-Richtlinie, die die Wochenarbeitszeit auch von Feuerwehrleuten auf 48 Stunden begrenzt. In Städten wie Oberhausen trifft diese Maßgabe allerdings auf die Realität armer Kommunen: Statt mehr Freizeit standen am Ende schlicht mehr Überstunden.

Attraktive Arbeitsbedingungen sehen anders aus. Zu den handfesten Standortnachteilen kommt offenbar jener schlechte Ruf, den Oberhausen sein Status als Kommune mit der höchsten Pro-Kopf-Verschuldung Deutschlands eingebracht hat und der offenbar bis an den Bodensee reicht. „Armenhaus der Republik“, titelt die überregionale Presse, und: „Eine Stadt stirbt“. Kann es tatsächlich sein, dass darunter inzwischen sogar Oberhausens Image als Ausbilder leidet? „Ich will es nicht ausschließen“, sagt der Personaldezernent, der die frei gebliebenen Stellen nächstes Jahr vielleicht zusätzlich ausschreiben wird.

Langer Kampf

Auch deshalb, und das macht die Situation für Oberhausen umso bitterer, weil die Stadt für diese Stellen lange gekämpft hat. Wegen der Haushaltslage hatte die Bezirksregierung die Ausbildung zwischenzeitlich untersagt, hob entsprechende Ratsbeschlüsse auf. Die Stadtspitze ging auf die Barrikaden, begab sich in den offenen Konflikt mit Düsseldorf. In jenen Tagen gab es in Oberhausen sogar Demonstrationen von Schülern. Mit lautem Protest drängten sich zahlreiche junge Leute vom Vorplatz hinein ins Rathaus. Ein Bild, an das man vielleicht noch wehmütig zurückdenken wird.

Helen Sibum

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Kommentare
24.06.2012
20:39
Azubis wollen nicht zur Stadt Oberhausen
von trickflyer | #13

ist doch nur zu verständlich.wenn sich selbst leute mit abi und ausbildung hier in nrw für hartz IV anstellen,weiss man doch wo vorne ist....oder?spd-cdu und konsorten.

24.06.2012
20:06
Azubis wollen nicht zur Stadt Oberhausen
von eagle | #12

#tom009
wie immer ein fundierter Beitrag

24.06.2012
19:57
Warum man bei einem angestrebten Rentenalter von 70
von meigustu | #11

nur 16 - 20jährige Azubis haben will ist mir schleierhaft. Wir haben zig Jahrgänge davor, die immer noch in Warteschleifen leben oder Jobs machen die sie nicht wollen.

Vielleicht kriegt ja mal einer bei der Kommune den Hintern hoch und wirbt um die. Da könnte ein 27jähriger 1€ Jobber deutlich motivierter sein als eio 16jähriges Hätschelkind.

24.06.2012
17:49
Azubis wollen nicht zur Stadt Oberhausen
von tom009 | #10

hat groschek denn jemals was für oberhausen getan?????

die roten tun allenfalls für sich selber was.

aber für andere???????

24.06.2012
16:15
Azubis wollen nicht zur Stadt Oberhausen
von gambler1 | #9

Zitat ""....die Berufung des „Problemlösers“ Groschek als Minister in die Landesregierung, """

Genau das ist das Problem.
Jetzt ist er in der LANDESregierung und kann NICHT mehr für Oberhausen seine Kraft einsetzen.

1 Antwort
Azubis wollen nicht zur Stadt Oberhausen
von nurmalsoamrande | #9-1

Falsch, gerade jetzt kann er seine KRAFT für OB einsetzen!

24.06.2012
14:47
Ich bin mir in der Beurteilung noch unschlüssig.
von TreuerLeser | #8

Einerseits kann ich die Ausbildungs-Aspiranten und Aspirantinnen verstehen. Auch ich habe mich bei beruflichen Entscheidungen u. a. an dem Ruf von Unternehmen orientiert.

Auf der anderen Seite wurden doch die Qualität der Arbeit in Oberhausen Verantwortung Tragender und auch der Nimbus der Stadt gerade diese Woche eindrucksvoll unterstrichen.

Ich meine hiermit die Berufung des „Problemlösers“ Groschek als Minister in die Landesregierung, die doch wohl auch auf bisherigen Erfolgen des neuen Ministers basieren muß!? Immerhin trägt er seit nunmehr 28 Jahren in und für Oberhausen Verantwortung in Rat, Land- und Bundestag.

Und auf DER WESTEN wird OB Wehling so zitiert:

Er sehe Groschek bereits als „starken Mann im Kabinett…Er knüpfe an die stolze Tradition von Schleußer an…Ich kann…Kraft und…Groschek nur zur Wahl gratulieren. Und für uns ist es sehr gut, einen so engen Kontakt zu einem Minister zu haben.“

Ist das nichts Werbewirksames, das auch Stellenanwärter überzeugt?

2 Antworten
Azubis wollen nicht zur Stadt Oberhausen
von nurmalsoamrande | #8-1

Nö, welcher Bewerber kennt Groschek???

Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #8-2

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

24.06.2012
14:08
Azubis wollen nicht zur Stadt Oberhausen
von An77 | #7

Malschauen ob es auch irgentwann zu einer "Bürgerflucht" kommt. Wenn schon Stellen nicht besetzt werden können, kann man auch irgentwann nicht mehr bestimmte Dienstleistungen anbieten...

Dann wird wohl das Land einspringen müßen und Oberhausen als Stadt würde wohl in seiner jetzigen Art aufhören zu existieren.
Zwar noch alles reine Sciene-Ficton, aber wer weiß schon was die Zukunft bringt?

24.06.2012
13:43
Azubis wollen nicht zur Stadt Oberhausen
von xxyz | #6

Es ist schon ärgerlich, wenn Arbeitnehmer und Auszubildende die Wahl haben.
Die ausbildungsfahigen suchen sich den besten Arbeitgeber ,und die pisaversager helfen auch nicht weiter.

24.06.2012
13:31
Azubis wollen nicht zur Stadt Oberhausen
von kostolany | #5

OBERHAUSEN ? gibt es die Stadt wirklich ??

Ich dachte immer Bielefeld, Herne und eben Oberhausen sind keine Städte sondern Namen von Armenhäusern

24.06.2012
13:04
Azubis wollen nicht zur Stadt Oberhausen
von albertus28 | #4

....gab es in Oberhausen sogar Demonstrationen von Schülern."

Hoffendlich hat auch Verdi dafür gesorgt,dass die "empörten"Ahnunslosen während der Unterrichtszeit"mit lautem Protest ins Rathaus drängten" und nicht noch ihre Freizeit opfern mußten.

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